Der Romanstoff von Victor Hugo «Der Glöckner von Notre Dame» ist auf vielfältige Weise immer wieder aufgegriffen worden. Die zugrunde liegende Idee von Ausgrenzung, Schuld, Liebe, dem unkontrollierten Verhalten in der Menschenmasse, von Freiheit, Enge und der Bösartigkeit der Menschen hat diesmal Musikpädagogin Katharina Spielmann mit Regisseur Simon Burkhalter (Text) an ihrer Seite so bewegt, dass daraus ein Konzertabend mit Spielszenen entstanden ist. Wie in ein liebenswürdiges Märchenbuch führen die auf die bühnenfüllende Gazewand projizierten Aquarellbilder von Oskar Fluri in das Geschehen um 1482 ein.

Der unfertige «Quasimodo»

Damals legte eine verzweifelte Mutter ihren körperlich verunstalteten Säugling an der Pforte zu Notre Dame ab. Gefunden und wenigstens am Leben gehalten wurde er durch den Münsterpfarrer Frollo, einen selbstgerechten Mann, der das «Quasimodo» genannte, also «unfertig gestaltete» Kind auf die Turmplattform verbannte. Philosophisch und grimmig dreinschauende Drachenskulpturen und vor allem Tauben, mit denen er doch so gerne in die Welt zu seinen Füssen fliegen würde, waren seine Gesprächspartner, wie es das eröffnende, grossformatige Bühnenbild zeigt.

Alle weiteren Szenen illustriert Fluri mit ansprechenden Motiven, die das Schicksal des zum jungen Mann herangereiften Findelkinds schildern.

Denn irgendwann entkommt der zum Glöckner ausgebildete Jüngling seinem Verlies in der Höhe, wird an der rauschhaften Fasnacht unten zum Narrenkönig gekrönt und verliebt sich in die junge Zigeunerin Esmeralda.

Zwei gesellschaftliche Aussenseiter

In klosterhafter Ordnung treten die 23 singenden Mitglieder des TakTlos-Chors auf, die danach das Publikum an ihren hinter der Gazewand wie schemenhaft wirkenden Bewegungsgestaltungen teilhaben lassen. Deren rhythmisch betonte Choreografie hat Anja Gysin erarbeitet. Das wie durch eine Nebelwand sichtbare Spiel ergänzen die von Katharina Spielmann ausgesuchten Lieder aus aller Welt.

Thematisch passend rufen die feinstimmig und bewundernswert a cappella gesungenen 16 Chorsätze Stille und Besinnung im Publikum hervor. Vom Lied «Abend wird es wieder», über das russische «Tibie Paiiom», einer bekannten Tanzmelodie von Bela Bartok zu geistlichen Kompositionen, und dem abschliessenden englischsprachigen «When Jesus wept» will die musikalische Auswahl die Handlung verdeutlichen und vertiefen. Mit ihrer auswendig vorgetragenen Erzählung in Mundart vermittelt Giuletta Odermatt den literarischen Rahmen. Immer wieder nimmt sie im Konzertsaal neue Positionen ein, unterstützt durch die umsichtige Lichtregie von Mario Bösemann, der ebenso feinnervig die Ausleuchtung des Bühnenraums besorgt.

In dieser «Glöckner»-Nacherzählung wird Esmeralda zur liebenden Frau, die das wahre Herz des stigmatisierten Quasimodo entdeckt. Während sie sich schützend vor Quasimodo stellt, wird sie von Frollo zur Hexe gestempelt. Eng umschlungen werden – anders als bei Hugo – beide, die Zigeunerin und der Krüppel, als gesellschaftliche Aussenseiter lebendig eingemauert.

Aufführungen: 11. und 18. November, 20 Uhr, im Konzertsaal. Vorverkauf: Säli-Buchhandlung Solothurn, 14 bis 17 Uhr.