«Mama, was ist eigentlich ein Kloster?», fragte der zehnjährige David Krähenbühl aus Utzenstorf seine Mutter am Zmorgetisch. Marie-Louise Ziegler beschloss spontan, dies an Ort und Stelle zu beantworten. Die Solothurner Klöster kennt Käthy Schmid, seit sie auf dem ehemaligen Gibelin-Hof aufgewachsen ist. Durch ihren Vater, der eine Fuhrhalterei betrieb, lernte sie die verschiedenen Ordensleute kennen.

Ohne jedoch einen Blick in den von Beten und Arbeiten geprägten Kosmos zu erhaschen. «Meine Mutter wünschte sich so sehr, einmal ein Kloster von innen zu sehen. Doch damals waren die Klausurvorschriften noch strenger als heute. Einzig Bruder Magnus von den Kapuzinern erbarmte sich und stellte eine Leiter an die Mauer. So durfte meine Mutter immerhin von aussen den Garten bewundern», erinnert sich Käthy Schmid. Sie freute sich, nun die Schwelle zu den Marienbildern im Klostergang tatsächlich überschreiten zu können. «Früher wusste man nur, dass hier Schwestern leben. Aber wir haben sie nie zu Gesicht bekommen.»

Im Klostergarten flanieren

Auch Bruno Corti aus Günsberg begrüsst die neue Öffnung: «Die Initiative, einen Förderverein Kloster Visitation zu gründen und mit Führungen und Veranstaltungen die Mauern durchlässiger werden zu lassen, finde ich einfach toll.» Seine Frau Madeleine freute sich, den legendären Lebensbaum in der Friedhofkapelle einmal im Original bewundern zu können, nachdem sie nur Abbildungen davon kannte. Normalerweise leben die Salesianerinnen abgeschirmt von der Aussenwelt.

Nun gestatteten sie Gästen, im Klostergarten zu flanieren oder an einer Führung teilzunehmen. Ein wahrer Ansturm an Interessierten liess sich von Sr. Siji, Vreni Atzli, Heidy Grolimund und Romy Flück über die spirituellen und kulturellen Kostbarkeiten der Visitation informieren. Im Hof lockte der mit Seidentüchern, Gewürzen und Stoffen bestückte Basar, der von den indischen Schwestern gemeinsam mit Gertrud Eberhard und Lotti Angehrn betreut wurde. Gemeinderätin Susan von Sury konnte mit den Sisters gar in der Muttersprache sprechen. Bürgerschreiberin Anita Hohl und Kunstschaffender Joschi liessen sich im Gartebeizli die Grilladen schmecken.

Auch Ivo Kummer war dabei

«Einfach märchenhaft dieser Garten und die ganze Ambiance. Ich habe meiner Freundin eine MMS gesandt», schwärmte Isabella Steffen. Klostermauern faszinieren auch Ursula Konings aus Solothurn. Sie habe eifrig die Kamera gezückt und viele Details entdeckt. «Das Madönneli mit den zwei Zitronen hat es mir besonders angetan», berichtete sie. Margrith Scheidegger aus Grenchen genoss die Gelegenheit, die «Oase der Spiritualität» in natura zu sehen, nachdem sie jahrelang an der Klostermauer entlang gefahren war.

Selbst die Ordensfrauen aus dem Kloster Namen Jesu und Sr. Assumpta vom Bischofshaus besuchten das Gartenfest und die Schwestern. Die Oberinnen – Sr. Marie Dominique von der Visitation und Sr. Luzia Willi vom Namen Jesu – plauderten mit dem neuen Chef des Schweizer Films. Ivo Kummer: «Mein Vater war Zahnarzt und hat sich um die Zähne der Nonnen gekümmert.» Und David Krähenbühl, der im Klostergarten die Johannisbeeren kostete, ist stolz, dass er nun viele Fragen zum Klosteralltag aus eigenem Sehen beantworten kann.