Solothurn Classics
Das Solistenkonzert, ein «prall gefüllter Strauss weltbekannter Melodien»

Die traditionelle Solistengala an den Solothurn Classics war ein Abend mit vielen schönen Stimmen. Das liessen sich viele nicht entgehen. Und auch das das Wetter spielte mit.

Gundi Klemm
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Eine der Solistinnen, die bei warmen Temperaturen für Atmosphäre auf der Schanze sorgten: Gabriela Moriggi.Felix Gerber

Eine der Solistinnen, die bei warmen Temperaturen für Atmosphäre auf der Schanze sorgten: Gabriela Moriggi.Felix Gerber

Felix Gerber

Endlich ein Konzertabend bei angenehmen Temperaturen auf der Schanze. Mit der Atmosphäre des Ortes, einem prächtig aufspielenden Orchester und einer Fülle der in Solothurn bereits über Jahre bekannten oder erstmals auftretenden Solostimmen gefiel der Abend.

In diesem Jahr feiert die Musikwelt Giuseppe Verdi, an dessen 200. Geburtstag im Oktober in vielen Veranstaltungen gedacht wird. Mit Aida, Rigoletto, dem Maskenball und Don Carlo stehen seine wichtigen Opernwerke auch auf dem Programm der Solothurn Classics.

Ausschnitte daraus und bekannte Kostproben weiterer Verdi-Opern waren an der Solistengala zu hören. Noemi Nadelmann, die in Solothurn stets geschätzte Künstlerin, gestaltete gemeinsam mit Ventzislav Anastasso in berührender Ausdrucksdicke ein Duett aus Aida, die bekanntlich mit dem Geliebten in den Tod geht. Hinreissend schön war auch ihre lyrische Arie der Lauretta aus Gianni Schicchi von Giacomo Puccini.

Im 25-teiligen Programm, das rund drei Stunden Musikerlebnis bescherte, waren viele weitere Komponisten vertreten. Der deutlich italienisch-lastige Werkanteil – neben Verdi und Puccini mit dem Opernvielschreiber Rossini, mit Bellini und seiner «Norma», Donizetti (Der Liebestrank) – wurde durch Georges Bizet und Charles Gounod (Faust) aufgelockert. In der rhythmisch so einprägsamen Habanera aus Bizets «Carmen» als meist aufgeführter Oper der Welt gefiel Katja Lytting gemeinsam mit dem Chor der bulgarischen Staatsoper Russe. Aus dem gleichen Bühnenwerk sang Christine Knorren gefühlsstark die Seguidilla, die zweite grosse Arie der Carmen.

An ganz temperamentvollem Beifall durften sich Mario Malagnini und Stefano Cifolelli als regelmässige Gäste in Solothurn freuen. Mitreissend stimmschön und in angenehm beherrschtem Vibrato überzeugten sie gleich in mehreren Auftritten.

Wie im letzten Jahr geleitete der Oesterreicher Roger E. Boggasch durch das Solistenkonzert als «prall gefülltem Strauss weltbekannter Melodien», das er mit interessant formulierten Kommentaren anreicherte.

Dank seiner Gedächtnisleistung lernte das Publikum, wie viele Asteroiden an unserem Sternenhimmel nach Komponisten benannt sind. In besonderem Masse lenkte Boggasch, der selbst als Dirigent tätig ist, die Aufmerksamkeit auf das von Nayden Todorov geleitete Orchester der Staatsoper Russe.

Da beeindruckte nicht nur – wenn nötig – klangliches Volumen, sondern eine transparente Durchhörbarkeit der verschiedenen Instrumentalgruppen, die mal kraftvoll mit allem Schlagwerk, mal geradezu zärtlich in Piano die Interpreten untermalten. Die eingangs gespielte Ouvertüre zur «Csardasfürstin» von Emmerich Kalman zeigte schon diese wunderbare Variabilität der Ausdrucksmittel. Der höchst präsente Auftritt der bulgarischen Musikerinnen und Musiker umfasste eine grosse kompositorische Zeitspanne, die aus dem späten 18. Jahrhundert bis in die 1950-er Jahre reichte und deren Ansprüchen sie deutlich gerecht wurden.

Als einzigen deutschsprachigen Titel sang Petia Tzoneva aus der Rolle des «Fürsten Orlofsky» aus der «Fledermaus» von Johann Strauss mit ihrer Altstimme die Arie: «Ich lade gerne mir Gäste ein.» Die etwas undeutliche Aussprache mag ihr verziehen sein.

Noch viele weitere Sängerinnen und Sänger wirkten an diesem Abend, der von Vogelgezwitscher und Formationsflügen der Mauersegler begleitet war, in Einzelauftritten, Duetten, Quartetten und Quintetten mit: Nely Cravcenco, Maria Tzvetcova, Gabriela Moriggi, Francesco D’Artegna, Stilian Micev, Plamen Beykow, Piero Giuliacci, Marzio Giossi und Peter Kostov. Wegen Erkrankung gelangten Dirigent David Crescenzi und Sopranistin Michele Crider nicht zum Einsatz.