Museum Schloss Blumenstein

Das Museum Blumenstein ist mehr als ein Schloss

Stellen das Museum vor: Kunsthistoriker Benno Mutter und «Blumenstein»-Konservator Erich Weber

Stellen das Museum vor: Kunsthistoriker Benno Mutter und «Blumenstein»-Konservator Erich Weber

Ein neuer Kulturführer beleuchtet die Geschichte und das Umfeld des Museum Schloss Blumenstein. Was viele nicht wissen: Früher gehörte viel mehr Land zum Bijou als heute.

Biete: Spätbarockes Palais mit mehrstufigem Barockgarten, Ehrenhof, Orangerie, Scheune, Zufahrt über eine malerische Allee und Aussichtspunkt – heute müsste man lange in Inseraten stöbern, um eine solche Immobilienperle zu finden. Doch genau jenes Ensemble konnte der Besucher im Solothurn des 19. Jahrhunderts oberhalb der Stadt erspähen. Heute erinnern gerade noch das stattliche Herrenhaus – bekannt als Historisches Museum Blumenstein – sowie das Pächterhaus an altvordere Zeiten.

Und diese Schokoladenseite zeigt sich erst, nachdem man sich seinen Weg an den Häuserreihen am Herren- und am Blumensteinweg vorbeigebahnt hat. Früher thronte das «Schloss» weit sichtbar auf der Erhebung der «Steingrube», heute ist ein wenig mehr Anstrengung nötig, um die Erhabenheit zu entdecken.

Landgut im Bewusststein

Nun holt ein neues Heft aus der Reihe der Schweizerischen Kunstführer der Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte (GSK) den alten Zauber des Landguts wieder ans Tageslicht. Auf Initiative von «Blumenstein»-Kurator Erich Weber hat Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Benno Mutter die historische Entwicklung von Haus und Umschwung auf 52 reich bebilderte Seiten gepackt. Heute Abend um 19.30 Uhr wird der auf ein interessiertes Publikum zugeschnittene Kunstführer vor Ort in einer Vernissage vorgestellt.

Bereits 1972 erschien in derselben Reihe aus der Feder von Gottlieb Loertscher eine Publikation über das «Schloss Blumenstein». «Damals ging es aber eher um einen Beschrieb von Haus und Sammlung», erklärt Benno Mutter. Im neuen Heft hingegen werde das Gebäude in seiner zeitlichen Entwicklung ebenso wie im räumlichen Umfeld beschrieben. Denn: «Den Leuten ist das Landgut schon im Bewusstsein. Aber von der Umgebung, die dazugehörte, sieht man heute nicht mehr viel.»

Explosionen für ein Landgut

Umso wichtiger schien es, auch die Geschichte des «Blumensteins» aufzurollen und damit auch den grosszügigen Umschwung zu verdeutlichen, den es zu besten Zeiten hatte: Vom Süden her umfasste es das Gebiet rund um die Fegetzallee, griff nach Norden auf die Höhe des heutigen Sälirains vor, westlich bis zum Lischerhof und östlich bis zum Verenaweg. Wo seit dem 15. Jahrhundert Kalkstein abgebaut worden waren, entstand bald der Landsitz der Familie Gibelin.

Aus diesen Anfangszeiten existieren viele Rechnungsposten, die auf einen hohen Verbrauch an Sprengstoff hinweisen; offenbar hatte man die Steinstrukturen zugunsten des Landsitzes weggesprengt. Noch heute deuten Terrassenformen, auf denen auch der damalige Barockgarten realisiert wurde, auf den Steinabbau hin.

Anschauungsunterricht: Régence

1624 kaufte Stadtpatrizier Wolfgang I. Greder das Landgut auf, das er und seine Nachkommen kontinuierlich zum barocken Sommersitz erweiterten, ein Repräsentationshaus, das aber gleichzeitig auch Pachteinnahmen abwarf. Unter dem Einfluss wechselnder Stile wurde das «Blumenstein» im Laufe der Zeit vielen Anpassungen unterzogen, was es heute fast als historisches Bilderbuch der Wohntrends erscheinen lässt. Auch der Kunstführer bestätigt diesen Eindruck. Insbesondere lässt sich auch noch heute als französische Handschrift der Régence-Stil erkennen. Nach der repräsentativen Prunkphase zur Zeit des Sonnenkönigs Louis XIV. besann man sich nämlich wieder auf eine etwas bescheidenere Bauweise. Der Anspruch an Symmetrie und Üppigkeit machte dem Komfort, dem Intimen und dem Funktionellen Platz. «Der Régence-Stil ist hier wie kaum sonst wo erlebbar», schwärmt Benno Mutter.

Zuletzt wurde das Ensemble als Ganzes von Josef Glutz-Ruchti den Bedürfnissen des Zeitgeists angepasst und zum ganzjährigen Sitz umgebaut. Die Folgen des Ersten Weltkriegs waren es dann, die das Gut buchstäblich auseinanderrissen: Glutz-Ruchti war in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weswegen er den Besitz ab 1919 parzellieren und verkaufen musste. Erst später – zu spät – wurde man sich der Bedeutung des Umschwungs des «Blumenstein» bewusst: 1952 schliesslich konnte das in den Stadtbesitz gelangte Gebäude mit den verbliebenen Landflächen als Historisches Museum eröffnet werden.

Neue Erkenntnisse gewonnen

Bei der Erarbeitung des Kunstführers griff Benno Mutter vorwiegend auf bestehende Archivdokumente sowie auf den Fundus des «Blumensteins» selbst zurück. Nichtsdestotrotz konnte er durch seine Arbeit neue Erkenntnisse zutage fördern. Anhand einer kleinen Gartenarchitektur, deren Grundmauern sich noch heute ostseitig des Herrenhaus befinden, tritt nun für ihn der Zusammenhang zwischen westlichem Ehrenhof, dem Haupthaus selbst und dem Garten – auch «Maison entre cour et jardin» genannt – noch stärker hervor. Damit wird auch klar, dass von jeher nicht die Süd- sondern die Westfassade als eigentliche Vorzeigeflanke für die edlen Damen und Herren von anno dazumal zu betrachten ist.

Die Vernissage findet heute Dienstagabend ab 19.30 Uhr im Museum Blumenstein statt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1