Solothurn

Das kreative Haus, das nie fertig ist: Im «Kofmehl» wird umgebaut

Nach zwölf Jahren gönnt sich die Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn in verschiedenen Bereichen eine Auffrischung. Auch eine Solaranlage auf dem Dach des Gebäudes wird es geben.

Seit zwölf Jahren rostet der Kulturwürfel vor sich hin, ganz im Sinne der Architekten. Weiter ist es ganz im Sinne seiner Betreiber, dass man dem Kofmehl sein Alter und Altern auch inwendig ansieht: 15'000 Künstler standen seit Fertigstellung 2005 während 3500 Konzerten auf den Bühnen der Halle und der Raumbar. Hunderttausende Besuchern gingen derweil ein und aus. Dies geht an die Substanz – weniger der Crew, mehr des Materials.

Aktuell gleicht das Kofmehl einem Mix aus Baustelle und Kunstatelier, das vom handwerkaffinen Teil der 250 Helfer zu Abendstunden und an Wochenenden umgestaltet wird. Beispielsweise in der grossen Halle: «Nach zwölf Jahren haben wir die Bühnenstatik prüfen lassen», sagt Betriebsleiter Pipo Kofmehl. Derzeit wird der Unterbau der Bühne saniert.

«Bei einem Belastungslimit von 500 Kilo pro Quadratmeter kann dann auch der 200-köpfige Chor der Fachmittelschule wieder auftreten», sagt Programmleiter Patrick Juchli. Neben Akteuren muss die Bühne auch das Gewicht für Technik und Requisiten tragen können. Manchmal nämlich kommen Bands mit ausgefallenen Ideen: «‹Sabaton› wollten mit einem Militärpanzer auffahren, doch das würde selbst auf einer dereinst sanierten Bühne nicht gehen», so Juchli.

Grundsätzlich wird die Halle ab Saisonstart «mehr Luft» haben. Der Arbeitsplatz für Ton- und Lichttechnik – «bisher eine Zweizimmerwohnung», so Kofmehl – wird um mehr als die Hälfte reduziert. Das verbessert die Sicht auf die Bühne und reduziert das Gedränge. «Mehr Publikum werden wir deswegen aber nicht reinlassen.»

Offener und grösser wird auch der Blick auf die Bühne: Die Lichthöhe wird erweitert und das hängende Bühnenfachwerk lässt sich neu per Motor für die Lichtbestückung absenken. Die Bar der Halle soll ebenso einladender werden und als «ein Mix aus dem ornamentaler Art déco und einem heruntergekommenen Industrie-Groove» daherkommen, sagt Kofmehl.

Aufgemöbeltes Piratenschiff

Praktisch komplett «aufgemöbelt» wird der Besucher nach der Sommerpause die Raumbar antreffen. Auch dort, auf den Planken des Kofmehl’schen «Piratenschiffs», haben zwölf Jahre Konzert- und Partyaktivität Spuren hinterlassen. «Wieder Holz, wieder haptisch, wieder federts», sagt Kofmehl und zeigt nach unten. So fiel die Wahl auf den selben Boden wie damals, nur dass er diesmal geleimt und geölt statt versiegelt wird. Mit dieser Technik werde er voraussichtlich haltbarer und unempfindlicher auch gegen ausgeschüttete Drinks gemacht. Zudem werden hier der DJ-Bereich und die Bühne neu aufgebaut und die Bar aufgefrischt.

Materialkosten für die Arbeiten in Halle und Raumbar belaufen sich auf 40'000 Franken. Davon sind die vielen Arbeitsstunden im Ehrenamt ausgenommen. Auf neu getrimmt ist auch die Abwicklung der Bezahlung. Juchli macht mit dem Verweis auf den nächstgelegenen Bankomaten die Problematik deutlich: Der nächste befinde sich rund einen Kilometer entfernt. «Neu können wir alle Optionen des bargeldlosen Zahlens anbieten», so Juchli.

Der auf Google Earth sichtbare Stierkopf – offizielles Logo, das auf dem Dach der Kulturfabrik prangt – wird bald mit «Krone» zu sehen sein. Rund ums Signet nämlich wurden eben erst Solarpanels der Firma Helion installiert. «Damit können wir rund 25 Prozent des Strombedarfs decken.»

Neue Toiletten in Planung

Geplant ist – auf vielseitigen Wunsch der Besucher - bald auch eine Sanierung der bestehenden Toiletten und – längerfristig – der Neubau der südlichen WC-Anlage als Verlängerung der Lärmschutzwand in der südöstlichen Ecke des Rostwürfels. Laut Kofmehl könnte dies aber auch erst nächstes Jahr erfolgen. Finanziert werden soll dieses Teilprojekt über einen Spendenaufruf Mitte August zusammen mit der Stiftung zur Förderung der Jugendkultur im Kanton Solothurn als Inhaberin der Liegenschaft – und zwar vor dem Hintergrund des 25-Jahr-Jubiläums der Institution Kofmehl.

Saisonstart am 2. September

Neben der finanziellen Rückendeckung weiss Pipo Kofmehl aber vor allem auch den Elan der Freiwilligenschar zu schätzen. «2017 ist anscheinend das Jahr des Tatendrangs», sagt er, während er laufende und geplante Projekte Revue passieren lässt. «Alle sind megamotiviert, sowohl in der Planung wie auch in der Ausführung. Und dies wird auch der Besucher zu spüren bekommen.» Mal sehen: Am 2. September startet auf jeden Fall die neue Kofmehl-Saison. Und zwar mit der Vespa-Twist, eine musikalisch-kulinarische Veranstaltung für Roller-Fans.

Derweil füllen Pipo Kofmehl, Patrick Juchli und ihr Team ihren Skizzenblock schon mit neuen Ideen. Die Aussengestaltung im Bereich des Eingangs könnte Thema sein. Und ziemlich kühn: Laut denkt man auch über eine zweite Estrade in der Halle nach. Machbar? Noch weiss man es nicht. Eins weiss Kofmehl hingegen sicher: «Dieses Haus ist nie fertig...»

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