Nicht weniger als 50 Büroordner, sowie prall gefüllte Fotokisten und etliche Dokumentenschachteln lassen die Regale im Künstlerhaus-Büro durchhängen und die Arbeit erahnen, die hinter dem jüngsten Projekt des «S11» steckt. Die stummen Zeitzeugen bildeten nämlich einen Grossteil des Rohstoffs für eine Jubiläumspublikation, die eine Rückschau auf 40 Jahre Kunstbetrieb von 1978 bis 2018 erlaubt.

Der Kunsthistoriker Martin Rohde zählt zum S11-Team und ist der geistige Vater der 260-seitigen Jubiläumsschrift, die diesen Freitag im Rahmen der 41. Solothurner Literaturtage aus der Taufe gehoben wird. «Unzählige Stunden gingen dafür drauf», erinnert er sich und meint damit einerseits die im vergangenen Jahr geopferten Ferien und andererseits auch die Stunden, die der gesamte redaktionelle Ausschuss des S11-Teams aufwendete.

Erinnerungen, Glückwünsche und Dankesworte

Neben Martin Rohde und Wanda Kupper, die ebenfalls bei der Konzeption beteiligt war, wirkten Miryam Abebe, Anna Bürkli und Stefanie Steinmann mit, ferner in Gastbeiträgen Schriftsteller Franco Supino und Künstlerin Marianne Büttiker. Hinzu kommen «Briefe» zahlreicher früherer und bestehender Weggefährten und Kunstschaffender: Hommagen, Erinnerungen, Glückwünsche und Dankesworte.

Eine Vielzahl von Plakat-Abdrucken, Ausstellungseindrücken und Objektfotos runden das Werk illustrativ und nicht selten unterhaltend ab. Im Sinne einer «Resteverwertung» hat Rohde zudem die 394 Ausstellungen aus 40 Jahren Künstlerhaus in chronologischer Abfolge zusammengetragen.

Die Berg- und Talfahrten

«Einerseits soll das Buch eine Dokumentation der Geschichte des Hauses sein, wie sie in dieser Form vorher noch nie erschienen ist», erklärt Rohde. «Andererseits ist das Buch eine Selbstbestätigung fürs Team, was in 40 Jahren erreicht wurde.» Dazu gehören aber auch die Talfahrten, die die Institution an der Schmiedengasse in dieser Zeit durchlebte. Und so ist die Publikation keine selbstgefällige Auflistung von Errungenschaften. Einige Krisen hat das Haus durchgestanden und stand in 40 Jahren mehr als einmal vor dem Aus.

«Es ist mitnichten selbstverständlich, dass das Künstlerhaus bis heute überlebt hat», bestätigt Rohde und nennt zwei existenzielle Krisen: 1987 stand die Gründer-AG, die 1978 das Haus an der Schmiedengasse erworben hatte, vor ihrer Auflösung. So war man hinsichtlich der Stossrichtung des Betriebs uneinig: Für die einen stand der Verkauf von Bildern im Vordergrund, für andere wiederum die Vermittlung von Kunstbildung und Kunsterziehung. Zur Rettung wurde im darauffolgenden Jahr dann der Trägerverein des Künstlerhauses ins Leben gerufen.

2003 die zweite grosse Prüfung: Mit einem stadtweiten Fächer an Aktivitäten zum 25-Jahr-Jubiläum hatte sich die damalige Leitung des Künstlerhauses – auch finanziell – übernommen. Gleichzeitig war ein Punkt in der S11-Geschichte erreicht worden, da sich die Künstler selbst nicht mehr durch die AG angemessen vertreten fühlten. Diese wiederum wollte das Haus verkaufen und fand im Trägerverein einen Käufer. «Aus den Krisen ist das Künstlerhaus immer gestärkt hervorgegangen», lautet Rohdes Schluss. Eingang in die Publikation fanden aber auch kritische Stimmen ehemaliger Wegbegleiter. «Auch diese wollten wir unbedingt drin haben, nicht zuletzt weil das Werk auch viele subjektive Eindrücke enthält», so Rohde.

Eine Liebeserklärung ans S11

Auch wenn die Geschichte des S11 sich wie ein «anstrengender Ritt durch die Höhen und Tiefen der Kunstvermittlung» liest – so schreibt Rohde im Buch – ist doch sein eigener Brief an die Institution eine schlichte Liebeserklärung: «Es steht ein Haus in der Altstadt von Solothurn. Ein Haus ganz nah am Glück, das viele Geschichten zu erzählen wüsste, sich immer wieder wandelte. Von jungen Hoffnungstrunkenen ins Leben gerufen, von älter gewordenen nicht zu Grabe getragen. Über die Jahre in Kunst getränkt, künstlerisch bespielt und der Kunstvermittlung gewidmet.»

Buchvernissage: 40 Jahre Künstlerhaus S11: Fr, 31. Mai, 19 Uhr. Einführung durch Kunsthistorikerin Wanda Kupper, div. Lesungen. Infos: www.s11.ch