Solothurn

Das Loslassen tut Niklaus Rust schon weh

Bald sind für Niklaus Rust die HESO, der Konzertsaal und vor allem der Märetplatz Geschichte, denn er muss das Haus Ende September verlassen. «Es war eine schöne Zeit. Es tut auch weh, jetzt zurückzustehen», sagt der bald 72-Jährige.

Die zweite Hälfte der 70er-Jahre war für Solothurn eine revolutionäre Zeit. «Wir mussten damals unser Blumengeschäft am Kronenstutz verlassen, und so kauften wir das Haus am Märetplatz», erinnert sich Niklaus Rust an den Deal zusammen mit seinem Bruder Ruedi. Nicht nur die Fassade des Hauses im Herzen der Altstadt wurde völlig um- und zurückgebaut.

Auch die Parkplätze davor verschwanden. Und machten der bis heute bekannten Terrasse Platz. «Fritz Schneider, damals Stadtammann, wollte eine verkehrsfreie Innenstadt.» Das brachte einiges ins Rollen. Gurzelngasse und Hauptgasse machten den Anfang, die dortigen Parkplätze wurden ins 1976 eröffnete erste Parkhaus Bieltor verlegt. Im gleichen Jahr bezogen Rusts das schmucke Altstadthaus, richteten ihren Blumenladen und das Bistro mit Restaurant im Obergeschoss ein. Für die etwas später fertige Terrasse hatte sich die Stadt etwas Spezielles einfallen lassen: Bedachungen in der Form von Fliegenpilzen. Die ein Leserbrief-Inferno auslösten. «Sie waren schnell wieder weg», so Rust.

HESO und Stadtvereinigung

Die neue Fussgängerzone brachte auch neue Strukturen mit sich. Niklaus Rust: «Damals sagte ich zu Viktor Sperisen, wir sollten eine neue Organisation für die Stadtgeschäfte aufziehen.» Die Folge: Im Mai 1976 wurde die Stadtvereinigung Solothurn gegründet. Die sofort viel Elan entfaltete: Das erste Märet-Fescht wurde auf die Beine gestellt, und 1978 die erste Herbstmesse Solothurn HESO nur mit der Reit- und Turnhalle sowie einem Zelt durchgeführt. Von Anfang an dabei auch Niklaus Rust. «Ich hatte Rolf Christ als ersten OK-Präsidenten geholt.» Rust selbst war jedes Jahr an der HESO dabei, zuerst mit Blumen und einem Beizli – «für jedes Cüpli gabs ein Röseli» – dann kam in den 80er-Jahren der Weinhandel dazu, später die Spaghetteria, die Rust nun letztmals als HESO-Aussteller führt.

Der Weinfreund – er gründete als «Capitano» den Solothurner Ableger der Lega del Chianti – war auch ein Freund des Jazz: Mit José Schwaller von der Ambass Town Jazzband wurde auf dem Märetplatz das gleichnamige Jazzfestival lanciert. «Es war zuerst nur als einfaches Jazz-Fest» gedacht, blickt Niklaus Rust etwas wehmütig auf das Ende des einst so beliebten Anlasses vor einigen Jahren zurück. Und merkt kritisch an: «Das Ganze war zu gross geworden.»

Vieles ist anders geworden

1988 übernahm Niklaus Rust zuerst noch zusammen mit Peter Kahne die Pacht des Konzertsaal. Nerven brauchte er nicht nur während des etappierten Gesamtumbaus, der immerhin einen Lifteinbau zu Folge hatte. «Vorher mussten wir alles die Treppe hinauf fugen.» Nein, ausgerechnet die Fasnacht setzte Niklaus «Niggi» Rust zu. Er, der als Ober-Ober und Narr der Narrenzunft Honolulu die lange fasnächtliche Tradition der Familie Rust, zurückgehend auf seinen Urgrossvater, weitergeführt hatte, sah sich plötzlich einer jahrelangen bösartigen Kritik ausgesetzt: «Am Drumm-gugu-lala-Pfiff im Konzertsaal war einmal der Kartoffelsalat abverheit.» Dass das Thema immer wieder aufgegriffen wurde, habe ihn schon sehr getroffen.

Das weinende Auge

Nun muss sich Niklaus Rust vom Märetplatz verabschieden, das Haus wurde im Frühling verkauft. «Es war eine schöne Zeit. Es tut auch weh, jetzt zurückzustehen», sagt der bald 72-jährige, der Ende September das Bistro Rust schliesst und im Konzertsaal nur noch bei Bedarf sur place ist. Es habe bessere und schlechtere Jahre gegeben am Märetplatz, und es sei auch nicht einfach, ein Restaurant im Obergeschoss zu führen. «Dazu hat sich das Sommer-Abendgeschäft eindeutig an den Landhausquai verlagert», erklärt er seine frühen Schliessungszeiten abends. Auch die neue Stadt- und Gewerbevereinigung sei nicht mehr die Stadtvereinigung von einst, übt er Kritik an der «Verbotskultur» mit reduzierten Anlieferungszeiten sowie der für ihn negativen Ausdehnung der Fussgängerzone. «Und auch der Abendverkauf ist nicht mehr das, was er einst war.»

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