Der fast schon zur Tradition gewordene November-Anlass der 2000 Watt Region Solothurn befasste sich mit Konzepten für die Zukunft in einer Postwachstumsgesellschaft. In der abschliessenden Diskussion wurde ökologischer Unterricht bereits in der Primarschule gefordert, denn ein Umdenken beginne in den Köpfen. Die Referentin des Abends, Irmi Seidl, konnte sich dieser Aussage nur bedingt anschliessen. Wissen sei zwar gut und nötig, aber es müsse auch die Gefühlsebene angesprochen werden.

Irmi Seidl, Professorin an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, hat zusammen mit Angelika Zahrnt das Buch «Postwachstumsgesellschaft – Konzepte für die Zukunft» verfasst, was diesem Anlass auch seinen Namen gegeben hat. In ihrem mit zahlreichen Tabellen illustrieren Referat führte sie aus, dass das Zeitalter des Wirtschaftswachstums (BIP) sich dem Ende zu neige. Es fehle an einer Entflechtung des BIP mit dem Ressourcenverbrauch.

Das heutige Wachstum stehe auf tönernen Füssen, denn es sei nur dank der Verschuldung möglich. In Zürich stünden beispielsweise 650'000 Quadratmeter Büroflächen leer. Da unsere Gesellschaft auf Wachstum basiert, was besonders bei der Altersvorsorge oder auf dem Arbeitsmarkt spürbar wird, sei eine Neuorientierung vonnöten. «Die Gesellschaft ist nicht existenziell auf Wirtschaftswachstum angewiesen.» Die durch das fehlende Wachstum entstehende Finanzlücke müsse mit Ressourcen- und Konsumsteuern ausgeglichen werden.

Sorgen vor der Zukunft

Nach diesem Impuls-Referat begrüsste Moderator Mike Bucher die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion. Durch klug gestellte Fragen konnte er sie zu interessanten Äusserungen animieren. Michael Ochsenbein, Gemeindepräsident von Luterbach, hat in seiner Gemeinde einen Zukunftsrat ins Leben gerufen. «Wir können auch auf kommunaler oder kantonaler Ebene etwas machen.» Im Bereich des Recyclings der Grünabfuhr sieht er Potenzial. Ebenfalls in einer vermehrten Begrünung des öffentlichen Raums, um die Natur wieder vermehrt ins Siedlungsgebiet zu bringen.

Die Präsidentin des Verwaltungsrates der Berner Kantonalbank und Vizepräsidentin des Verwaltungsrates bei Forma Futura Invest AG, Antoinette Hunziker-Ebneter, plädierte dafür, dass Versicherungen und Banken nur noch in Firmen investieren, die der Nachhaltigkeit verpflichtet sind. Sie konnte bereits einige nennen, darunter natürlich die BEKB. «Wir müssen vom quantitativen Wachstum zum qualitativen Wachstum wechseln. Wenn wir nur auf quantitatives Wachstum setzen, machen wir den Planeten kaputt.»

Dieser Ansicht konnte sich der Evolutionsbiologe Hansjürg Geiger nur anschliessen. Er hat Bedenken, ob es die Menschheit schafft, den Turnaround noch rechtzeitig hinzukriegen. Diese Anstrengungen müssten aber weltweit erfolgen. Mut macht ihm, dass es selbst in den USA Bundesstaaten und Städte gibt, welche die Forderungen der Klimakonferenz am Umsetzen sind, ohne auf Washington zu warten. Hingegen bereitet ihm das gemächliche Tempo in unserer demokratischen Politik Sorgen. «Wir haben einfach nicht mehr genug Zeit.» Irmi Seidl indessen meinte, dass es manchmal recht schnell zu veränderten Sichtweisen kommen könne. Allerdings könne sie künftige Energiekrisen nicht ausschliessen.