Kunst-Supermarkt
Den Chef des Rothus-Verlags treibt nicht nur der Kunst-Supermarkt um

Er ist ein Ideenschmied mit Unternehmergeist: Peter-Lukas Meier, Chef des Rothus-Verlags. Doch wer ist der Mann, der hinter dem Kunst-Supermarkt steckt?

Andreas Kaufmann (Text und Foto)
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Peter-Lukas Meier, Verleger und Kunstvermittler, möchte sich inskünftig wieder vermehrt der Schreibfeder zuwenden.

Peter-Lukas Meier, Verleger und Kunstvermittler, möchte sich inskünftig wieder vermehrt der Schreibfeder zuwenden.

Andreas Kaufmann

Auch nach der 16. Auflage sieht Peter-Lukas Meier keinen Grund, am Erfolgsmodell des Kunst-Supermarkts zu zweifeln. Zwar sei die Kauflaune schon grösser gewesen, ein ergiebiges Format ist der Anlass aber allemal.

Das war zur Geburtsstunde der Idee ein bisschen anders. Für ein Buchprojekt suchte Meier Künstler und gelangte so an den Kunst-Supermarkt in Marburg. Mit dieser Inspiration im Gepäck kehrte er von Deutschland nach Solothurn zurück, stiess zunächst zwar auf Begeisterung, bald aber auf unüberbrückbare Skepsis der lokalen Kunstkreise.

«Das hat mich erst recht angestachelt, das Projekt mit meinem Beziehungsnetz weiterzuverfolgen.» Und während ein Konkurrenzprojekt 2012 gleich neben der Halle scheiterte, hält sich Meier bis heute. «Wenig verändern und doch für Veränderung offen bleiben» lautet Meiers Devise beim Kunst-Supermarkt.

Vom Jura-Student zum Journi

Während das alljährliche Kunstevent sein prominentestes Standbein ist, ist Meiers vor 26 Jahren gegründeter Verlag, der den Kunst-Supermarkt in seiner Halle beherbergt, das wichtigste – und eines, der eher von Wandel als von Beständigkeit geprägt war.

Er erinnert sich: «Eigentlich sollte ich Jura studieren und die Nachfolge in der städtischen Anwaltskanzlei meines Vaters antreten.» – «Kann ich zwar, will ich aber nicht», befand der junge Meier damals. Stattdessen wagte er durch einen Ferienjob bei den damaligen «Solothurner Nachrichten» seine ersten Schritte im Journalismus.

Er sei kein «Superjourni» gewesen, habe aber die Empathie zum Kunden ins Zentrum gestellt: «Zu schreiben war für mich keine berufliche ‹Selbstbefriedigung›, sondern sollte dem Leser dienen. Nach acht Jahren als Chefredaktor der «Schweizer Jugend» wurde er selbenorts für weitere anderthalb Jahre Verlagsleiter.

«Danach fragte ich mich: Will ich in einen grossen Zürcher Verlag oder mich hier selbstständig machen?» Er blieb mit seiner jungen Familie in Biberist. Als Dreierbesetzung begann 1990 die Firmengeschichte des in Solothurn ansässigen Rothus-Verlags.

Denn Meier ordnete sich nie gerne unter – «was auch mit meinen verrückten Ideen zusammenhängt.»

Längst nicht alle seine Vorhaben mündeten im Erfolg: Viele Buchprojekte strandeten: «Es ist schwierig geworden, damit Geld zu verdienen. Oft musste ich es Buchautoren ausreden, ihre Projekte weiterzuverfolgen.»

Meiers Flaggschiff hält sich aber im stürmischen Meer der gedruckten Presse mit einer Auflage von 18 000 Exemplaren ziemlich wacker: «Schweiz. Das Wandermagazin». Doch: «Man kann sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen», weiss Meier.

In fünf bis zehn Jahren sehe die Welt anders aus. «Noch bevorzugen die Leser eine gedruckte Zeitschrift. Doch man muss die Konzepte ständig infrage stellen.» Gerade Tablet-Computer eröffnen aus Meiers Sicht neue Möglichkeiten, neue Zwänge.

