Ausstellungsmacher hängen Ausstellungen – nach Themen, nach Chronologien. Oder auch ganz frei, nach Assoziationen. Und genau so ist diese neue Ausstellung im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn gehängt worden. «Es handelt sich um eine reine Sammlungsausstellung. Aus den rund 3500 Zeichnungen und den vielen Kleinplastiken haben wir zusammen gehängt, was zusammenhängt», sagt Anna Bürkli, Registrarin im Kunstmuseum. Und Patricia Bider, welche die Sammlung online betreut, ergänzt: «Durch die intensive Aufarbeitung der Sammlung, einerseits für den neuen Kulturgüterschutzraum, andererseits für deren Digitalisierung, haben wir viele vorhandene Arbeiten gesichtet und damit auch neu sehen lernen.»

Das im Titel nun enthaltende Wortspiel wurde zum Programm. «Es geht einerseits um das Aufzeigen von formalen, inhaltlichen oder motivischen Zusammenhängen, andererseits steht ein partizipativer Aspekt im Vordergrund, welcher sich an das Publikum richtet», sagt Bider. Um dem Ganzen aber dennoch eine gewisse Ordnung und Struktur zu geben, entstand der Gedanke, in den drei Räumen des Graphischen Kabinetts je drei unterschiedliche atmosphärische Stimmungen zu schaffen. «Fläche und Linie», «Künstlerfreundschaften» und «Figur und Landschaft» sind sie übertitelt.

Drei neue Zusammenhänge

So beginnt man mit der Betrachtung eines Werkes, zum Beispiel dem Video «Brunnen» von Jan Hostettler, wird zu Linien und Flächen von Jean Mauboulès oder Gilian Gelzer geführt, entdeckt die Wolkenumrisse eines Oskar Tröndle und bemerkt plötzlich dessen Geistesverwandtschaft zu Albrecht Schnider. Flächen und Farbschichten führen wiederum von Susan Hodel zu Otto Lehman und zu Jean Pfaff.

«Es sind jetzt mal unsere Zusammenhänge», sagen die beiden Frauen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Im Zwischengang des Graphischen Kabinetts wurde eine Multimediastation aufgebaut, auf welcher das Publikum noch andere Werke auswählen kann. Die am meisten gewählten Werke werden dann zweimal (am 21. Juli und am 8. September) während der Ausstellungsdauer in die bestehende Schau integriert. «So ist dreimal eine andere Hängung, sind neue Zusammenhänge zu sehen, und das ist dann die Herausforderung, die an uns gestellt wird», sagen Bürkli und Bider. Und der Nebeneffekt: Diese Art der Präsentation zeigt dem Publikum, welch grosse Kunstschätze im Kunstmuseum Solothurn eingelagert sind.