Solothurn ist ein attraktives Plätzchen. Da wollen viele hin. Und sich verewigen. So füllt sich der Stadtboden mit allerhand Tand. Denkmäler werden errichtet. Der polnische Freiheitsheld Tadeusz Kościuszko war nur zwei Jahre in Solothurn, um hier zu sterben. Das reichte hier für ein ganzes Museum, eine Skulptur von Schang Hutter und jetzt gar noch ein Denkmal im Stadtpark. Ein lebensgrosser Zinnsoldat in Bronze, ein weissrussisches Geschenk an Solothurn. Wir freuen uns über den Zuwachs. Stehen doch bei der reformierten Kirche bereits ein ägyptischer Obelisk, gleich neben Kościuszko II ein abstrakter, bemooster Engel zum Gedenken an Solothurns Flugpioniere sowie einige Spielplatzgeräte, die an Kunst erinnern. Unsere Denkmäler-Landschaft wächst unaufhaltsam. Der klobige Bruder Klaus im Chantier hat jüngst einen Wunschstein erhalten, bei der Schiffländte steht ebenfalls ein obskures Ding für eine Selbstvermächtnis-Gruppe. Wie wäre es mit Niklaus Wengi vor der Kanone am Landhausquai? Kanonen gibts im Zeughaus und in der Vorstadt ja genug. Oder Hans Roth aus Granit, hingerzi gen Solothurn strebend, zu dessen Rettung? Haben wir nicht. Dafür zwei Kościuszkos.

Nun, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. So sieht auch die Altstadtkommission einfach weg, wenn unser aller öffentlicher Raum mit Krempel zugestellt wird – sie, die sonst pingeligst, ja gar schikanös jede Zierleiste hinterfragt. Denn Kunst kann der Zinnsoldat im Stadtpark keine sein. Solothurn braucht dringend ein Denkmal-Moratorium. Bei der Grillbratwurst klappts ja auch. Kościuszko II starrt weg, in Richtung Osten. Hinter ihm liegt drohend Bellach. Dort gehört er hin. In die Almeta.