Der zehnjährige Marco ist einer der ersten, der mit seinen Eltern im Vorhof des Museums Blumenstein einen der überdeckten Stände ins Visier nimmt, an denen Frauen in keltischen Trachten und römischen Tuniken für die heutige Zeit nicht gerade gängiges Kochgeschirr, Mörser und Kräuter bereitstellen.

«Ich glaube es muss noch ein bisschen Thymian rein», sagt Marco und zermalmt die ausgewählten Gewürze mit Leidenschaft. Sein Vater lächelt: «Mein Sohn ist sehr wählerisch beim Essen, aber das was er isst, muss aromatisch sein.»

Gewürzstand und Schauküche

Marco ist eines der zahlreichen Kinder, die mit ihren Eltern einen Teil des Sonntags am Römerfest der Kantonsarchäologie verbringen wollen und erfahren möchten, wie man zur Zeit der Römer in Salodurum gelebt hat. Nebst dem Gewürzstand und der Schauküche, wo es für Erwachsene unter anderem einen Gewürzwein mit Honig, Safran, Akazienharz und Datteln sowie Kräuterkäse mit Knoblauch zu degustieren gibt, steht auch sonst einem geglückten Familiensonntag nichts im Weg.

Wer mag, versucht sich auch im von den Römern geliebten Würfelspiel, schlüpft in ein römisches Gewand oder setzt Mosaikteilchen zusammen.

Alles ist eingebettet in eine Sonderausstellung im Pächterhaus des Museums, die an diesem Sonntag eröffnet wird und unter dem Titel «Avenches, Solothurn und die Römer», bis Januar 2014 zu sehen ist. Das von der Kantonsarchäologie betriebene Museum hat sich zu diesem Zweck mit sieben anderen Museen aus dem Drei-Seen-Gebiet zusammen getan, die übergeordnet unter dem Namen «EntreLacs» die Zeit der Römer in dieser Region thematisieren.

Mehr dem Westen als Olten zugetan

Das Strassendorf Solothurn war eng verknüpft mit Avenches, der Hauptstadt der Helvetier, die 20000 Einwohner zählte und den grössten Teil des Schweizer Mittellandes verwaltete. Die Aarestadt Solothurn bildet noch heute das östliche Tor zum Seeland und war zu Zeiten der Römer, als die Flüsse und Seen noch dem Warentransport dienten, als wichtiger Etappenort Teil dieses Verbundes.

In der kleinen, aber feinen Ausstellung erfährt man viel Wissenswertes über die gallo-römische Kultur, die Solothurn prägte, sich interessanterweise aber auch von anderen Regionen unterscheidet.

«Solothurn fühlte sich dem westlichen Teil der Schweiz zugetan und gehörte beispielsweise nicht demselben Kulturstamm an wie Olten», brachte die Kuratorin des Pächterhauses und Mitorganisatorin des Römertages, Mirjam Wullschleger, die Interessierten während einer Führung ins Staunen.

Andere Kochtöpfe

Ein einfaches Beispiel sei der in der Ausstellung zu bewundernde Kochtopf. «Bei Ausgrabungen in Olten haben wir ganz andere Kochtöpfe gefunden als in Avenches und in Solothurn.» Das weise darauf hin, dass sich heiratswillige Männer aus dem Drei-Seen-Gebiet nur in dieser Region auf Brautschau begeben hätten.

Aber nicht nur der Kochtopf, auch andere Alltagsgegenstände geben Einblick in das damalige Leben der Helvetier. Ein vollständig erhaltenes Marmorköpfchen eines Kindes, ein Würfel, ein Saugfläschchen, eine Haarnadel, eine Schreibtafel und ein Griffel kamen bei Ausgrabungen in Avenches ans Tageslicht und sind nun in Solothurn als Leihgaben zu sehen.

Goldbüste

Die mit einem Opferritual eröffnete Ausstellung, an der auch Kantonsarchäologe Pierre Harb und die Museumsleiterin Marie-France Meylan aus Avenches die Gäste begrüssten, wartet allerdings mit einem noch grösseren Highlight auf.

Noch bevor die Museumstür geöffnet wurde, fiel der Blick in einem Schaufenster nebenan auf das Duplikat einer Goldbüste von Kaiser Marc Aurel, der ansonsten in Avenches für Bewunderung sorgt.