Das konnte er schon 1985 feststellen, als er sich als Redaktor einen Apple-Computer anschaffte, der mit den millionenschweren Satzmaschinen mithalten konnte.

Der Anspruch der steten Erneuerung ist ihm geblieben. «Wir suchen neue Möglichkeiten in der Verknüpfung von Print mit der digitalen Welt. Und wer die schlauste Verbindung findet, der überlebt.»

Geplant sind interaktive, animierte E-Papers, interaktive Landkarten auf der Webseite, Wandertipps per mobilem App. «Die Frage ist lediglich, wie man die Angebote in Geld ummünzen kann», sagt Meier.

Bei anderen Produkten stellt sich der Verleger die Frage weniger. Der «Solothurner Kalender» ist eine Herzensangelegenheit, an der sich kaum was verdienen lässt. Andere Projekte hat Meier schliesslich wieder losgelassen.

So übergab er 2012 nach 20 Jahren die Federführung der Biberister «Dorf-Zytig» an die Gemeinde. «Nach so langer Zeit merkt man, wie sich Probleme eines Dorfs wiederholen.» Ausserdem sei die Zeitung früher zwar frech und unabhängig gewesen, heute stehe sie dafür finanziell auf der sicheren Seite.

Meiers «Zeitfresser»

Mittlerweile hat Meier 14 Leute auf der Lohnliste, davon drei Lehrlinge – aufsummiert zehn Vollzeitstellen. «Wo ist der Journalist geblieben?», ist die Frage, die der Verlagschef an sich selbst richtet.

Statt Schreiben und Fotografieren, sind es jetzt administrative Tätigkeiten, Personalfragen, technische Querelen und strategische Grübeleien, die «Zeit fressen». «Dabei wäre es ein Traum von mir, baldmöglichst einen Nachfolger für den Verlag zu finden. Ich möchte wieder mehr Bücher schreiben.»

In einem seiner Wunschprojekte will Meier mit seinem Grossvater Heribert Reiners befassen. Der deutsche Professor für Kunstgeschichte an der Uni Fribourg war 1945 wegen angeblicher Kollaboration mit den Nationalsozialisten und Spionageverdacht aus der Schweiz ausgewiesen worden.

In seinem Fundus befanden sich 9000 Glas-Fotoplatten aus dem Ersten Weltkrieg. Ausserdem hatte Reiners viele Kunstwerke vor dem nationalsozialistischen Bildersturm in die Schweiz gerettet.

So stand in Meiers Elternhaus über zehn Jahre ein echter Picasso einer jüdischen Bekannten zur Aufbewahrung: «L’Acteur», dessen Wert auf über 100 Mio. Dollar beziffert wird, steht heute im Metropolitan Museum of Art in New York.

Persönliche Geschichten hat Meier nie gescheut. Auch jene nicht, die vor 13 Jahren aus tragischem Anlass entstand. Zwei Jahre zuvor war sein 13-jähriger Sohn an Leukämie gestorben:

In der Biberister «Dorf-Zytig» kommentierte Meier den maroden, würdelosen Zustand der örtlichen Abdankungshalle, woraufhin eine Sanierung eingeleitet wurde. «Alle dachten, was ich dachte. Doch ich schrieb darüber.»

Seither hat das Thema Tod den umtriebigen Verleger stets beschäftigt. «Was in Bern realisiert ist und auch in Solothurn sinnvoll wäre, wäre ein Sterbehospiz.»

Derweil setzt sich Meier auch sonst im Lokalen ein, sei es als Vorstandsmitglied beim Schweizer Alpen-Club SAC Sektion Weissenstein, als Präsident des Vereins schiffaare und von INVAmobil. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter wohnt in Biberist, ist aber Solothurner Bürger.

«Es ist enorm schön, hier in eine Beiz zu gehen und die Leute zu kennen. Denn wer hier lebt, hier auf den Märet geht, bleibt nicht allein.»

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