Im närrischen Blätterwald sind sie die Frühaufsteher: Elf junge Fasnächtler bringen ihr Gratisblatt «11 Minuten» noch vor dem «Hudibras», «Postheiri» und dem «Amzblatt» an den Narr und an die Närrin. Und auch heuer haben sie dem Duft noch nicht ganz trockener Druckerschwärze wieder ordentlich Lachgas beigemischt. Die Gruppe, die sich als zunftneutral bezeichnen kann, wetzt jeweils ab November die Schreibfeder und definiert ihre Angriffsziele.

Keine alten Zöpfe

«Wir fangen an, indem wir brainstormen und den technischen Ablauf diskutieren», verrät der Sprecher der anonymen Schreibergilde. Dabei wird auch aufs Haltbarkeitsdatum potenzieller Meldungen geschaut: Was nach altem Zopf ausschaut, fliegt raus – entsprechend ist dem närrischen Blatt die Aktualität auch auf allen elf Seiten anzusehen.

Und so ist der «50. Solothurner Filmplage» eine ganze Seite gewidmet. In einer Retrospektive zeige «Saraina Rohror» aktuelle Filme mit Regionalkolorit, die es nicht in den offiziellen Filmtage-Reigen geschafft haben: Da wäre beispielsweise «Das Boot» zu nennen, eine Verfilmung von Anteners Inselfähren-Epos, oder «Grounding», eine Doku, die die letzten Stunden des FC Grenchen festhält. Apropos: Wohl- aber nicht überdosiert ist die Sprengladung, die man ansonsten Richtung Uhrenstadt abfeuert. Aus der «P... verlängerung» Richtung Osten, wobei mit «P» natürlich die Piste gemeint ist, wird plötzlich eine Pistenverbreiterung Richtung Norden – denn es komme schliesslich nicht auf die Länge an... Um es kurz zu machen: Grenchen City verschwände bei diesem Ansinnen grossteils unter einer massiven Betonplatte.

Doch mit Blick ins eigene Solothurner Gärtchen kriegt gerade die Wasserstadt mehrfach ihr Fett – und in einem Gedankenspiel sogar ihre Altlasten – weg. Diese nämlich sollen auf «unbedenklichere Zonen» verteilt werden, damit das ursprüngliche Feld «bracher» werde.

Interaktives fehlt nicht

Auch Mitmachelemente haben die elf Fasnachtsautoren nicht aussen vor gelassen: Immobilien-Tycoon Urs Rudolfs Brettspiel «Rudolfoly» zielt darauf ab, möglichst
lückenlos die Besitzrechte im «Ypsilon» einzuheimsen.

Natürlich trüge eine Fasnachtszeitung nicht den Solothurner Stempel, wenn sie nicht auch ihren Stadtpräsidenten durch die Mangel drehen würde. So steht die Frage im Raum, ob Kurt Fluri die Augentattoos weglasern lassen soll, die seinen Lidern den Anschein verleihen, bei jedem Anlass geöffnet zu sein. Dennoch liebäugele «der Übermensch der Effizienz» umso ernsthafter mit der Idee, auch Stadtpräsident der Partnerstädte Le Landeron, Heilbronn und Krakau zu werden. Auch die kontroverse Schulraumplanung hats ins närrische Blatt geschafft: Hier treibt die Fantasie der Dichter und Denker von «11 Minuten» wildeste Blüten und bringt den gerechtesten und gleichzeitig unsinnigsten Plan für den maximalmöglichen Einsatz von Mami-Taxis zu Protokoll.

Witze in Tapas-Form

Am «Suchbild» rund um die heiss thematisierte Gondelibahn (oder «Gondeliwahn») bleibt insbesondere der Leser mit dem gewissen Insidervorsprung hängen. So sind Kurzweil und Witz mit «11 Minuten» garantiert, und schiesst doch über die im Titel versprochene Lesezeit hinaus – dies wohlportioniert: Neben grösseren Beiträgen schiessen die Gag-Kanonen im Elfsekundentakt auch Wortspielereien in Form witziger Kürzesthäppchen ab. Und auch in Sachen Optik wurden bei der abermals kunterbunten Ausgabe alle Register gezogen und viele technische Spielereien witzig ausgereizt. Festzustellen ist eine besondere Vorliebe, Köpfe auf Körper zu pappen, wo sie nicht hingehören. Da waren Photoshopper mit dem magischen Zauberpinsel am Werk, und das nicht zu knapp.

Übrigens: Ein neckischer Seitenhieb gegen die Konkurrenz bleibt übrigens auch nicht aus. Sagt ein Narr zu «Weltwoche»-Kolumnist Andreas Thiel: «Was Du über den Koran geschrieben hast, würde ja nicht einmal der Postheiri abdrucken.» Bleibt abzuwarten, ob die spitze Feder der Kontrahenten mit Vergeltung antwortet...