«Im März ist es schon zehn Jahre her, seit wir aus dem Kloster weggezogen sind.» Sinnend blickt er auf die Nadelspitze des Kirchturms. Pater Paul Meier war der letzte Guardian (Vorsteher) des Kapuzinerklosters, das nach einer 400-jährigen Ordenspräsenz am 12. März 2003 von den Brüdern verlassen wurde.

«Schon damals sagte mir Regierungsrat Rolf Ritschard: Ja, ihr Kapuziner, Ihr hinterlasst uns da ein Problem.» Jedes Jahr zieht es Bruder Paul zurück in «sein Kloster», wenn es dank «Advent im Kloster» wieder einmal geöffnet ist. Jedes Mal fragt er aber auch nach, was mit der verwaisten Klosteranlage weiter passiert. Und erhält keine schlüssige Antwort – auch 2012 nicht. Denn schon 2003 hatte der Kanton als Eigentümer durch seinen Leiter Immobilien, Rolf Heiniger, zu einem Verkauf oder einer Abgabe im Baurecht verlauten lassen: «So ein Geschäft wickelt man nicht in zwei Monaten ab.»

Es herrscht Funkstille

Inzwischen ist Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli nicht weiter als sein Vorgänger Martin Kraus, der das Scheitern der «Denkklause»-Planung erleben musste. An sich hätte Mäusli danach zwar gleich zwei Projektteams zur Hand gehabt, doch beide waren den Nachweis, die notwendigen Investitionen von 30 bis 40 Mio. Franken erbringen zu können, schuldig geblieben. Im Frühling 2011 hatte man den Teams eine Frist von einem Jahr eingeräumt, «dann haben wir nochmals verlängert».

Im Augenblick herrsche Funkstille, «offiziell ist der Kontakt zwar nicht abgebrochen, aber wir haben nichts mehr von den Teams gehört», so Mäusli. Denn im zentralen Punkt bleibt der Kanton hart: «Dieses einzigartige Juwel wollen wir entwickeln und nicht einfach verkaufen.»

Deshalb werde man es nicht in der «Tierwelt» ausschreiben, scherzt Bernhard Mäusli – auch wenn sich vorerst keine ernst zu nehmenden Investoren für eine Übernahme des Klosters im Baurecht melden. Denn auch auf diesem Punkt beharrt der Kanton: Nur so könne man Einfluss auf die künftige Nutzung nehmen. Zwar steht die Anlage unter Ensembleschutz, doch bei den Wohngebäuden aus dem 20. Jahrhundert lasse die Denkmalpflege «Spielraum zu».

Es gab auch «lusche» Anfragen

Nicht dass es an Interessenten für das Kloster mangelt. Erst dieser Tage klingelte bei Bernhard Mäusli wieder das Telefon. Ob das Kloster noch auf dem Markt sei? Ist es eben nicht im klassischen Sinn. Denn der Eigentümer will sichergehen, dass ein Projekt «der 400-jährigen Geschichte des Klosters auch würdig ist».

Ideen habe es gegeben, vom Pfadiheim bis zur Yoga-Stube. Aber auch Anfragen von religiösen Gruppierungen und Organisationen mit eher suspektem Hintergrund. Und solche, die dem Kantonsbaumeister «lusch» vorkamen – weil der Verdacht von allfälliger Geldwäscherei im Raum stand.

Lieber den Spatz in der Hand

Auch umtreibt den Kanton vielleicht schon in wenigen Jahren die Frage, was mit den beiden Frauenklöstern gleich nördlich des Kapuzinerklosters passiert. Zwar ist der Kanton dort nicht Eigentümer wie zu Kapuzinern, aber ein derartiger «Kloster-Cluster» wäre eine ganz neue planerische Herausforderung – und auch Chance.

Jedenfalls vergebe man sich nichts, ist Bernhard Mäusli überzeugt. Der sich übrigens auch Projekte für Teile der Anlage vorstellen könnte. Kein aktives Interesse an einem Engagement zeige aber die Stadt Solothurn, bestätigt Mäusli auf eine entsprechende Frage.

Und so vermietet der Kanton die Kirche und Parterreräume mitsamt Garten recht erfolgreich an Private – für Feste wie Hochzeiten oder Ausstellungen wie «Advent im Kloster» jetzt oder die erstmalige «Authentica» im Sommer. «Wichtig ist, dass die Anwohnerschaft nicht gestört wird», meint Mäusli. Immerhin schaue damit so viel heraus, «dass wir damit zwar nicht sanieren, aber zumindest die Betriebskosten decken können. Und etwas Unterhalt oder kleinere Investitionen wie getrennte WCs sind damit auch noch möglich.»