«Wir haben eine schlichte Form gewählt, die auch von Gegensätzen lebt. Wir wollten hier einen ruhenden Pol haben», umschreibt Ruedi Messer den Neubau an der verkehrsumtosten Bielstrasse. Innen ist es ruhig, vergleichsweise totenstill. Und das muss so sein, denn in diesem Haus treten Verstorbene ihre letzte Reise an. Architekt Theo Schnider und sein Team der Solothurner SSM Architekten haben aber nicht nur bei der Schalldämmung ganze Arbeit geleistet.

Das neue Bestattungshaus strahlt fast sakrale Spiritualität aus, sei es im 50-plätzigen Abschiedsraum mit modernster Beschallungstechnik aber auch einem schwarzen Klavier, sei es in den beiden Aufbahrungsräumen, welche die Angehörigen von aussen über einen Code jederzeit erreichen können.

Gezeigt wird aber auch in einem Raum alles, was es bei einer Bestattung braucht: Särge, Urnen, Kerzen und andere Trauerartikel. Vier Arbeitsplätze, ein Lagerraum und die Möglichkeit, einen Aufbahrungsraum als Waschraum zu benutzen, komplettieren das Angebot im Neubau, der laut Ruedi Messer vor allem auch dazu dient, die «Arbeitsabläufe zu optimieren.»

Neue Formen der Bestattung

Ruedi Messer, dessen Möbel- und Bestattungsgeschäft mit weiteren Standorten in Biel und Bellach durch seine Söhne Philipp und Moritz weitergeführt wird, konnte am Mittwochabend viele Gäste zur Eröffnung des neuen Bestattungshauses in Solothurn begrüssen. Darunter auch Kirchenvertreter wie der Generalvikar des Bistums Basel, Markus Thürig, oder den reformierten Stadtpfarrer Koen de Bruycker. «Pfarrpersonen und Bestatter haben immer wieder gemeinsame Berührungspunkte, und so kommt man sich menschlich näher», setzt Ruedi Messer auf einen guten Kontakt zu den Kirchenstellen. 

Zwar sei die traditionelle kirchlich-religiöse Trauerfeier immer noch am meisten verbreitet. «Zunehmend sind aber einerseits die individuell gestalteten Abschiedsfeiern und andererseits die anonymen Bestattungen.» Während bei der individuellen Feier auf die Lebensgeschichte des oder der Verstorbenen eingegangen wird und Bilder, Texte, Melodien oder sonstige Rituale eingebaut werden, kommt die sogenannte «anonyme Beisetzung» ohne diese aus. Sie findet in Stille im engsten Familienkreis statt. «Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Bescheidenheit, Zurückgezogenheit, Streit oder die Kosten», weiss Ruedi Messer aus einer Erfahrung, die sein Unternehmen seit 63 Jahren mitbringt.

«Anwalt» der Familie

Die letzte Reise einer verstorbenen Person zu organisieren, ist eine heikle Mission. Diskretion ist dabei ein wichtiges Gebot. Zumal immer öfter sie selbst oder ihr Umfeld nicht mehr religiös geprägt ist oder gar nicht mehr der Kirche angehört – 36 Prozent der Kantonsbevölkerung zählen laut Ruedi Messer inzwischen zu dieser Kategorie. Damit steigen aber auch die Ansprüche, eine Bestattungsform zu finden, die sowohl der verstorbenen Person wie den Hinterbliebenen gerecht wird. «In solchen Situationen verstehen wir uns als ‹Anwalt› der Familie und versuchen, auch Spezialwünsche bei den Behörden durchzusetzen. Dabei stossen wir natürlich nicht immer auf deren Verständnis», räumt Ruedi Messer angesichts von manchmal aussergewöhnlichen Wünschen der Angehörigen ein.

«Der Umgang mit der Trauer, unmittelbar nach dem Eintritt des Todes, ist eine Zeit psychischer und körperlicher Erschütterung. Nichts anderes mehr brauchen Menschen in dieser Situation mehr als eine vertrauensvolle Hand und Verlässlichkeit.» Diese Rolle müsse der Bestatter im Fall des Falles einnehmen.

Nicht sehr hilfreich ist dabei für Ruedi Messer die Filmserie des Schweizer Fernsehens mit Mike Müller als «Der Bestatter». Die Handlungen in dieser Serie «haben mit unserem Beruf wenig bis gar nichts zu tun», ist Messer überzeugt. Doch: «Nebst dem Unterhaltungswert hat der Film aber eines bewirkt: den Tod ins Bewusstsein zu rücken. Es wird vermehrt darüber diskutiert – in den Familien und am Stammtisch.»