Stadt Solothurn

Das Solothurner Zweiergespann von Kaffee und Kuchen

Zwei Unternehmer und ein Kaffee-und-Kuchen-Konzept kommen als ­­«Stadtrösterei» in Solothurn unter einem Dach zusammen.

Kaffee und Kuchen gehören einfach zusammen» – dies fanden zwei Unternehmer, die sich vor gut einem halben Jahr zum Ziel setzten, an der Hauptbahnhofstrasse 7 Back- und Kaffeespezialitäten unter ein Dach zu bringen: Entstanden ist die «Stadtrösterei», die morgen Mittwoch ihre Pforten öffnet. Knapp 50 Innensitzplätze und rund 20 Aussensitzplätze an der Sonnenseite fasst die Shop-in-Shop-Lokalität.

«Damit spannen schweizweit zum zweiten Mal ein Bäcker und ein Röster zusammen», sagt Martin Laube. Der Konditor und Confiseur ist für den «Kuchenteil» zuständig und hat seine Backstube mit 20 Mitarbeitenden in Derendingen. Rund 600 Stellenprozente kommen in Solothurn zum Betrieb hinzu. Neben Gebäck und Truffes will Laube in Solothurn auch Tages- und Wochenmenüs anbieten und somit in kleiner Küche den Gastroteil abdecken. Das meiste wird dabei vom Derendinger Stammhaus angeliefert.

«Es ist mehr als nur Show»

Der Röster im Zweiergespann ist Bernhard Mollet, Geschäftsführer der einen Steinwurf entfernten Oetterli-Rösterei. Über die Oetterli-Palette hinaus werden am neuen Standort auch Spezialitätensorten angeboten; sowohl im Ausschank als auch im Verkauf. So werden Kaffeemischungen vor den Augen der Kundschaft geröstet. «Doch eine Schaurösterei im eigentlichen Sinne ist dies hier nicht», verdeutlicht Mollet, da es nicht nur um «Show» gehe.

Ein Barista und Röstmeister steht bereit, um massgeschneiderte Mischungen im Fünf-Kilo-Trommelröster herzustellen. «Hinter dem Konzept ist ein Alleinstellungsmerkmal: Jeder kann seinen eigenen Kaffee zusammenstellen», so Mollet.

Trotz Konkurrenz gelassen

Alleinstellungsmerkmale können die beiden denn auch gut gebrauchen. Die Vorstadt mit ihrer vielfältigen Fastfood- und Imbissmeile schafft eine Konkurrenzsituation für das Angebot von Laube. «Doch Konkurrenz gibt es überall», sagt er. Worauf die beiden besonders hoffen, ist der Effekt der Laufkundschaft, die der Achse Hauptbahnhof-Altstadt entlang zirkuliert. Und nicht zuletzt auf die Schülerschaft der Berufsschule, die möglicherweise auf den Kaffeegenuss kommen könnte.

Auf Platz Solothurn kommt für Mollet die Konkurrenz der «cafémanufaktur» hinzu. Doch auch er sieht die Marktsituation gelassen: «Auch die Konkurrenz hat ihre Daseinsberechtigung. Doch ihren Broterwerb können die Macher hinter der ‹cafémanufaktur› kaum bestreiten.» Und was seine eigene Position als Oetterli-Geschäftsführer angeht, zeigt sich Mollet selbstbewusst: «Ich will hier der Platzhirsch bleiben – und diese Rösterei passt perfekt nach Solothurn.»

Neues Geschäft an der Hauptbahnhofstrasse in Solothurn: Die Stadtrösterei öffnet.

Neues Geschäft an der Hauptbahnhofstrasse in Solothurn: Die Stadtrösterei öffnet.

Anziehen soll das Konzept sowohl ein urbanes, junges Publikum – darüber hinaus wollen die beiden aber offen sein für jegliche Altersgruppen und Schichten. «Es herrscht ein Tagesbetrieb», sagt Laube und deutet darauf hin, dass die «Stadtrösterei» an den Abenden und an Sonntagen geschlossen ist.

Der Röstbetrieb läuft gar bloss von Dienstag bis Freitag. Hinter der gemeinsamen Vision bleiben die beiden Betriebe nämlich operativ eigenständig: «Die Zusammenarbeit kam per Handschlag zustande», erinnert sich Mollet. Und trotz der Unabhängigkeit schätzen beide die Synergien, mit ihrem Fachwissen Plattform für den jeweils anderen zu bieten: «Die Kombination macht es aus», so Mollet. Zudem sei die «Stadtrösterei» für ihn ein Anknüpfungspunkt an private Kundschaft.

Nostalgisches Ambiente

Auch was die Einrichtung des Lokals selbst betrifft, wollen sich Laube und Mollet abheben: Bereits der Blick ins Interieur offenbart ein Ambiente der Wiener Kaffeehauskultur. «Dabei hat es hier vor einem Jahr noch ausgesehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen», so Mollet. Dann übernahm Berner Architekt Peter Kohler bei der holzdominierten Innengestaltung die Federführung.

Rund 800 000 Franken haben die beiden Unternehmer in den Umbau investiert, hinzukommen Eigenleistungen des Hausbesitzers und ein Beitrag der kantonalen Denkmalpflege. «Dass die Liegenschaft unter Denkmalschutz steht, machte das Unterfangen schwieriger», erinnert sich Martin Laube. Doch aus der Not wurde eine Tugend: Eine freigelegte Sandsteinmauer und eine markante gusseiserne Säule zeugen vom nostalgischen Ambiente und von erlebnisgastronomischem Mehrwert. «Auch die Aussenfassade wurde erneuert», so Laube.

Und so wie das Haus selbst Geschichten erzählt, sollen es auch seine Gäste, findet Mollet: «Wir wollen, dass sich die Menschen zu Hause erzählen, was sie bei uns in der ‹Stadtrösterei› beim Einkaufen oder Geniessen erlebt haben.»

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