HESO-Sonderschau

Das Rampenlicht auf der anderen Seite

Der Theatermann an der HESO

Max Schor

Der Theatermann an der HESO

Die HESO-Sonderschau wirft ein Schlaglicht auf regionales Bühnenschaffen. An der HESO-Sonderschau zum 200-Jahr-Jubiläum der Liebhabertheatergesellschaft (LTG) Solothurn durfte man einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Im Theater gilt ein uraltes ungeschriebenes Gesetz: Das emsige Wirken hinter der Bühne bleibt für den Besucher tabu. Das Mysterium der Aufführung muss bewahrt bleiben, bis die Scheinwerfer angehen. An der HESO-Sonderschau zum 200-Jahr-Jubiläum der Liebhabertheatergesellschaft (LTG) Solothurn aber hebt sich nun für einmal der Schleier, der sonst «stage» und «backstage» trennt: Der Blick auf Schminkspiegel, Requisitenkisten und Bühnenkostüme «ab Stange» wird frei. Hier werden Archivschubladen und Kleiderschränke geöffnet, und das Adrenalin des Lampenfiebers liegt fast schon riechbar in der Luft.

Zutritt über den «Bühneneingang»

Die Sonderschau der LTG bietet nicht nur Theater als Produkt, sondern auch als Prozess, der schon lange vor einer Aufführung hinter der Bühne seinen Anfang nimmt. Entsprechend steht ein Portiershäuschen vor dem Sonderzelt, wie es auch zum Hintereingang eines richtigen Schauspielhauses gehören würde. «Eigentlich kommt der Besucher dort hinein, wo sonst nur die Theaterleute ein- und ausgehen dürfen», erklärt Peter Sury vom Organisationskomitee. Einer, der als Mitglied der LTG das Leben hinter und auf der Bühne kennen und lieben gelernt hat: «Und je länger ich hier im Sonderzelt auf dem roten Teppich wandle, fühle ich mich mehr zu Hause – im Theater.»

Dies ist auch erklärte Absicht der Aussteller, «nämlich die Leute mit ihren Erinnerungen übers Theater abholen». Sury war es auch, der die Grundidee zum Konzept ausbaute: Die Sonderschau wird zum Ort des Schauspiels auf der Bühne, aber auch zum Ort der Begegnung hinter der Bühne. So sollen im Rahmen der Sonderschau auch Theaterberufe vorgestellt werden.

Die räumlichen Bedingungen für diesen Ort der Begegnung sind stimmig: Goldene Stühle hängen im Eingangsbereich in allen Winkeln von der Decke. Thron und roter Teppich, goldene Spiegel und schnörkelige Spiegel sorgen für eine einladend festliche Erhabenheit – so wie man sich Theaterräumlichkeiten eben vorstellt. Im einen Moment verliert man sich im nostalgischen Detail, im nächsten erkennt man den gesamtheitlichen Guss, den Liliane Herzog von Herzog Atelier für visuelle Gestaltung über die Ausstellungsszenografie legte. Sie war es, die Surys Konzept Form und Optik verlieh.

Ausstellung der Emotionen

«Die Ausstellung ist zum Anfassen da», verdeutlicht Herzog. Die Besucher sollen die Ausstellung intuitiv verstehen, ohne dabei viel lesen zu müssen. «Wir erreichen die Leute, indem wir ihre Gefühle und ihre Verbindung zum Theater ansprechen», bestätigt sie. Und so werden die Leute selbst zum Element der Ausstellung, zu Darstellern: Wer will, kann in Bühnenkostüme schlüpfen, sich schminken und danach fotografieren lassen. «Die Ausstellung ist ein einziges Stöbern und Entdecken.» Die vordergründige Motivation der LTG: die Leute ins Theater bringen. «Dabei soll es auch zu Gesprächen kommen und zu Gelegenheiten, an der Theaterbar zusammen anzustossen», so Peter Sury.

Keine Selbstbeweihräucherung

Auch wenn die Sonderschau unter der Federführung der heuer 200jährigen LTG stattfindet, eine Selbstbeweihräucherung der Jubilarin ist sie keineswegs: So wirken noch bis
am Sonntag, 3. Oktober, zahlreiche Theaterensembles und Institutionen mit. Kurzaufführungen, Stückausschnitte, Bühnenproben und vollständige Darbietungen stehen dabei im hinteren Teil bei der Nightlife-Theaterbar auf dem Programm: «Es geht schliesslich in der Sonderschau nicht darum, uns selbst zu feiern», sagt Sury weiter. Damit folgt die LTG einem uralten Credo, das sie auch in der Beziehung zum Stadttheater Solothurn hochhält: Ihr bleiben die Mundart- und Volkstheater vorbehalten, während das Stadttheater die hochdeutschen Stücke abdeckt. So präsentiert sich auch das Theater Biel Solothurn in der Ausstellung. Die Sommeroper Selzach indes erlaubt bereits jetzt einen Einblick in den Entstehungsprozess der Saison 2012: Bühnenbildner Oskar Fluri lässt sich bei seinen Entwürfen für Kostüme und Bühne über die Schulter aufs Reissbrett schauen. Weiter haben auch andere Theatergruppen – dann aber vor allem in Form unterschiedlicher Aufführungen – Platz. Die «Mausefalle» ist ebenso dabei wie «ImproVISION» oder die Theatergruppe Heinz Sollberger. Eine Auswahl weiterer Mitstreiter aus der Region und der ganzen Schweiz rundet die Vielfalt ab, die sich die Sonderschau auf die Fahne geschrieben hat.

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