Solothurn
Das Thüringenhaus soll noch nicht verkauft werden

Eine ausserordentliche Bürgerversammlung hat beschlossen, das jetzt noch als Alters- und Pflegeheim dienende Thüringenhaus noch nicht zu verkaufen. Die Alterspflege der Bürgergemein­de soll jedoch im St. Katharinen konzentriert werden.

Mark A. Herzig
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Das Altersheim Thüringenhaus bleibt noch in Besitz der Bürgergemeinde. (Archiv)

Das Altersheim Thüringenhaus bleibt noch in Besitz der Bürgergemeinde. (Archiv)

Wolfgang Wagmann

Es gehört seit alters zu den vornehmsten Aufgaben der Bürgergemeinde, sich um Alte und Kranke zu kümmern. Der Wandel der Zeit führte dazu, dass zuerst das allgemeine Spital aufgegeben werden musste. Das Altersheim wurde weitergeführt, bis jetzt in den zwei Häusern St. Katharinen und Thüringenhaus.

Die jüngste Geschichte fasste Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger zusammen, daraus sei in Erinnerung gerufen: 1989 wurde ein Konzept erstellt. Dieses zeigte, dass ein kostendeckender Betrieb möglich sei, dies trotz der durch die Renovation des Thüringenhauses erforderlichen hohen Investition.

Wegen der mittlerweile schlechten finanziellen Aussichten der Heime wurde 2009 erneut eine Arbeitsgruppe eingesetzt - der Bericht «Zukunftsszenarien» wurde 2011 vorgelegt. Darin wurden die Möglichkeiten einer Übergabe an Dritte, Kooperation mit der Spitex bis hin zu Verbindungen mit anderen Projekten in der Weststadt geprüft, Überlegungen von Aufgabe bis Erweiterung des Angebots beleuchtet.

Im Mai 2011 hat die Finanzkommission der BGS festgehalten: Die Bürgergemeinde muss auf lange Frist gesehen schuldenfrei sein und darf nur Schulden machen, die im Zeitraum von 20 bis 25 Jahren abgebaut werden können. Ausserdem sollten sich die einzelnen Bereiche selbst finanzieren.

Neue Gegebenheiten

Erschwerend kam hinzu, dass für den Kanton die Qualitätsnormen hinsichtlich Zimmergrössen, sanitäre Anlagen, Schwellen, Brandschutz, Fluchtwege und weitere nicht mehr erfüllt sind. 2011 hat der Bürgerrat trotzdem beschlossen, auch weiterhin ein Alters- und Pflegeheim im zu erweiternden St. Katharinen zu führen, solange dies finanziell tragbar ist. Das Thüringenhaus sei zu verkaufen und der Erlös in den Erweiterungsbau in St. Katharinen zu investieren, so dies denn möglich sei, da mit der Stadt eine Lösung betreffend Bauland gefunden werden müsse. Auch müsse mit der römisch-katholischen Kirchgemeinde eine Lösung betreffend Baurechtsvertrag für das Rüeflihaus (östlich Thüringenhaus) gefunden werden.

Der Bürgerrat hat nun der Bürgerversammlung drei Lösungs-Varianten vorgelegt. A: Verkauf des Thüringenhauses und Konzentration im erweiterten St. Katharinen (62 Betten). B: Nach Renovation des Thüringenhauses Weiterführung an zwei Standorten (32 und 30 Betten). C: Wie Variante A, aber unter Beibehalt des Thüringenhauses und mit dessen Umnutzung zum Beispiel in Wohnungen für begleitetes Wohnen im Alter. Arbeitsgruppe und Bürgerrat kamen übereinstimmend zur Ansicht, dass aus wirtschaftlicher Sicht nur Variante A sinnvoll sei.

Othmar Hausherr, der als aussenstehender Berater die Varianten evaluiert hatte, erläuterte der Bürgerversammlung die Resultate der Wirtschaftlichkeitsprüfung, welche zum Vorschlag von Variante A geführt haben. Er rief auch dazu auf, nicht nur die Höhe der Bruttoinvestitionen (zwischen 7 und 17 Mio.) zu beachten, sondern auch deren Wirkung auf mögliche Erträge. Dem folgte die Versammlung mit einer intensiven Diskussion, welche nahezu alle oben erwähnen Gesichtspunkte einbezog, aber auch viel Emotion bezüglich des altehrwürdigen Hauses offenlegte.

Eine Grundhaltung offenbarte sich: «Die Bürgergemeinde besteht nicht nur aus Buchhaltung.» Der wirtschaftliche Aspekt, das Altersheim in St. Katharinen zu konzentrieren, war unbestritten, hingegen wurde der Verkauf des Thüringenhauses auf Zusehen hin abgelehnt. Der Entscheid fiel mit 45 zu 11 Stimmen.

Die Bürgerversammlung sicherte im Weiteren folgenden Personen das Bürgerrecht von Solothurn zu: Franziska Brechbühl; Sakine Tekbas mit der Tochter Destina Kizildag; Mustafa Hizar mit der Ehefrau Sevgi und dem Sohn Berat; Begüm Sümer.

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