Eigentlich ein Wunder, dass es erst jetzt überhaupt aufgefallen ist: Eine Leserin orientierte die Redaktion, dass da neben dem Kunstmuseum bei einer weiblichen Skulptur der Kopf fehle. Vandalismus im sonst so friedlichen Solothurn?

Mitnichten. Mit dem Bau des unterirdischen Kulturgüterschutzraumes nördlich des Museums entschloss man sich, etliche der Kunstwerke in der näheren Umgebung zu «evakuieren». Sie wurden während der Bauphase vor drei Jahren im Werkhof untergebracht. «Schon damals wies der Stein im Halsbereich der Mädchenfigur Risse auf», weiss Hauswart Til Frentzel, der als Steinbildhauer vom Fach ist. Also habe man sich entschlossen, den Kopf gleich ganz zu demontieren. «Denn beim Transport hätte er runterfallen und zerspringen können», gibt Frentzel zu bedenken.

Reparatur vor Ort

Aus diesem Grund habe man dann entschieden, den Torso auf seinem Sockel wieder am ursprünglichen Ort aufzustellen und die Reparatur des Schadens gleich dort vorzunehmen. «Das Risiko eines erneuten Schadens wäre grösser gewesen, wenn man die Statue nach der Reparatur erneut bewegt und transportiert hätte», verrät der Fachmann.

Der ansonsten intakte Kopf aus Naturstein wird laut Frentzel mit dem Rumpf durch einen Spezialleim verklebt, dann die Fugen mit Steinmörtel verkleidet. Zusätzlich erfolge eine Chromstahl-Sicherung der Bruchstelle. Wie lange die Figur schon im Museumspark steht und vor allem, wann sie geschaffen worden ist, war im Kunstmuseum auf Anhieb auch nicht bekannt. Den Sockel ziert ein Schild mit der Inschrift: «Alphons Wiss, München, Mädchen mit Krug». Der Künstler wurde 1880 in Fulenbach geboren und wirkte ab 1922 dann in Luzern. Da Wiss vorher zu Studienaufenthalten in Deutschland weilte, dürfte es sich bei dem «Mädchen mit Krug» um ein Frühwerk des Steinbildhauers handeln. Er verstarb im Sommer 1942 in Murten mit 62 Jahren.