Züglete war kürzlich wieder für die «Wagabunten» angesagt. Denn nach der Überwinterung auf dem Badi-Parkplatz geht für die Bewohner des Wagendorfs eine erneute bewilligte Zwischennutzung zu Ende: Am Wochenende startet die Badi-Saison, entsprechend werden auch die Parkplätze wieder anderweitig verwendet.

Doch dort, wo die Gruppe junger Erwachsener jetzt haust, wird sie nicht bleiben können. Ihr Wagendorf haben sie im Waldstreifen zwischen der Badi und dem TCS-Campingplatz installiert – auch diesmal ohne Bewilligung. Unterdessen ist die Gemeinschaft angewachsen, zu den fünf Bewohnern mit Hund Roco ist nun eine sechste Person hinzugekommen.

«Wir wussten nicht, dass es ein Brutgebiet ist»

«Dort können sie nicht bleiben, aber das wissen sie auch schon», informiert Stadtpräsident Kurt Fluri auf Anfrage. Sie seien bereits darüber in Kenntnis gesetzt worden. Hauptgrund: Das Terrain ist Naturschutzgebiet. «Wir wussten nicht, dass es ein Brutgebiet ist», sagt ein Sprecher der «Wagabunten». Tatsächlich habe man dies trotz Einsicht in Zonenpläne und trotz Kontakten mit den Behörden nicht herausfinden können.

Am 9. Mai – so ist es zwischen Fluri und den Wagendorf-Bewohnern nun ausgemacht – wird ein neuer Standort bezogen, den die Betroffenen zurzeit noch nicht näher nennen wollen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird es aber auch diesmal zu keinem behördlich bewilligten Aufenthalt kommen. Die «Wagabunten» ihrerseits hoffen auf eine langfristige Lösung: «Unser Ziel wäre ein mehrjähriger Zwischennutzungsvertrag.»

Ratlosigkeit in Sachen Zwischenlösung

Dass sie nach dem Gibelinareal, dem Kofmehlweg, der Grabackerstrasse (Westtangente) und dem Badi-Parkplatz endlich «zuhause» ankommen, scheint aber einstweilen unwahrscheinlich. Mit ihrer Anfrage für eine Zwischennutzung auf der Attisholz-Industriebrache sind die jungen Menschen bereits abgeblitzt. «Man ist auf beiden Seiten ratlos», schildert Fluri die bisherigen Bestrebungen für eine Platzlösung. 

Ungeachtet, wo die «Wagabunten» sich ansiedeln: Eine Zwangsräumung hält Fluri auch weiterhin für unverhältnismässig. «Die Bewohner des Wagendorfs sind sehr anständig und verliessen die Orte jeweils sauber.» Zumindest ein Passant, der sich vor Ort ein Bild machte, widerspricht im aktuellen Fall. So hat er beim entsprechenden Fusspfad, der in das Wäldchen führt, Wegschäden festgestellt. So seien durchs Reinziehen der Wohn- und Bauwagen Furchen entstanden. «Es ist eine Gemeinheit gegenüber der Öffentlichkeit, die daran interessiert ist, dass der Naturschutz gewahrt bleibt», kommentiert der Beobachter gegenüber dieser Zeitung.