Solothurn
Das Naturmuseum zeigt eine Apfel-Show made in «Mostindien»

Das Naturmuseum Solothurn wird zum Apfelparadies. Die neue Sonderausstellung «Der Apfel» ist ein Entdeckungs- und Erlebnisparcours.

Katharina Arni-Howald
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Bilder aus der Sonderausstellung Apfel im Naturmuseum Solothurn
11 Bilder
Sonderausstellung Apfel im Naturmuseum Solothurn
Wo ist überall Apfel drin?
Hmm... Apfelkuchen

Bilder aus der Sonderausstellung Apfel im Naturmuseum Solothurn

Hanspeter Bärtschi

Der Apfel ist mit Abstand die beliebteste Schweizer Frucht. 18 Kilo jährlich essen die Schweizer pro Kopf. Die Frucht der Früchte ist ein Alltagsprodukt, über dessen Sortenreichtum, Verarbeitung, Genussqualität, Geschichte, Bedeutung und Symbolik heute kaum mehr nachgedacht wird.

Und doch: ihre Form und Beschaffenheit, ihre Farbe und ihr Duft wecken in jedem von uns Bilder und Erinnerungen. Wir kennen die Begriffe Augapfel, Erdäpfel, Apfelbäcklein, Pferdeäpfel und viele andere mehr. Wir wissen, was ein Pausenapfel ist und mussten schon in früher Kindheit mit Bedauern feststellen, dass ein verbotener Apfel Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb.

Sechs verschiedene Kapitel

Das Naturmuseum Thurgau hat sich nun des Apfels in all seinen Facetten angenommen. Die daraus entstandene Sonderausstellung ist bis zum 22. August 2018 im Naturmuseum Solothurn zu sehen und hat bereits anlässlich der Vernissage über 100 Menschen ins Museum gelockt. Es ist ein Erlebnisparcours, der sämtliche Sinne anspricht und deutlich macht, wie allgegenwärtig der Apfel nicht nur in der Natur und der Sprache, sondern auch in der Kunst und selbst in der Musik ist. Wie in der Malerei oder der Bildhauerei inspiriert der Apfel Komponisten seit Jahrhunderten.

Die Ausstellung ist thematisch in sechs Kapitel gegliedert, die sich auf die Ausstellungsmodule «Kultur», «Natur», «Produktion» und «Konsum» sowie «Labor» und «Bibliothek» verteilen. Wie das Thema sind auch die Exponate äusserst zahlreich. Es gibt Film- und Hörstationen, unterschiedlichste Objekte und Präparate, zwei grossformatige Filmprojektionen und eine kleine Bildgalerie. Im sogenannten «Labor» kann der Apfel eigenhändig erforscht werden, und in der «Bibliothek» stehen Bücher zum Schmökern bereit, die eindeutig beweisen, dass die Sach- und Fachliteratur zum Apfel so vielfältig wie das Thema selbst ist. Es gibt zahlreiche Hocker zum Sitzen, und für Kinder und Erwachsene steht eine Leseecke mit Bilder- und Sachbüchern bereit. Und wer es im Frühling verpasst hat, träumend unter einem Apfelbaum zu liegen, kann dies in zwei Liegestühlen nachholen.

Von Hannes Geisser, Direktor des Naturmuseums Thurgau, erfuhren die Vernissage-Gäste, dass kein Geringerer als Goethe einen Apfel in seiner Schreibtischschublade verfaulen liess, damit er besser dichten konnte. Ob das der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt. Als sicher gilt dagegen gemäss Geisser, dass es im Thurgau, auch Mostindien genannt, die am besten eingerichteten Mostereien der Welt gibt. «Noch vor 100 Jahren war die Lagerung von Äpfeln in grossen Mengen ein Problem», so Geissler. Nur ein kleiner Teil der Früchte wurde roh gegessen. Der grosse Teil der Ernte wurde verkocht, gepresst, gedörrt, zu Schnaps gebrannt, gebacken oder als Medizin verwendet. Zu den neuesten Kosmetik-Produkten gehören Anti-Age-Crèmes, die einen Rohstoff aus Stammzellen des lange vernachlässigten Baumbestandes des Uttwiler Spätlauber-Apfels enthält.

Wie immer bietet das Naturmuseum Solothurn ein vielseitiges Rahmenprogramm für Kinder und Erwachsene an.

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