Offenbar hat auch Chris van den Broeke wie seiner Vorgänger als OK-Chef des Märetfeschts einen guten Draht zu Petrus: Bei optimalem Festwetter ging am Freitag die erste Runde des grossen Stadtfests über die Bühne. «Die Regentropfen im Wetterbericht sind auch verschwunden», meinte er noch optimistisch auf den zweiten Festtag hin.

Das Aufstellen der Stände sei problemlos verlaufen, auch wenn am Nachmittag noch die letzten Aussteller mit dem Auto (!) in der bereits gut besuchten Altstadt ihr Plätzchen suchten.

Massivste Konsequenz des OK-Rundgangs zusammen mit Feuerwehrkommandant Martin Allemann und Stapo-Kommandant Peter Fedeli: Die grossflächig und marktschreierisch auf Leintüchern propagierten Bier- und Drinkpreise der Bar vor der St. Ursentreppe mussten heruntergeholt werden. Am Märetfescht geht vieles – aber doch nicht alles.

Alles paletti im Kollegiumshof

Wundersam ins Riesengerüst vor der Jesuitenkirche eingefügt hat sich die Spiessli-Braterei der Narrenzunft Honolulu mitsamt der VIP-Lounge im Oberstübchen, auch wenn ein Narr flachste: «Leider haben wir die Betriebsbewilligung für die Stockwerke 3 bis 23 nicht erhalten.»

Beim Hauptgassleist in der gleichnamigen Gasse ist für die Gäste sogar ein roter Teppich ausgelegt – die Boutique dahinter hatte sich die Wirkung dieser Geste wohl anders vorgestellt. Wieder den Vorstellungen von einst entspricht dagegen der lauschige Kollegiumshof, den sich nach einer Baupause die angestammten Bar- und Beizenbetreiber teilen. Reto Panzeri von den Risottorührern, der am Nachmittag noch emsig Früchte für 15 Liter Sangria schnippelte, hoffte auf die alten guten Zeiten: «Früher verkauften wir in guten Jahren bis zu 1200 Portionen Risotto.»

Nebenan auf dem Klosterplatz hat das Theater Mausefalle zum zweiten Mal seine Bar installiert. Vereinspräsident Remo Streit: «Letztes Jahr meinten Viele, es sei ein eher schlechtes Märetfescht gewesen. Wir waren jedenfalls zufrieden.» Diesmal setzt die Theatercrew auf den Drink «Herb Hunter», einen Mix aus Jägermeister und Eistee. «Der ist in Kulturkreisen völlig in, seit ihn die Kulturfabrik Kofmehl lanciert hat», weiss Streit.

Auf dem Märetplatz hat sich ebenfalls zum zweiten Mal Akropolis-Wirt Ahmed Sazdili installiert. Für ihn bringt das Märetfescht-Wochenende einigen Stress mit sich, denn bei diesem Wetter brummt auch sein Restaurant in der Vorstadt. Er hat deshalb seinen Personalbestand aufgestockt, «denn immerhin habe ich allein dort noch 110 Aussenplätze.

Märet im Internet

Ruhiger nehmen es die Antiquitätenhändler und Trödler oberhalb des Kronenplatzes. Darunter bestandene Märetfescht-Cracks wie der Domchor St. Urs, Anselm Christen mit seiner Fundgrube an alten Zeitungen oder Peter «Beppo» Wälchli, der nut einen Teil seines riesigen Portefeuilles an alten Ansichtskarten feilbietet.

Und dieses sogar beim Konkurrenten gegenüber ergänzen kann. «Tolle Ware hat er dabei.» Wälchli dagegen wartet mit einer fast kompletten Fülle von Solothurner Büchern auf. «Wem es hier zu teuer ist, der soll halt ins Internet.» Denn längst hat der gewiefte Marktfahrer im Netz aufgerüstet – 4000 Artikel bietet Wälchli inzwischen online an.