Haus der Kunst St. Josef

Das künstlerische Schaffen der Britin Clare Goodwin ist in Solothurn zu sehen

Beeindruckend und omnipräsent: Clare Goodwins Werke im Haus der Kunst.

Beeindruckend und omnipräsent: Clare Goodwins Werke im Haus der Kunst.

Die gebürtige Britin Clare Goodwin im Haus der Kunst, St. Josef, in Solothurn. Die Ausstellung ist noch bis Mitte November zu sehen.

Beeindruckend kann man diese Räume und damit Wände einkleidenden malerischen Situationen wirklich nennen. Beeindruckend, omnipräsent und trotz aller Monumentalität von einer zurückhaltenden harmonischen Präsenz. Deren intensive Wirkung sich aus dem Kontrast der schwarzen und pastellzarten Nuancen – Silbergrau, Beige, Creme, Rosa, Hellblau, Salbei, Lavendel – und der Abfolge präzis konturierter konkreter Formen steigert und als universelle Einheit aus elf Bildtafeln durch alle drei Ausstellungsräume Kirchenschiff, Altarraum und Chor zieht.

Eine farbstimmig komponierte Klaviatur, die unter dem Ausstellungstitel «Sottovoce», mit «leiser» Stimme, als ein nachklingendes Sprachbild die volle Resonanz der Ausstellungsräume ausschöpft, diese ästhetisiert verbindet, dabei dezent auf das architektonisch Besondere verweist: Im Hauptraum ist es vor allem die Kuppel der ehemaligen Kanzel, die gradlinige Architektur, im Chorraum sind es die Fenster mit dem rund gefassten Glas.

Farbgebung mit subtiler Eleganz

Clare Goodwin, 1973 in Birmingham geboren und seit 2001 in Zürich lebend, praktiziert die konstruktivistische Bildgestaltung, ohne jedoch dem berechnenden Konstruktivismus zu folgen. Ihre malerischen Kompositionen entwickeln sich eins aus dem anderen. Logisch im Konzept, aber situativ in der Ausführung führt eine Form zur nächsten, folgt die Farbgebung einer subtilen Eleganz und spielerischen Leichtigkeit.

Hier im Haus der Kunst von beiden Aussenseiten beginnend, bauen sich die Form- und Farbgestaltungen repetitiv in den geometrischen Mustern auf. Stets vertikal ausgerichtet, ohne jegliche horizontale Momente, generiert sich derart ein imaginativer Vorhang, der die Räume einkleidet, ein Dahinter kaschiert, ein Davor dem Blickpunkt der Betrachtenden eröffnet.

Die scharfkantige Linienführung im Hauptraum wandelt sich zum Chorraum hin zur melodiös geschwungenen, eher zylinderförmigen Einfachheit. Man denkt an einen diskret bewegten Vorhang eines immateriellen Spiegelraumes, der keine textilen Gedanken zulässt, sondern vielmehr im virtuellen Fluss feinstimmiger Impressionen eine Magie des Besonderen in sich birgt.

Clare Goodwins künstlerisches Schaffen umfasst Malerei, Wandmalerei – hier im Haus der Kunst mit Dispersionsfarbe und Farbroller direkt auf den Wänden monochrom verdichtet –, gemalte Collage, keramische Arbeiten und Objekte. Stets ist ihr eine präzise und spezifische künstlerische Haltung zu eigen, die Reduktion auf Linien, Formen und Muster im Stil der «hard-edge»-Kompositionen und die Konzentration auf den vorgefundenen Raum.

Im Gegensatz zur konstruktivistischen, berechnenden Bildidee einer geometrischen Abstraktion verfeinert die Malerin ihre Inhalte mit Subtilität, Farbsinnlichkeit und einer feinen poetischen und durchaus auch emotionalen Ausstrahlung. «Sottovoce» also, mit «leiser» Stimme, intoniert die Künstlerin unaufgeregt, aber wirkungsvoll die universelle Ausdruckskraft von Farbe und Form, künstlerischer Möglichkeiten und Absichten.

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