Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff zum WM-Match Serbien-Schweiz, in dem die Schweizer Nati triumphierte, kamen die Musikerinnen und Musiker des in legerem Sommeroutfit auf die Bühne, gaben mit der beschwingten Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Oper «Oberon» den romantischen Duktus des Abends vor. Obschon die Reihen nicht ganz so lückenlos besetzt waren wie an fussballfreien Abenden, versammelten sich doch viele Musikfreunde im Konzertsaal, um Melodien von Weber und Mendelssohn zu geniessen.

Ein Grosser des Fachs

Bevor sich Weber mit dem «Freischütz», «Euryanthe» und «Obero» als Opernmeister etablierte, widmet er sich der Komposition fantastischer Konzerte für Soloinstrumente. Dank der Freundschaft mit Klarinettist Heinrich Joseph Baermann galt seine Vorliebe galt neben dem Klavier der Klarinette. Baermann sind auch die beiden Klarinettenkonzerte gewidmet, von denen Francesco Negrini und das Stadtorchester Solothurn das zweite in Es-Dur op. 74 aufführten.

Francesco Negrini gehört als Solo-Klarinettist fest zum Aargauer Symphonie-Orchester, er tritt regelmässig mit so reputierten Klangkörpern wie dem Kammerorchester Basel, dem Sinfonie Orchester Basel sowie den Swiss Chamber Solists auf. Vor vier Jahren hatte er vom Landeskonservatorium Feldkirch eine Professur verliehen erhalten.

Finales Klarinetten-Feuer

Bei seinem Solothurner Auftritt spielte der Virtuose technisch souverän, mit guter Dynamik. Intonationssicher selbst beim Sprung durch drei Oktaven im Allegro. Das von Harald Siegel geleitete Stadtorchester sekundierte ihm ausbalanciert, besonders stimmig in den lyrischen Passagen des Andante. Mit Webers Klarinettenkonzert zündeten die Interpreten ein Feuer, welches jedoch erst beim Bassi-Finale so richtig mächtig aufloderte.
Fahrt aufgenommen

Erst kam mit Felix Mendelssohn noch ein weiterer Protagonist der Romantik zum Zuge, und gleich noch mit einer Konzert-Rarität. Mit der Ouvertüre «Meeresstille und glückliche Fahrt» servierte Harald Siegel mit seinen Musikern nämlich ein feinsinniges, doch in den Konzertsälen eher selten zu hörendes Stück, welches auf Gedichten von Goethe beruht. In der windstillen Anfangsphase zeigte das Stadtorchester ein bisschen Mühe mit der Intonation.

Danach nahmen die Musiker mit kantablen Celli, wuchtigen Pauken und klar artikulierenden Trompeten «glückliche Fahrt» auf. Den Opern-Bogen zur anfänglichen «Oberon»-Ouvertüre schlug die das Konzert abschliessende Konzertfantasie über Verdis «Rigoletto». Hier gewann Francesco Negrini als Interpret besonders mit den Themen aus Verdis Meisteroper eigenständiges Profil und Statur.

Das Publikum feierte Negrini

Die von Luigi Bassi, einst selbst Soloklarinettist an der Mailänder Scala, komponierte Paraphrase stellt die Klarinette und die meisten der verwendeten Melodien zunächst vor, bevor sie virtuos variiert und umspielt werden. Francesco Negrini seinerseits liess die Klarinette belkantesk singen und kolorierte trefflich. Das Publikum feierte den Klarinettenvirtuosen, den auf weissem Hemdrücken ein rotes Schweizerkreuz enthüllenden Dirigenten sowie das heimische Orchester.

Zu einer Zugabe liessen sie sich trotz forderndem Applaus nicht bewegen. Vielleicht weil es nach dem – wie im Sommer üblich – ohne Pause gespielten Konzertabend gerade noch reichte, die zweite Halbzeit des Siegermatches zu verfolgen.