Tourist Office
«Das Tourismusbüro ist eine gute Visitenkarte für Solothurn!»

Wer sind die Touristen, die Solothurn besuchen? Und was erwarten sie von der Stadt? Ein Abstecher in das Tourist Office zeigt häufige Fragen, Vorlieben und Reaktionen der Besucher unserer Stadt auf.

Andreas Kaufmann
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Zwei Gesichter des Tourist Office: Sophie von Siebenthal (Stadtführungen, Buchhaltung und Information, l.) und Miranda Karau (Saalreservationen und Information).

Zwei Gesichter des Tourist Office: Sophie von Siebenthal (Stadtführungen, Buchhaltung und Information, l.) und Miranda Karau (Saalreservationen und Information).

Andreas Kaufmann

Die Frage nach der Verenaschlucht ist auf dem Tourist Office am Kronenplatz längst zum Dauerbrenner geworden. Und doch darf sich der Solothurner Gast als Individuum und als Einsiedelei-Pionier verstanden fühlen, wenn er die Frage stellt. «Das wäre eher ein Waldweg», antwortet Miranda Karau ruhig am Telefon: «Gutes Schuhwerk ist empfehlenswert.» Ähnlich verhält es sich mit der Frage, welche Türen der Kathedrale nun offen sind. So oder so: Die junge Frau hat die Hotspots der Stadt und Region bereits vor Ort erkundet – Ortskundigkeit gehört dazu, auch wenn sie erst seit Mai hinter der Informationstheke des Region Solothurn Tourismus anzutreffen ist. Und so kann es sein, dass sie und Sophie von Siebenthal, die für Stadtführungen, Buchhaltung und Information verantwortlich zeichnet, mit allerlei Fragen bombardiert werden.

Vom Spielplatz zum Waffenladen

Der lebendige Kontakt mit Menschen ist für beide ein wichtiger Grundantrieb im Arbeitsalltag, auch wenn sich die Fragen oft wiederholen. Der Weg zur Seilbahn-Talstation interessiert ebenso wie jener in die Urbangasse oder zur kühlsten Ecke im sommerlichen Solothurn. Oder jener zur nächsten öffentlichen Toilette, zum coolsten Spielplatz oder zum städtischen Waffenfachgeschäft, wie es an diesem Morgen auch ein Waffensammler aus Neuenburg wissen will. «Solothurn hat eine andere Mentalität als die anderen Deutschschweizer Städte», schwärmt der Besucher, «und das Tourismusbüro ist eine gute Visitenkarte.»

Eine, die in mehreren Sprachen über fast alles Auskunft gibt: Manchmal reichen die gestellten Fragen über den Kompetenzrahmen im Tourist Office hinaus: «Wir versuchen aber, auf alle Fälle zu helfen, selbst, wenn dazu noch Recherchen nötig sind. Google ist ein guter Freund», sagt von Siebenthal schmunzelnd. Und manchmal nehmen die Mitarbeiterinnen des Tourist Office den oft plan- und ahnungslosen Gast ganz einfach an die Hand – händigen mehrsprachige Broschüren oder den beliebten Stadtplan als niederschwellige Einstiegslektüre aus – oder die neue Wanderkarte. «Viele Leute kommen unvorbereitet für einen Tagsausflug her», sagt Sophie von Siebenthal: In Solothurn kreuzen sich nationale Velo-, Kanu- und Wanderrouten, und somit treffen sich auch ihre Benutzer. Kunstliebhaber stürmen nach dem Besuch am Kronenplatz Richtung Kunsthaus los und Familien peilen das Naturmuseum an. Oder dann sind es Geschäftsleute, die in der dicht gedrängten Agenda noch ein freies Zeitfenster für ein Stück Solothurn finden. Fazit: Aus der ersten Zufallsbegegnung kann eine echte Liebesbeziehung zu Solothurn entstehen.

Was die Gästefrequenz angeht, so ist gibts beim Tourist Office oft Überraschungen: Tageszeitlich sind der Vormittag und die späteren Nachmittagsstunden jene mit höherer Frequenz – es sei denn, Regen oder Hitze halten die Touristen davon ab. Macht ein ganzer Car oder eine Schulklasse hier Halt, kann es zu einem plötzlichen Ansturm kommen. Dann gehen reihenweise Postkarten oder Stadtpläne über die Theke. Und dann wiederum tröpfeln die Besucher als Einzelgäste in den Laden. Oft sind es französisch, ferner englisch sprechende Gäste – asiatische Besucher sind eher seltener. Und einheimische Gäste nutzen das Tourismusbüro, um Stadtgutscheine, GA-Tageskarten, Seilbahn-Billetts oder Tickets für regionale Veranstaltungen zu beziehen. Und dann bietet das Tourist Office in ihrem Schaufenster eine kostenlose Werbefläche für ausgewählte Veranstalter an, wie Karau ausführt.

Das Kernstück des Tourist Office ist und bleibt das Angebot der Stadtführungen, sagt von Siebenthal. Neben den gebuchten und oft massgeschneiderten, sind es die öffentlichen Führungen für Einzelgäste, und als beliebteste unter ihnen die Altstadtführung: «Haben die Leute auf diesem Weg die Stadt kennen gelernt, so kommen sie später häufig wieder», so von Siebenthal weiter. Und über das Angebot des Steinmuseums lässt sich die Stadt mit einer elektronischen «Stadtführerin» auf einem Tablett-PC anders und innovativ erkunden.

Eine lernende Institution

Insgesamt ist Innovation bei Region Solothurn Tourismus, wo – Praktikanten und Lehrling inklusive – acht Personen arbeiten, kein Fremdwort. Für die Frage, was neu angeboten werden könnte, werden die Nutzungszahlen der Vorjahre herangezogen. Neue Ideen werden auch mit dem Marketing zusammen entwickelt. Von Siebenthal, die beim Tourist Office als Praktikantin begann, hat selbst als Arbeit zum Studienabschluss eine Analyse von Weissenstein, Balmberg und Grenchenberg vorgenommen. Daraus entwickelt hat sich eine neue Wanderkarte sowie eine Angebotsübersicht in Broschürenform.

Doch ist man nicht oft auch Blitzableiter für frustrierte Kunden und Touristen? Früher sei das Ablaufdatum der Stadtgutscheine zeitweilen Thema gewesen. «Und die Leute sind enttäuscht, weil am Montag nicht viel läuft, ausser es sei gerade Monatsmarkt», sagt Karau. Insgesamt sind die Leute, die herkommen, überwiegend gut gelaunt: «Schliesslich weilen sie ja in den Ferien», sagt von Siebenthal. Und meistens schwappt diese Ferienlaune in Form zufriedener Rückmeldungen auch über die Theke des Tourist Office.