Stadtentwicklung
Das wünschen sich die jungen Erwachsenen für Solothurn

Für die anstehende Ortsplanungsrevision war auch die Meinung der jungen Solothurner Bevölkerung gefragt. Ein Thema welches die jungen Solothurner stark beschäftigt ist der Ausgang. Aber auch Sportclubs und Kreativberufe sind wichtig.

Andreas Kaufmann und Wolfgang Wagmann
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Je älter die Antwortenden, desto eher sind sie mit tradtionellen Unterhaltungsangeboten zufrieden.

Je älter die Antwortenden, desto eher sind sie mit tradtionellen Unterhaltungsangeboten zufrieden.

Hanspeter Bärtschi

Geht es darum, das Solothurn der Zukunft zu entwerfen, so bleibt das Thema kein Vorrecht jener, die von Amtes wegen Visionäre sind. Auch die Bevölkerung soll etwas zu sagen haben, wenn für die anstehende Ortsplanungsrevision ein entsprechendes Stadtentwicklungskonzept entworfen wird.

Dabei ist nicht zuletzt auch die Meinung der jungen Menschen gefragt, die sich in dieser Stadt künftig entfalten werden. Genau dieser Zielgruppe wurde der Puls gefühlt: Wo arbeitet oder wohnt der junge Solothurner? Wohin geht er am Wochenende aus? Und welche Freizeitaktivitäten betreibt er? Oder auf den Punkt gebracht: Wie sieht das heutige Solothurn der Jungen aus, vor allem aber: Wie soll es morgen aussehen?

Wenn die Befindlichkeit kippt

Für Stadtplaner Daniel Laubscher, der die Umfrageresultate interpretiert, ist eine Beobachtung spannend: «So bis gegen 30 stehen vor allem die Angebote für den Ausgang im Fokus. Davon gibts für die Jüngeren eindeutig zu wenig und entsprechende Forderungen werden gestellt.»

Dann aber «kippe» die Befindlichkeit bei den Antworten: «Nun werden die Leute heimischer und sind mit den bestehenden Angeboten wie beispielsweise der ‹Aaremeile› und sonstigen bestehenden Ausgangsangeboten zufrieden.»

Deshalb werde eine grosse Herausforderung für die künftige Stadtentwicklung sein, wie weit Solothurn «Metropole-Funktionen» wahrnehmen oder sich auf die bisherigen Qualitäten einer attraktiven Wohnstadt konzentrieren soll, meint der Stadtplaner.

Hohe Identifikation mit Stadt

So hat eine letzten Sommer lancierte Umfrage folgendes Fazit der 20- bis 40-Jährigen ergeben: Die Vereinbarkeit von Wohnen und Ausgang wird geschätzt, ebenso die Möglichkeiten des Langsamverkehrs. Jedoch müsste sich das Angebot in Sachen Sport und Kultur noch besser entwickeln.

In einer wiederholten Umfrage äusserten sich diesen Frühling junge Erwachsene zwischen 18 und 30 aus Solothurn und zum grösseren Anteil aus den umliegenden Gemeinden zum Solothurn, wie es heute ist, und wie es morgen sein soll.

Erhoben wurden die Daten vor allem im Umfeld der Kulturfabrik Kofmehl, um die Erreichbarkeit einer sonst schwer zugänglichen Zielgruppe zu erhöhen. Auch nutzte man den viralen Effekt der Neuen Medien, um möglichst zielführend an die Befragten heranzukommen.

Eine Feststellung vorweg: Junge Menschen zeigen eine hohe Identifikation mit der Stadt und fühlen sich hier verwurzelt. Gleichzeitig äussern sie aber auch konstruktive Kritik, wenn es ums Nachtleben, um den Arbeitsmarkt, die Wohnsituation, die Einkaufsmöglichkeiten und die sportlichen Aktivitäten in Solothurn geht.

Ausgang: ein Thema, das bewegt

Spricht man junge Erwachsene auf die Ausgangsmöglichkeiten an, so wird der vorhandene familiäre Provinzcharme genannt, ebenso Orte wie das Aaremürli oder die Altstadt. Auch was das Festival- und Festangebot in der Stadt angeht, fanden die Befragten keinen Anlass zur Kritik, ebenso wenig an Kinos und Restaurants. Mängel werden vor allem beim Club- und Barangebot geortet.

