Die Frage, wer wo und wie lange den öffentlichen Raum in Anspruch nehmen kann, ist aktueller denn je, gerade in Solothurn. Mit dem öffentlichen Raum befasst sich auch das «Multi-Projekt» mit dem Namen «Platz da?!», das heuer während des ganzen Wonnemonats an diversen Schauplätzen der Stadt zum dritten Mal über die Bühne geht.

Lanciert vom Alten Spital, wurde das Projekt im vergangenen Jahr von der damaligen Fachverantwortlichen Jugend, Barbara Kläsi, geplant und von ihrem Nachfolger Fabian Steinbrink umgesetzt. Nachdem dieser aber schon nicht mehr für das Alte Spital tätig ist, hat Jenny Kramer die Nachfolge als Jugend-Bereichsleiterin übernommen.

Entsprechend zeichnet sie auch für den «Platz da?!»-Aktionsmonat verantwortlich. «Neu ist lediglich, dass wir das ganze Team des Alten Spitals in die Organisation einbinden», informiert Betriebsleiterin Eva Gauch. Das aus vielen Einzelprojekten bestehende Unterfangen binde nämlich viele Ressourcen der Jugendarbeit. Ausserdem können auf diese Weise die Potenziale aus allen Fachbereichen des Alten Spitals mobilisiert werden. Damit, so die Überlegung, wird «Platz da?!» zur Galionsfigur fürs Alte Spital als Ganzes.

Vielseitige Aktivitäten

Wiederum wird soziokulturellen Aktivitäten auf ganzer Bandbreite gefrönt: Die Pfadi organisiert ein Spielfest, ein Flohmarkt lockt mit Trouvaillen, sportliche Aktivitäten wie Strassenfussball oder Speed-Badminton halten die Teilnehmer auf Trab, und Flashmobs sorgen für neugierige Blicke im öffentlichen Raum.

Ebenso finden Kurse in Luftakrobatik, Theaterspiel, Cocktail-Mixen, Chorgesang, Graffiti oder Siebdruck statt. Ferner werden Radiosendungen produziert und Podien zu unterschiedlichen Themen veranstaltet. Einige Teilprojekte fokussieren sich auf Suchtprävention. Und traditionsgemäss wird die Prämierung des Jugendprojekts der Jugendkommission vorgenommen.

Einige der Aktionen sind eigens vom Alten Spital lanciert, andere wurden als Kooperationen mit Partnerinstitutionen geplant, wieder andere stammen ganz aus dritter Hand: so die Aktion im Bikepark beim Henzihof: nämlich beim Bau eines so genannten Pumptracks mitzuwirken. «Viele Institutionen sehen es als Mehrwert für sich, mitzumachen», weiss Gauch. Und für viele halten sich Aufwand und Ertrag die Waage. So bieten sie ihre Dienstleistungen oft umsonst an. «Andernfalls wäre ein Projekt wie ‹Platz da?!› nicht möglich», sagt Gauch.

Aus der Not wird eine Tugend

Neu ist, dass das bisherige Kernelement von «Platz da?!» nicht realisiert werden kann: Bisher galt die «Spielstadt» auf dem Kreuzackerplatz als Begegnungs- und Startpunkt für die vielfältigen zerstreuten Aktionen in der ganzen Stadt. Da aber auf besagtem Platz Reparaturarbeiten durchgeführt werden (vgl. Samstagausgabe), kann er nicht durch den Aktionsmonat bespielt werden. «Doch was passt besser zum Grundgedanken von ‹Platz da?!› als diese Ausgangslage?», äussert sich Gauch zur Situation im öffentlichen Raum. 

Ein anderer Platz mit nötigem Laufpublikum konnte indes nicht gefunden werden. Dies generiert einen Zusatzaufwand, gerade wenn es um Bewilligungen oder die Materiallogistik geht. «Hingegen müssen wir der Stadtpolizei ein Kränzchen winden», sagt Gauch weiter. Sie habe die Organisatoren jeweils mit Alternativvorschlägen beliefert, sobald ein Standort zur möglichen Bespielung ausgeschieden war.

«Die verschiedenen Standorte schaffen Vielseitigkeit», streicht Kramer die Tugend in der Not hervor. Und: Der «Adapter», ein umgebauter Opel-Blitz-Lastwagen, kommt als mobile Plattform für vielseitige kulturelle Aktivitäten zum Einsatz: als Cocktail-Bar, als Bandbühne oder als Radiostudio. Als Blickfang im Sinne bisheriger Verschönerungsaktionen der Kreuzackerbrücke (Strick-Graffiti oder G) soll heuer stattdessen ein grüner Faden zum Einsatz kommen.

Mit einer Gesamtlänge von 100 Kilometern kommt er an mehrere Busstationen im Kunstprojekt «Verstrickungen» zum Einsatz. Bereits vor über vier Jahren hat die deutsche Künstlerin Susanne Hanus mit einem ähnlichen «Artist in Residence»-Projekt im öffentlichen Raum für Aufsehen gesorgt, «bespannte» sie diesen doch mit rotem Garn. «Das Thema passt zur dezentralen Struktur des Anlasses», findet indes Eva Gauch.

Stiftungsgelder als Hürde

Finanziell lässt sich das Projekt «Platz da?!» wie erwähnt ohne die Eigenleistungen der Partnerinstitutionen kaum realisieren: «Wir stellen eine grosse Bereitschaft fest, Dienstleistungen und Sachgüter zu sponsoren.» Ansonsten gestalte sich die Mittelbeschaffung schwierig – trotz, oder vielleicht eher wegen der grossen Bandbreite an Aktionen. «Wir fallen bei vielen Stiftungen zwischen Stuhl und Bank», stellt Gauch fest. So bestehe «Platz da?!» nicht nur aus klassischer Jugendarbeit, auch nicht aus regulärer Kulturförderung. Ebenso wenig sei der Aktionsmonat eine reine Integrationsmassnahme. Dass er sich zudem aus Einzelprojekten zusammensetzt, mache es nicht einfacher, sich bei Stiftungen zu präsentieren.

Dass sich «Platz da?!» übrigens im Sinne eines Selbstläufers vom Lead des Alten Spitals lösen wird, bezweifelt Eva Gauch: «Es ist schwierig, dass es irgendwann mal alleine ‹fliegt›. Vielmehr setzen wir darauf, Jugendliche zu gewinnen, die eigenständig Teilprojekte mittragen.»