Besucherzahlen steigen
Das renovierte Solothurner Stadttheater erhält gute Noten

Seit Jahresbeginn ist das Stadttheater Solothurn wieder in Betrieb. Wir fragen Intendant Dieter Kaegi, wie sich die Theaterarbeit in den vergangenen Monaten entwickelt hat und welche «Kinderkrankheiten» im Theater in Solothurn zu bewältigen sind.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Intendant Dieter Kaegi freut sich über die vielen positiven Feedbacks zum renovierten Stadttheater Solothurn.

Intendant Dieter Kaegi freut sich über die vielen positiven Feedbacks zum renovierten Stadttheater Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Dieter Kaegi, wie steht es mit der Auslastung im Stadttheater in Solothurn, jetzt nach der «Auslagerungssaison»?

Dieter Kaegi: Wir sind sehr gut ausgelastet, in Solothurn und in Biel. Im neuen Stadttheater in Solothurn ist jeden Abend etwas los. Das heisst also auch, dass unsere Abonnentenzahlen, die nach dem Auslagerungsjahr zurückgingen, wieder angestiegen sind. Im Konzertbereich könnten wir in Solothurn aber noch mehr Besucher erreichen. Da sind wir weiter am Aufbauen.

Wer ist eigentlich für die Programmierung der einzelnen Sparten Schauspiele, Opern, Tanz und Konzerte verantwortlich?

Das sind je nach Sparte die zuständigen Leiter: Beim Schauspiel Schauspielchefin Katharina Rupp, bei den Konzerten Kaspar Zehnder, bei der Oper und beim Tanz ich selbst. Wir alle entscheiden eigenständig. Zu bedenken ist, dass manches Wunschstück bis zu zwei Jahre im Voraus geplant werden muss.

Wer ist danach für das Disponieren der einzelnen Abende zuständig?

Das macht unsere Disponentin Regula Urbanek. Eine sehr schwierige Aufgabe, für die man einen grossen Erfahrungsschatz mitbringen muss. Da gilt es diverse Aspekte im Auge zu behalten: Abonnementangebot, Mitwirkende, Ferienzeiten, Raumbedürfnisse, die Gesamtarbeitsverträge. Dann gibt es Schauspieler, die gleichzeitig in zwei Produktionen auftreten und viele weitere äussere Bedingungen.

Wonach richtet sich denn die Programmierung eigentlich?

Zunächst nach den verschiedenen Abonnements, die wir anbieten. Unterschiedliche Konzertabos für Biel, ein Konzertabo für Solothurn, unterschiedliche Abos für Schauspiel und/oder Oper in Biel und in Solothurn. Ziel ist, alle Aufführungen so effizient zu planen, damit auch noch ein sinnvoller freier Verkauf für die restlichen Plätze möglich ist. Bei allen Aufführungen behalten wir auch noch Daten für Zusatzaufführungen im Auge, die aber nicht im Voraus publiziert werden. Wenn wir dann sehen, dass die Nachfrage gross ist, setzen wir diese Daten ein. So ist es jetzt beispielsweise momentan mit «Der Besuch der alten Dame» von Friedrich Dürrenmatt. Die Nachfrage ist vor allem bei den Schulen sehr gross, sodass zwei Zusatzvorstellungen geplant sind. Man muss aber bedenken: 90 Prozent unserer Besucherinnen und Besucher haben ein Abonnement.

Zählt man im Spielplan dieser Saison die Aufführungen zusammen, kommt man in Biel auf 108 Aufführungen und in Solothurn auf 96. Könnte man in Solothurn nicht mehr Aufführungen planen?

In der Oper und im Schauspiel wäre schon ein Bedarf da, besonders, was spartenübergreifende Aufführungen betrifft. Aber mehr Aufführungen bedeuten auch mehr Kosten und das liegt nicht drin. Wir müssen uns bemühen, zwischen Ausgaben und Einnahmen eine Balance zu halten. Mit der jetzigen Saison gelingt uns das gut. Viel mehr Produktionen und Aufführungen wären auch von unseren Werkstätten her nicht möglich.

Wie sind denn die Subventionen der vier öffentlichen Geldgeber verteilt?

