Solothurner Fasnacht
Das Solothurner Narrenvolk bekommt drei neue Tankstellen

Gleich drei frische Mitstreiter beleben in Solothurn den Gastro-Fächer während der fünften Jahreszeit: die «Hudibrasserie» am Friedhofplatz, der «Narrehimu» am Märetplatz und «La BarAcca» in der ehemaligen Universal-Sport-Filiale an der Hauptgasse.

Andreas Kaufmann
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Die drei frischen Fasnachtsbeizen in Solothurn
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«La BarAcca» mit Betriebsleiter Philipp Kaufmann.
«Hudibrasserie» am Friedhofplatz mit Barchef Reto Baumgartner.

Die drei frischen Fasnachtsbeizen in Solothurn

Andreas Kaufmann

Kalt und trocken – so hätten die Solothurner Fasnachtsbeizer die fünfte Jahreszeit am liebsten. Trocken, damit sich die närrische Kundschaft vor die Türe traut. Kalt, damit diese dann auch ordentlich einkehrt, wo es warm ist. Zu diesem Zweck stehen die ehrenamtlichen Fasnachtsbüezer – handwerklich, logistisch, kreativ – in den Startlöchern, damit am Donnerstag die Tankstellen für Kehle und Seele bereitstehen.

Gleich drei «Instant»-Gastbetriebe mischen heuer zum ersten Mal im honolulesischen Gastro-Portfolio mit: die «Hudibrasserie» am Friedhofplatz, der «Narrehimu» am Märetplatz und «La BarAcca» in der ehemaligen Universal-Sport-Filiale an der Hauptgasse.

Zwar nicht die «himmlische Ruhe» in Reinform, aber doch so, dass sich gut plaudern lässt – so lautet die Devise im «Narrehimu» im ersten Stock des Café Rust. Das Joint Venture von G.O.R.P.S. und Füuzlüüs will auch die ansprechen, die bis in die Puppen zusammensitzen und feiern wollen. «Abseits vom Ballermann- und Disco-Trend», wie Markus Arm von G.O.R.P.S. mitteilt: «Sowas gibt es viel zu wenig: die gemütliche Beiz, in die man einfach bis in der Früh reinhocken kann.» So wolle man keinen Tanztempel, lediglich dezibel-moderate Musik.

Geöffnet ist der «Narrehimu» am Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweils ab 20 Uhr und am Dienstag ab 21 Uhr. Mit dem Ambiente im «Narrehimu» will man an den «Böögge»-Salon anknüpfen, der insgesamt zweimal in der «Krone» stattfand, bevor letztes Jahr die «Kofmehl»-Crew die leeren Räume für eine Fasnachtsbeiz nutzte. Übrigens: Heuer bleibt die «Krone» nach besagter intensiver fasnächtlicher Nutzung für einmal unbewirtschaftet.

Am Friedhofplatz steigen die Affen

Andere Leerbestände werden dafür umso intensiver genutzt: So auch die ehemalige Bäckerei Trüssel am Friedhofplatz. «Ueli Trüssel ist Mitglied in unserer Zunft», erklärt «Hudibras»-Ober Charlie Schmid: Und so sei der Weg zur Beizenidee nur ein kurzer gewesen. Während der Fasnacht wird in den leeren Räumlichkeiten der Bäckerei deshalb die «Hudibrasserie» hochgefahren.

Das Restaurant Sonne ist im Dschungelfieber «Liebevoll ist die Gaststube dekoriert, mit vielen lustigen Details», so die UNO.
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Ein aufblasbarer Gorilla «amtet» bereits als Maskottchen, Türsteher und dekorativer Blickfang. Die Deko wird, so Schmid, ganz im Geiste der Zunft daherkommen. Nostalgische Masken aus vergangenen Jahren stehen zum Verkauf. Beim Beizenprojekt geht es auch um die finanzielle Zukunft der «HudibrasChutze»: «Wir sind auf jeden Franken angewiesen», deutet der Zunft-Ober auf eine fehlende Wagenbauhalle an.

«Noch wissen wir nicht, wo wir nächstes Jahr hinkönnen», bringt er die Unsicherheiten auf den Punkt. Zwar begrüsst er Ober-Ober Max Kaesers Bestrebungen einer gemeinsame Wagenbauhalle, «dennoch schauen wir uns in erster Linie selbst nach einer Lösung um.» Geöffnet ist die «Hudibrasserie» am Donnerstag, Sonntag und Dienstag jeweils ab 16 Uhr und am Freitag und Samstag jeweils ab 18 Uhr.

Mit Silvio an die Fasnacht

Gut Ding will Weile haben – sagen sich nicht nur echte Italiener, die ihre Bolognese-Sosse 24 Stunden lang köcheln lassen. Viel Zeit – geschätzte 300 Mannstunden – stecken auch in «La BarAcca» oder «Cantina Carnevale Soletta», was man ihr ansieht. Hinter dieser mit Italianità vollgepackten «zunftneutralen» Beiz steht eine närrische Crew, bestehend aus Alex Künzle, Philipp Kaufmann, Philipp Aeschbacher und Wolfgang Wagmann.

Sie haben mit dem Tricolore-Pinsel Baustellenambiente, Fussball, alt Staatsmann Silvio und getreu dem Beizenmotto «Avanti Muratori» auch ein Schubkarrenrennen in Szene gesetzt.

Eine Bühne, raffiniert in die Wendeltreppe eingearbeitet, schafft Platz für Schnitzelbank- und Gugge-Combos. Geöffnet ist die «BarAcca» am Donnerstag, Freitag und Samstag ab 20 Uhr sowie am Sonntag und Dienstag ab 17 Uhr. 50 Sitz- und 70 Stehplätze bietet «La BarAcca», die zur Beiz werden soll, wo man neben Hintergrundmusik ins Gespräch kommen kann, solange keine Gugge spielt. «Wir hoffen, dass wir mit einer glatten Null rauskommen», sagt Philipp Kaufmann auf die Frage nach der Motivation: «Und wenns was ‹föörig› hat, so werden wir ein neues Projekt anreissen. Man weiss ja nie, welches Haus nächstes Jahr leersteht.»

Doch auch bewährte Fasnachtsbeizen wirken wieder mit. So der «Mamfi»-Keller, betrieben von der gleichnamigen Gugge, gleich neben dem Restaurant Baseltor. Hier schaut seit über 20 Jahren die Gruppe der «Kelleramseln» zum Rechten. Die Deko ist, wie der mitwirkende Michael Bühler sagt, «ein gut gehütetes Geheimnis, aber auf alle Fälle mottogerecht.» Auch die altbewährte, seit vielen Jahren bestehende Lulu-Bar der Narrenzunft Honolulu wird bei der Jesuitenkirche Kundschaft anlocken. Und zuguterletzt auch die Chlämmerli-Bar beim Säutöri, die mit ihrer Suppe mit Spatz eine der unzähligen närrischen Traditionen auch 2014 aufleben lässt.

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