Solothurn

Das sind zwei mit dem Gespür für Ballspiele und Kinder

Jakob «Köbu« Gfeller (l.) und Rolf Kohler sind schon seit einigen Jahrzehnten ein Gespann.

Jakob «Köbu« Gfeller (l.) und Rolf Kohler sind schon seit einigen Jahrzehnten ein Gespann.

Vor 25 Jahren haben Jakob Gfeller und Rolf Kohler Minihandball erfunden und damit ein niederschwelliges Ballspielangebot für Kinder ab dem Schul-, in Ausnahmefällen auch Kindergartenalter geschaffen. Minihandball ist eine Erfolgsgeschichte.

Männerfreundschaften fürs Leben sind so speziell nicht. Aber im Fall von Jakob «Köbu» Gfeller und Rolf Kohler schon. Beide spielten mit dem TV Solothurn Handball auf höchstem Niveau, in der Nationalliga A. Der untersetzte, bullige «Köbu» ist heute pensioniert und mit bald 68 sieben Jahre älter als der lange, schlaksige Oberstufenlehrer Kohler.

Was beide auch nach der Beendigung der sportlichen Aktivzeit verbindet, ist aber neben der persönlichen Freundschaft ein Begriff: «Minihandball». Und das seit 25 Jahren. «Nach 15 Jahren Nationalliga-Handball hatten wir aufgehört.

Köbu machte aber weiterhin fast alles: Trainer einer 2.-Liga-Damenmannschaft, J+S-Kursleiter und Instruktor – er war der «Handball-Guru» des Kantons Solothurn», blickt Rolf Kohler auf die zweite Hälfte der achtziger Jahre zurück, als er ebenfalls noch Funktionär beim TV Solothurn war.

«Alles hingeschmissen»

Irgendeinmal kam ein Punkt, da hatten die zwei es gesehen. «Wir philosophierten darüber, was wir tun könnten. Denn Handball spielten die Jungen erst ab 12, 13 Jahren, meist nach dem Eintritt in der Kanti», erinnert sich Jakob Gfeller. Der FC (Solothurn) und andere Vereine hätten die Kinder frühzeitig «abgeholt», und dem wollten die beiden Handball-Cracks etwas entgegensetzen.

Ein niederschwelliges Ballspielangebot für Kinder ab dem Schul-, in Ausnahmefällen auch Kindergartenalter. «Wir haben alle Ämtli hingeschmissen», erinnern sich die beiden, «und das neue Angebot zuerst vor allem mit unseren eigenen Kindern aufgezogen.»

Doch vorderhand blieben Gfeller und Kohler völlig ohne Erfolg. «Wir hatten unser Angebot ganz nach der damaligen J+S-Sprachregelung ‹Spielerziehung› genannt. Das klang wohl zu sehr nach DDR. Jedenfalls hatten wir ein Jahr lang keine einzige Anmeldung.» Bis sich das Duo für den Begriff «Ballspiele» um entschieden hatte. «Das zog sofort», lacht Rolf Kohler.

Von Ärzten empfohlen

Das Angebot löste bald einiges aus. 1991 wurde der erste Minihandball-Sporttag lanciert, «und 1993 organisierten wir gleich den schweizerischen Sporttag mit 1000 Kindern in allen verfügbaren städtischen Turnhallen.» Seit 1994 ist der überregionale Treff in Solothurn eine Institution, bei dem grösster Wert auf Spielfreude und Fairness gelegt wird. Die Kinder bis zum vierten Schuljahr seien mit viel Spass bei der Sache, «wenn wir uns treffen, könnten wir ihnen auch einfach einen Ball reinwerfen und ein Bier trinken gehen.»

Denn auf Handball fokussiert sei man ausser am Sporttag nicht, meist gehe es um spielerische Übungen mit dem Ball. «Einmal die Woche genügt. Am Wochenende sollen die Kinder den Eltern gehören und auch genügend Freizeit haben, um beispielsweise noch ein Musikinstrument erlernen zu können», betont Kohler.

Ins Programm gehört auch eine Wanderung zusammen mit den Eltern – die ohnehin immer wieder eine enge Bindung ans Duo Kohler/Gfeller entwickeln: «Oft haben wir mehrere Kinder der gleichen Familie unter unseren Fittichen.» Jakob Gfeller weiss auch, warum der Zulauf zum unbeschwerten Ballspiel-Angebot unvermindert anhält: «Ärzte empfehlen es für Kinder mit motorischen Problemen.»

Nicht nur Ball-fixiert

Ans Aufhören denken die beiden Freunde, deren wichtiges Angebot vom Schulsport der Stadt Solothurn finanziert wird, noch überhaupt nicht. Denn auch ausserhalb des Minihandballs stecken sie ihre Köpfe immer wieder zusammen – im Sommer in der Hafebar, jetzt im «Öufi» bei einem Bierchen, Fleischkäse und Härdöpfusalat.

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