Die Stadt Biel leistet am meisten mit 36 Prozent, es folgt der Kanton Bern mit 29 Prozent. Danach Stadt und Kanton Solothurn mit den angrenzenden Gemeinden, die zusammen 28 Prozent übernehmen. Der Gemeindeverband Biel-Seeland-Berner Jura schliesslich steuert 7 Prozent bei. Absolut erhält das Theater Biel Solothurn Subventionen in der Höhe von 11 094 452 Franken. Die Finanzierung wird alle vier Jahre neu verhandelt. Federführend ist die Stadt Biel.

Wie läuft es im Stadttheater Solothurn mit den Nebengeschäften, der Bar beispielsweise?

Wir sind zufrieden. Die Zusammenarbeit mit dem Palais Besenval bewährt sich immer mehr. Wir müssen die Öffnungszeiten noch besser den Gäste-Bedürfnissen anpassen. Aber das geht leider nicht so schnell; es braucht immer Zeit, die entsprechenden Bewilligungen zu bekommen.

Und wie ist der Theater- und Konzert-Betrieb im renovierten Haus in Solothurn angelaufen?

Künstlerisch sind wir sehr zufrieden, und wir bekommen auch tolle Feedbacks. Wir sind jetzt auch bei «Perspectiv – Gesellschaft der historischen Theater Europas» mit dabei. Technisch gibt es noch «Kinderkrankheiten» und wir sind dran, diese zu beheben. In einem solch komplexen Haus mit so vielen Installationen ist es auch fast nicht möglich, gleich vom Start an ohne Probleme zu arbeiten. Und auch für das Theater trifft zu: Wo früher ein Fachmann genügte, müssen heute sieben Spezialisten nach dem Rechten sehen.

Können Sie Beispiele solcher «Kinderkrankheiten» nennen?

Zum Beispiel lässt sich der Dimmer bei der grossen Leuchte im Theatersaal nicht stufenlos regeln. Oder die Lüftung ist noch nicht richtig eingestellt. In der ersten Herbstferien-Woche wird das nun alles behoben.

Was sagen Sie zur Zusammenarbeit des Solothurn Classics mit der Oper Schenkenberg? Wurden Sie nie angefragt, als Partner mitzumachen?

Nein, da lief nie eine konkrete Anfrage. Ich bin gespannt, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt. Wir haben hingegen mit anderen hiesigen Opernveranstaltern Kooperationen geplant. Mehr möchte ich dazu allerdings noch nicht verraten.

Das Stadttheater wird im November 2014 für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Bilder:

Von einem Logenplatz aus hat man die beste Sicht auf das Geschehen auf der Bühne
24 Bilder
Viele gönnten sich den einmaligen Einblick in die Künstlergarderoben
Noch sitzt sie alleine auf den Rängen
Viele Besucherinnen und Besucher waren begeistert vom Wandel des Stadttheaters
Eröffnung Stadttheater Solothurn
Hinter den Kulissen des Stadttheaters
Faszinierte Blicke nach oben
Eröffnung Stadttheater Solothurn
Eröffnung Stadttheater Solothurn
Er übt schon mal für den grossen Applaus, der bald wieder zu hören sein wird
Emsig wandelte das Publikum die Treppen hoch und runter
Ein Erinnerungsfoto des denkwürdigen Tages darf natürlich nicht fehlen
Diese Dame gönnt sich viel Zeit auf den neuen Sesseln und erfreut sich am Trubel im umgebauten Stadttheater
Diese Perspektive bietet sich den meisten Besuchern wohl nur am Tage der Eröffnung
Die Saisonkartenbesitzer testeten schon mal ihre neuen Plätze
Der eindrückliche Unterschied zwischen den projizierten Bildern des Umbaus und dem gegenwärtigen Zustand des Stadttheaters
Das umgebaute Stadttheater in Ruhe auf sich wirken lassen
Das Stadttheater wurde vom neugierigen Publikum von oben bis unten bestaunt
Das neue Stadttheater ist einfach umwerfend, es haut auch das stärkste Kind aus den Socken
Bei so bequemen Sesseln hätte wohl manch eine gerne eine Saisonkarte
Backstage konnte die Technik des Theaters bestaunt werden
An der Eröffnung durfte jeder einmal auf die Bretter, die die Welt bedeuten
Auch einen Saal für kleinere Anlässe gibt es
Angeregtes Fachsimpeln

Von einem Logenplatz aus hat man die beste Sicht auf das Geschehen auf der Bühne

Tina Dauwalder