Stadttheater
Das Solothurner Stadttheater macht mobil

Mit der 20-Millionen-Sanierung des Stadttheaters kommt am 11. März ein grosser Mocken an die Urne. Nicht ganz so frankenschwer, aber kaum weniger relevant wiegt die Frage, ob und wo in Zwischenzeit die Bühnenlichter erstrahlen werden

Andreas Kaufmann
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Die Gemeinderatskommission schlägt zuhanden der Gemeinderatssitzung vom kommenden Dienstag ein Kostendach von knapp 1,2 Mio. Franken brutto für eine Übergangslösung für die Aufführungen des Stadtheater Solothurn vor.

Die Gemeinderatskommission schlägt zuhanden der Gemeinderatssitzung vom kommenden Dienstag ein Kostendach von knapp 1,2 Mio. Franken brutto für eine Übergangslösung für die Aufführungen des Stadtheater Solothurn vor.

Wolfgang Wagmann

Bereits im Januar hat sich die Gemeinderatskommission über das «ob» vorberaten. Zuhanden der Gemeinderatssitzung vom kommenden Dienstag schlägt sie ein Kostendach von knapp 1,2 Mio. Franken brutto für eine Übergangslösung, zwischen Juni 2013 und ca. Dezember 2014 in alternativen Spielstätten vor.

Vorneweg schieden in der Diskussion Optionen wie der Konzertsaal oder die Dreyfus-Halle bei der A5 aus: mit Kosten in der Höhe zwischen 2,4 Millionen und 4,2 Millionen zu teuer. Stattdessen ging man von Spielorten aus, an denen die Infrastruktur nicht erst aufgebaut werden müsste. So soll nach einer derzeitigen Variante das Musiktheater nach Biel, das Schauspieltheater hingegen an verschiedene Ersatzspielorte verlegt werden.

Fürs Musiktheater müsste dann aber auch in Biel wegen Kapazitätsengpässen ein zusätzlicher Standort zur Verfügung stehen. Ausserdem käme ein Shuttlebetrieb zum Transport der Solothurner Zuhörer zum Einsatz. Deshalb haben die Stadtbehörden und das Theater Biel Solothurn gerade für die Musiktheater auch das Parktheater in Grenchen in Visier. Für Sprechtheater kommt unter anderem auch die Reithalle in die engere Auswahl.

Bühnenpause ist keine Lösung

Wenig Gehör neben der Option alternativer Standorte fand die Variante, den Spielbetrieb am Standort Solothurn über anderthalb Jahre gänzlich ausfallen zu lassen. Zahlreiche Argumente wurden hierfür ins Feld geführt. So müsste für die Produktion der Sprechtheater für Solothurn und Biel, die üblicherweise hier stattfindet, ebenfalls eine Liegenschaft zugemietet werden. Dies gilt ebenso für Räumlichkeiten für die administrativen und anderweitigen Querschnittaufgaben, die im Zusammenhang mit einem Theaterbetrieb auch wahrgenommen werden müssen.

Seitens Stadtkasse würden also auch ohne Spielbetrieb unverhältnismässige Kosten anfallen, während das Stadttheater über die Jahre 2013/14 eine Ertragseinbusse von knapp 950000 Franken einstecken müsste. Für die Kosten seitens Stadt wäre auch nicht gesichert, inwiefern sich die Träger, also Kanton und Agglomerationsgemeinden, im Falle einer Betriebspause an den Kosten beteiligen würden. Im besten Fall wäre mit einem Mehraufwand von total 250000 Franken, im schlimmsten mit 2,1 Mio. Franken zu rechnen.

Noch keine konkreteren Zahlen

Noch hat die favorisierte Variante der Auslagerung einige Unbekannte. Wie Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts, erklärt, «können aktuell keine konkreteren Zahlen als die 1,2 Mio. vorgelegt werden.» Im Kredit nicht enthalten sind beispielsweise Ertragsausfälle, die dem Stadttheater selbst auch mit der Provisoriumsvariante blühen könnte. Aktuell wird mit Einbussen von rund 762000 Franken gerechnet, die das Theater wahrscheinlich aber nicht selbst tragen kann. Deshalb wird die Stadt mit den anderen Trägerparteien darüber verhandeln müssen, wie sie das Defizit unter sich verteilen.

Das Kostendach von 1,2 Mio. Franken basiert somit auf vielen noch nicht gesicherten Annahmen. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass vor der Urnenabstimmung vertragliche Verbindlichkeiten kaum gemacht werden können. Trotz vieler Unsicherheiten hält Lenggenhager aber fest: «Das definierte Kostendach ist eine klare Vorgabe, an die wir uns halten müssen.»

Die Auslagerung als Chance

Trotz aller Beschwerlichkeiten, die mit der zeitweiligen «Mobilmachung» des Theaters verbunden sind, wird die Auslagerung aber auch als Chance empfunden: «Wir haben eine provisorische, mobile Bühne, was eine andere Herangehensweise ans Theatermachen erfordert», sagt Marcel Falk, Verwaltungsdirektor des Theaters Biel Solothurn. Bei einer möglichen Auslagerung auf Gaststätten bestehe auch die Möglichkeit, neue Besucherkreise anzusprechen.

Entsprechende Ideen wie ein Beizentheater oder andere innovative Bühnenformen stehen laut Falk im Raum. Doch trotz des Wandertheater-Charakters: «Wichtig ist, dass der Kern und die Präsenz des Theaters in der Stadt Solothurn bleiben», so Falk.