Ältere Solothurner erinnern sich vielleicht, dass beim Umbau der Liegenschaft Hauptgasse 64 in den Jahren 1981/1982 ein steinerner Kandelaber zum Vorschein gekommen ist. Bei diesem einzigartigen Fund handelt es sich um eine Säule mit kanneliertem Schaft und stilisiertem korinthischen Kapitell, auf dem ein reich verziertes und allseits mit rundbogigen Öffnungen durchbrochenes Laternenhäuschen sitzt.

Die AEK liess eine Kopie herstellen, die seither auf dem Friedhofplatz steht. Als Eigentümer der genannten Liegenschaft hat sich die AEK in Absprache mit ihrem Mieter, dem «Chuchilade», deshalb mit dem Steinmuseum in Verbindung gesetzt. Es dauerte aber rund zwei Jahre bis alle denkmalpflegerischen und rechtlichen Bedingungen einen Umzug erlaubten. Nun steht also die Lichtsäule als Leihgabe der AEK Energie AG öffentlich zugänglich im Steinmuseum.

Das wertvolle Zeitdokument wurde für die Familie Zurmatten in gelbem Hauterive-Kalkstein hergestellt und dürfte zwischen 1580 und 1590 durch Jacques Perroud gestaltet worden sein. Sein Vater, Laurent Perroud, hat in Solothurn Brunnenfiguren geschaffen.

Ein Tag Arbeit

Die Umplatzierung eines solch historischen Objektes verlangt ein gewisses Knowhow und grosse Sorgfalt. Die Eigentümerin der Säule beauftragte deshalb Heinz Lehmann aus Leuzigen mit dieser Arbeit. Von Seiten des Steinmuseums wurde der Umzug durch Til Frentzel, Steinbildhauer, und Pierre Harb, Kantonsarchäologe, begleitet. Für die Arbeit wurden viele technische Hilfsmittel benötigt wie verstellbare Steinböcke, diverse Hebeisen, hölzerne Traggestelle und ein Flaschenzug.

Der Abbau der Säule am alten Standort und der Aufbau im Museum erforderte ein grosses Mass an Erfahrung. Auf einem Anhänger wurde die Säule die wenigen Meter zwischen den beiden Liegenschaften transportiert. Es war bewundernswert wie Heinz Lehmann gleich auf Anhieb alle notwendigen Werkzeuge mitbrachte. Nach einem vollen Tag Arbeit stand die Säule auf einer bleiernen Unterlage ins Lot gebracht im Museum. Für ihre Platzierung mussten einige andere Museumgegenstände etwas verschoben werden.

Die offizielle Begrüssung

Traditionsgemäss wird am Museumstag vom 21. Mai Neues im Steinmuseum präsentiert. Das ist am kommenden Sonntag nicht anders. Für die Begrüssung des historischen Kandelabers hat sich der Verein der Solothurner Steinfreunde etwas ganz Besonderes ausgedacht. Um 11 Uhr werden der Söldnerführer Urs Zurmatten, seine dritte Gemahlin Barbara Pfluger, der Steinbildhauer Jacques Perroud und die Dienstmagd im Hause Zurmatten Marie persönlich anwesend sein und in drei kurzen Szenen, die eigens für diesen Anlass verfasst worden sind, die Entstehungsgeschichte dieser Lichtsäule theatralisch darstellen.

In diesen Szenen sind bekannte Mitglieder verschiedener regionaler Theatergruppen zu sehen, nämlich Max Schor, Maria Ansari, Lukas Rätz und Marlis Frey. Eine Wiederholung der Szenen erfolgt um 17 Uhr.