Nicht der Dreivierteltakt, sondern die Welt der Oper stand im Zentrum der Neujahrsmatinee. Zum Auftakt servierten die Musikerinnen und Musiker die leise beginnende Presto-Ouvertüre zu Mozarts «Le nozze di Figaro», die sich choralartig steigert. Das dem Werk zugrunde liegende Theaterstück nannte Beaumarchais «Der tolle Tag».
Der Titel prägte auch das Motto des erfrischenden Konzertmorgens. Zumal mit Anne-Florence Marbot eine Sängerin gastierte, die das Publikum von Auftritten in den Theatern Biel-Solothurn und Bern schätzt.

Sehnsucht und Leichtigkeit

Die Sopranistin wählte denn auch Arien aus Opern, in denen sie auf den Bühnen reüssierte. Ihrer lyrischen Stimme kommen Mozart-Partien entgegen. Als Zerlina setzt sie Gesang ein um den imaginären Partner zurückzugewinnen. Nachdem Don Giovanni das Bauernmädchen an ihrem Hochzeitstag verführte, will ihr Bräutigam Masetto sie nämlich nicht mehr anfassen. Ergo forderte ihn Anne-Florence Marbot mit «Batti, batti, o bel Masetto» auf, sie zu schlagen, um wenigstens so Körperkontakt herzustellen. Sehnsucht, Leichtigkeit und Lyrismen tränkten die Kavatine der Norina aus Donizettis «Don Pasquale», in der Anne–Florence Marbot anmutig die Koloraturkaskaden erklomm und die kupferschimmernde Haarpracht schüttelte.

Schreibmaschine und Rosen

Doch nicht nur die Gastsolistin glänzte, auch das Stadtorchester wartete mit musikalischen und optischen Überraschungen auf. Konzertmeister Georg Jacobi interpretierte beseelt den Solopart in Schostakowitschs Romanze für Violine, unterlegt vom Pizzicatoteppich seiner Streicherkolleginnen und Kollegen. Mit Leroy Andersons humoristischem wie rhythmischem «The Typwriter» stand die gute, alte Schreibmaschine im Mittelpunkt. «Sekretär» « Oliver Ege spannte den Papierbogen ein, tippte emsig im Takt, inszenierte sich zur Belustigung des Publikums als Bürohengst.

Eingebettet in den Walzer «Rosen aus dem Süden» und der «Tritsch-Tratsch-Polka» kamen Strauss-Liebhaber zu Ehren und das Stadtorchester präsentierte sich unter der straffen und inspirierten Führung von Harald Siegel von seiner besten Seite. Anne-Florence Marbot steuerte als Eliza aus «My Fair Lady» ein unterhaltsames Finale bei. Erstmals choreografierte sie eine Arie, verteilte in den Zuschauerreihen Rosen und sang «I could have dance all night» tonschön. Mit einer stehenden Ovation bedankten sich die Besucher bei den Mitwirkenden für das Konzert.

Da erhob sich Lars Duwe aus dem Orchester, vertauschte die Oboe für einen Augenblick mit der Rolle des Spalanzani in «Hoffmanns Erzählungen» und trug Puppe Olympia die Bühnentreppe herunter. Mit «Les oiseaux dans la charmille» schlüpfte Anne-Florence Marbot in die Rolle, brachte die Zuhörenden mit blitzenden Koloraturketten und automatenhaften Bewegungen zum Toben. Mit dem obligaten Radetzky-Marsch endete im Konzertsaal ein gelungener Musikgenuss im gemeinsamen Klatschen.