Gemeinderat Solothurn

Das zweispurig geplante Bipperlisi spaltet die Gemüter

Die engste Stelle bei der St.-Josefskirche ist nur ein Knackpunkt für die Planer.

Die engste Stelle bei der St.-Josefskirche ist nur ein Knackpunkt für die Planer.

Der Kanton will künftig das Bipperlisi auf der Baselstrasse in Solothurn mit zwei Gleisen verkehren lassen. Diese vorgeschlagene Mischverkehr-Variante stiess im Gemeinderat jedoch nicht auf ungeteilte Begeisterung.

«Die Bahn hätte gerne ihr Trassee behalten – doch es erfüllt für den Bund die heutigen Normen nicht mehr.» Stadtpräsident Kurt Fluri, selbst Verwaltungsrat der Bipperlisi-Betreiberin Aare Seeland Mobil asm, zeigte mit diesem Satz auf, wo das Problem liegt. Das Vorprojekt des Kantons zur Doppelspur-Variante im Mischverkehr war also nicht nur Folge des Sanierungsbedarfs der Baselstrasse oder der Millionen-Zuschüsse aus den Bundes-Fonds, sondern weil kaum eine andere Wahl blieb. Der Gemeinderat liess sich nun neben der Stadtpolizei, Planungskommission und andern Gremien noch im Rahmen der offiziellen Mitwirkung vernehmen – diese war bis Mitte August mitten in den Ferien angesetzt, was auch auf Kritik stiess. An die Adresse des Kantons geht jetzt einfach das Gemeinderatsprotokoll.

Einige sehen das Ganze recht positiv, andere nicht

«Eigentlich ein ganz gutes Projekt», befand Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, auch wenn der Mischverkehr «keine perfekte Lösung» sei. Mehr Platz für den Velo- und Fussverkehr sah sie wie auch die Grünen und die SP positiv; «viele Fragen offen» lasse die Unterführung beim Baseltorkreisel. Noch zu klären seien die Anbindungen der Quartierstrassen sowie die genauen Haltestellen Sternen und Baseltor oder die Abläufe in der Bauzeit. «Und den Kreisel müssen wir nochmals anschauen.»

Christof Schauwecker (Grüne) hoffte sogar auf Tempo 30 und Alleebäume. Für ihn ist der Mischverkehr die «beste Lösung.» Auch Corinne Widmer (SP) vermisste den Einbezug der Unterführung, übte aber keine Fundamentalkritik.

Marco Lupi (FDP) dagegen störten die Kosten von bis zu 40 Mio. Franken, auch wenn sich Stadt kaum beteiligen muss. Er befürchtete Staus und dass die Baselstrasse ihre Funktion als Erschliessungsachse für die Nachbargemeinden verliere. Kritisch sah auch Pascal Walter (CVP) das Vorhaben und dass es «zur Bauphase noch keine Idee gibt». Auch Kurt Fluri geht von  Staus und Verspätungen aus. Das Bipperlisi gelte künftig zwar als Strassenbahn, sei aber eben kein Tram. «Schliesslich sehe ich ja den ganzen Tag vom Fenster aus, was da abgeht.» Und: Angesichts der Rundum-Opposition der Anstösser verstreiche bis zur Realisierung – 2023 beabsichtigt – wohl noch viel Zeit.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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