Diese Ansichten dürften sich mit dem Wegfall des Clubs «Eleven» noch verstärken. Der hauptsächlich genannte Kritikpunkt zielt auf die Öffnungszeiten ab, die länger sein könnten.

Stadt ist zu wenig attraktiv

Die Auswertung nimmt auch junge Erwachsene als Konsumenten in den Blick. Hier zeigen sich Defizite: Die Hälfte aller Befragten findet das städtische Einkaufsangebot unattraktiv. Grundsätzlich gilt: Menschen aus der Region Solothurn strömen ins Zentrum, während sich die Städter selbst an grösseren Ballungszentren orientieren, in denen sie einkaufen können. Eine kleine Minderheit der jüngeren Befragten wünscht sich allerdings dezidiert ein Shoppingcenter, welches zurzeit in der Stadt fehlt. Im Besonderen werden der Mangel an junger Mode und ein dürftiges Angebot an Männermode bemängelt. (ak)

Dies mag mit einem weiteren Befund der jungen Befragten zusammenhängen: Die in Solothurn vorhandene Kultur sei stark an die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung ausgerichtet.

Angelehnt an die Forderung längerer Öffnungszeiten heisst das: Es brauche ein Ausgehangebot, das über die klassischen Kulturaktivitäten hinausgeht. Die Zufriedenheit über das vorhandene Angebot (Theater, Museen, Kunst) steigt mit zunehmendem Alter, ist aber auch bei jenen Befragten höher, die aus dem Umfeld der Stadt stammen statt aus der Stadt selbst.

Über die Frage, wo das Nachtleben in Solothurn pulsieren soll, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Zwar wird von einer grossen Mehrheit ein Nachtleben auch ausserhalb der Altstadt gewünscht.

Zu neuen Partyräumen in Industriearealen zeigen sich wegen des fehlenden Sicherheitsgefühls insbesondere junge Frauen skeptisch. Abgesehen davon, dass sich solche Terrains eher für Einzelclubs, aber nicht für eine Ausgangsstruktur im Sinne eines Kulturquartiers eignen würden. Auch die weiterreichende Nutzung des öffentlichen Raumes für Feste wird geschätzt.

Sportclub mit Glanz erwünscht

Mit Aktivitäten in Sachen Sport wird in der Befragung ein zweiter grosser Freizeitbereich junger Leute angeschnitten. Mehr als ein Drittel findet, dass es in Solothurn an Angeboten nicht mangle, ein weiterer Drittel wünscht sich mehr Aussensportanlagen. Ferner auf der «Wunschliste» junger Leute stehen erweiterte Hallensport-Infrastrukturen.

Ebenfalls thematisiert wird der sportliche Mehrwert, den ein erfolgreicher Sportclub (Fussball oder Eishockey) bringen kann. Dadurch liesse sich – ähnlich wie bei Stadtfesten – der Zusammenhalt fördern.

Mehr Kreativberufe erwünscht

Das Arbeitsplatzangebot kommt bei jungen Erwachsenen durchzogen weg. Aber wer in der Region oder in der Stadt arbeitet, behält auch einen stärkeren Bezug zum städtischen Leben, als dies Auswärtige haben.

Gewünscht wird indes eine verstärkte Wirtschaftsförderung für Arbeitsplätze in ihrer Altersgruppe, die Ansiedlung auch grösserer Unternehmen und eine verstärkte Präsenz und Vernetzung von Kultur- und Kreativbetrieben.

Zuletzt konnten sich die Befragten auch über ihre Wohnsituation äussern. Ihre Erkenntnis: In der Stadt lässt es sich auch als junger Mensch gut wohnen, selbst wenn die Mietpreise nicht sonderlich tief sind. Was die Wohnsituation in der Stadt noch verbessern würde, wären attraktivere Mietpreise oder bessere Möglichkeiten, um Wohngemeinschaften zu gründen.