Ab einem gewissen Alter wollen Mädchen auch einfach mal unter sich sein. Unter diesem Credo wurden in den vergangenen vier Jahren in einer «bubenfreien» Zone auf dem Tannenweg-Spielplatz insgesamt 15 Workshops durchgeführt. 28 Mädchen ab der vierten Primarklasse im Einzugsgebiet des Schulhauses Brühl nutzten das Angebot: Dieses enthielt von Graffiti-Zeichnen, über einen Party-Organisations-Kurs bis hin zum Wellness-Workshop und Schnupperstunden in Gesang und Tanz, sowie Filmdarbietungen mit ausgewählten Themen alles, was sich die Mädchen wünschten.

Nun aber lief das Projekt aus, das über die vergangenen vier Jahre vom Service-Club der Soroptimisten und anfänglich von der Stadtentwicklung unterstützt wurde. Allerdings fand das Angebot für die Weststadt-Mädchen aus 25 Nationen in Zwischenzeit derart grossen Zuspruch, dass es nun unter der neuen Federführung und Trägerschaft des Vereins der «Quartierspielplätze der Stadt Solothurn» weitergeführt wird. Und dies in ausgedehnter Form: Neu werden jährlich acht Anlässe für Mädchen aus dem Quartier angeboten. Rechnet man die Schulferien weg, kommt man auf rund einen Anlass pro Monat.

«Nun kann das Projekt weiterlaufen, da die Quartierspielplätze aktiv im Jugendbereich Energie investieren», sagt Gina Kirchner vom «Tannenweg», die zusammen mit Milena Adamo das Angebot leitet. Jeweils am Donnerstagnachmittag von 16 bis 18.30 Uhr stehen die niederschwelligen Pforten beim Tannenweg nur für Mädchen offen – unter dem Titel «myDay... for Girls». Die hauptsächlich betroffenen Mädchen sind oft nicht in anderweitige Strukturen wie beispielsweise Sportvereine eingebunden.

Ein zweiter Mädchentreff

Doch weshalb braucht die Weststadt – neben dem bestehenden Mädchentreff im Alten Spital – nun einen eigenen? «Es geht um jene Mädchen ab zehn Jahren aus der Weststadt, die im Quartier bleiben möchten – oder vom Elternhaus her müssen», erklärt Kirchner. «Zudem ist unser Angebot sehr niederschwellig. Eltern und Kinder kennen den Tannenweg.» Und: «Ich selbst kenne seine Besucherinnen und Besucher zum Teil seit dem Kindergarten.» Dies erleichtere die Beziehungsarbeit. Und Vertrauen sei bei den «myDay»-Anlässen von vorrangiger Bedeutung: «Unter dem Siegel der Verschwiegenheit sprechen die Mädchen hier Dinge an, die sie persönlich beschäftigen», so Kirchner. Oder sie toben sich einfach mal aus – unter sich.

Die geschlechterspezifische Kinder- und Jugendarbeit hat stets etwas mit Räumen zu tun: Und so gibt es bei gemischtgeschlechtlichen Anlässen oft Verdrängungseffekte. Während Buben beim Tischtennis oder auf dem Fussballfeld verweilen und sich im Wettstreit messen, sind Mädchen oftmals zu eingeschüchtert, um sich dort einzubringen. «Diese Nachmittage hier sind deshalb sehr wertvoll, um Raum für sich zu beanspruchen – sowohl räumlich, als auch im Gespräch», sagt Kirchner.

Auch sollen die weiblichen Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, in einem möglichst vorurteilsfreien Raum andere Perspektiven kennenzulernen. «Hier können sie sich über verschiedene Kulturen austauschen, etwas fragen, etwas sagen dürfen.» Ab welchem Alter darf ich einen Freund haben? Soll ich ein Kopftuch tragen? Was steckt hinter den oft unhinterfragten Schönheitsidealen, die die Gesellschaft vermittelt? Auch die Diskrepanzen, die Jugendliche im Wechselspiel zwischen den «Paralleluniversen» Familie, Schule und Freizeit erleben, sollen sie hier in Worte fassen können.

Kein Platz für Gewalt

Das Leitungs-Duo des Mädchentreffs sieht sich nun aber nicht in einer explizit aufklärerischen Funktion. Aber die Vielfalt der Religionen und Weltanschauungen soll gelebt werden. Und: «Der Spielplatz Tannenweg soll eine Enklave sein, wo die Gewalt keinen Platz hat», betont Gina Kirchner. Dabei spricht sie vor allem auch die rohe Sprache an, denen die Kinder und Jugendlichen des Quartiers oft ausgesetzt wird. «So werden Unruhestifter, wenn sie sich nicht an Vereinbarungen halten, auch vom Platz geschickt. Wir sind schliesslich keine Therapiestätte, sondern ein Freizeitangebot.»

Finanziert wird das «myDay»-Angebot nun also vom ehrenamtlichen, nun 35-jährigen Verein Quartierspielplätze, der seinerseits durch Gönnergelder, vor allem aber durch Beiträge der öffentlichen Hand getragen ist. Laut Reto Notter, Finanzverwalter der Stadt Solothurn, erhalten die Quartierspielplätze einen jährlichen Beitrag in der Höhe von rund 180 000 Franken. Für die Mädchen selbst sind der Besuch der Workshops und auch die nötigen Materialien kostenlos.

Treffs bis zum Sommer: 18. Mai («Kosmetika selbst herstellen») und 6. Juli («Abschlussgrillen»). Ab 7. September wird das Angebot fortgeführt.