Im Januar 2012 soll der Fernwärmeleitungsbau von der Biberiststrasse über den Höhenweg bis zum Bürgerspital in Angriff genommen werden. Um über die Arbeiten umfassend zu informieren, suchte die Regio Energie in einer Informationsveranstaltung das Gespräch mit den betroffenen Anwohnern. Dieses soll je nach Bedarf an der Baustelle individuell weitergeführt werden. «Es liegt uns viel daran, auf die Anliegen der Anwohner Rücksicht zu nehmen», gab der zuständige Projektleiter Stefan Schluep in der Aula des Bürgerspitals zu bedenken.

Rücksicht nehmen wollen die Verantwortlichen vor allem auf private Parkplätze. Zudem sollen die Einschränkungen bei den Zufahrten möglichst tief gehalten werden. «In Härtefällen werden wir mit den Anwohnern nach Lösungen suchen», versprach Stefan Schluep. Die Anwohner sind in der Tat nicht zu beneiden: Ab diesem Monat bis im kommenden Februar werden am Höhenweg gleichzeitig Kanalisationsarbeiten durchgeführt. Auf den Stand der Arbeiten am Leitungsbau wird im Bereich des Bürgerspitals mit Infotafeln hingewiesen.

Spital-Neubau spielt keine Rolle

Vorgesehen ist, das Bürgerspital ab 1. Juli 2012 mit einheimischer Abwärme aus der Kehrrichtverbrennungsanlage KEBAG zu beliefern. Da die bestehende Heizungszentrale durch einen allfälligen Neubau nicht tangiert wird, kann die Fernwärmeversorgung ungehindert vorangetrieben werden. Die vorgesehene Lieferung von 4 Millionen KWh Fernwärme pro Jahr entspricht einer Einsparung von 400000 Litern Heizöl pro Jahr oder 20 Öltransportwagen mit Anhänger, wie die Regio Energie betont. Zudem wird die Versorgung des Bürgerspitals mit erneuerbarer Energie die örtlichen Schadstoffemissionen erheblich reduzieren.

Nichts für Häuschenbesitzer

Enttäuscht werden mussten jene Einfamilienhausbesitzer, die gehofft hatten, ebenfalls von der Fernwärme profitieren zu können. «Eine Anschlussleitung an das Hauptnetz lohnt sich wirtschaftlich nur für jene Hausbesitzer, die direkt an die Hauptleitung grenzen», gab Kundenbetreuer Daniel Kammermann zu bedenken. «Wenn die Zuleitung sehr lang ist, wird es teuer. Sowohl für den Wärmebezüger, als auch für den Wärmelieferanten.» Dazu komme, dass die Investition erst ab 30 Jahren Gewinn bringe. «Für Einfamilienhausbesitzer sind Sonnenkollektoren deshalb wirtschaftlicher.» Was heisst, dass die emissions- und CO2-freie Energie vorläufig mehrheitlich nur Mehrfamilienhausbesitzern und Grosskunden wie dem Bürgerspital vorbehalten sein wird. Diese profitieren, wie Kammermann festhielt, vor allem vom Wegfall von Unterhaltskosten, einer hohen Versorgungssicherheit und stabilen, eher tiefen Preisen. Und die Nachhaltigkeit besticht: «Die Lebensdauer der Netze und Bauten beträgt bis zu 60 Jahre.»

Warum wird so lange gegraben?

Schluep beantwortete auch eine immer wieder von der Bevölkerung gestellte Frage. Nämlich: Warum dauert es so lange, bis die ausgehobenen Gräben wieder zugeschüttet werden können? «Der Bau der Leitungen besteht aus zwölf Arbeitsschritten, die nicht parallel zueinander ausgeführt werden können.» Diese reichten von der Sondierung über den Grabenaushub, die Rohrmontage, die Qualitätskontrolle bis hin zur Nachisolierung. Wichtig ist laut Schluep, dass die Leitung 100-prozentig dicht ist und der Wärmeverlust möglichst tief gehalten wird. Bei der Festlegung des Netzes habe man sich fragen müssen, wo die Leitungsführung am meisten Sinn mache. «Diese ist eindeutig dort, wo die Wärmedichte am höchsten ist.» Fest steht, dass auch 2012 mit dem Fernwärmeleitungsbau und offenen Gräben zu rechnen ist, nicht nur im Bereich Bürgerspital, sondern auch in den Bereichen Rossmarktplatz bis zur Kantonsschule. Der Weg ist also noch weit.