Solothurn

Das «kleine und feine» Filmfestival hält sich wacker

1998: Die zweite Durchführung überhaupt, und die erste auf der Krummturmschanze.

1998: Die zweite Durchführung überhaupt, und die erste auf der Krummturmschanze.

Zum 20. Mal werden die Solothurner Sommerfilme heuer durchgeführt.

Es waren die Neunziger, als der Boom der Open-Air-Kinos seinen Lauf nahm. In diesen Trend hinein wurden die Solothurner Sommerfilme geboren – und überdauerten bis jetzt: Vom 14. bis 21. August finden sie zum 20. Mal statt.

Im «Aaregarten» lassen heute, 2016, bei einem Kaffee zwei der Pioniere ihre Erinnerungen aufleben: «Hier an der Fassade des Alten Spitals wurden die ersten Filme gezeigt», erinnert sich Peter Bürgi. Damals noch unter Operateur Walter Ritschard, später Sohn Martin, wurden die Filme mit einem regelrecht antiken Kohlelampen-Projektor gezeigt.

Dieser erzeuge ein intensiveres, authentischeres Bild als der spätere Xenon-Projektor. «Unter den ersten Filmen waren auch ‹Hair› und ‹Thelma & Louise›», ergänzt der Autor und Journalist Christoph Pfluger – und zeigt den Flyer von 1997.
Bürgi und Pfluger zählten zum Filmclub der Elternschar aus der hiesigen Steinerschule und trugen zur Initialzündung des Open-Airs bei: «Wir fanden, Solothurn könnte ein solches Event gebrauchen», so Pfluger. Ausserdem habe dieses die Macht, das Sommerfeeling über die zu Ende gehende Ferienzeit etwas zu verlängern.

Keine Mainstream-Kisten

Ebenso involviert war der «Canvas Club» mit Dirk de Boer, sowie das Alte Spital unter der damaligen Leitung von Jane Melmuka, später Jürgen Hofer resp. Eva Gauch, sowie der cineastischen Fachhilfe von Helmuth Zipperlen. «Er hatte mit seinem Zettelkasten an Filmen bei der Auswahl der Filme mitgeholfen.» Worum man seit Anbeginn stets bemüht war; Hollywood-Blockbuster zu umfahren. «Wir wollten bewusst keine Mainstream-Kisten, keine überrissenen Action-, Horror- oder Trickfilme», sagt Bürgi, «sondern Filme mit einem menschlichen Aspekt.»

Und die Liebe zum Film sollte in diesem Fall auch durch den Magen gehen: «Aus Sicht der Steinerschule war auch die Idee von Essen und Trinken zentral», sagt Bürgi, weswegen die Steinerschule am Anfang neben den anderen Bereichen auch für die Verpflegungsstände viel Manpower mobilisierte.

Nach der ersten Durchführung im «Aaregarten» wechselte der Anlass aber an jenen Ort, den man heute unweigerlich mit den Sommerfilmen verbindet, «und mit dem wir schon von Anfang an geliebäugelt haben», sagt Pfluger.

Mit 500 Plätzen spielte man auf der Krummturmschanze vor historischer und naturnaher Kulisse bereits 1998 rund 2000 Eintritte ein. Bald gelangte man mit dem Erfolg auch finanziell in die Gewinnzone - und das bei nicht kleiner Konkurrenz: Bis 2010 fand zunächst bei der Kanti, später auf dem Dornacherplatz das «Open Air Kino Solothurn» statt. Doch «Mainstream» konnte sich letzten Endes gegen «Klein und fein» nicht halten.

Einiges änderte sich...

Wie schon bei der «grossen Schwester», den Solothurner Filmtagen, haben sich auch bei den «Sommerfilmen» die anfänglichen Strukturen über die Jahre verändert. Während die Player der Pionierszeit paritätisch mitgewirkt haben, gelangte der Anlass über die Jahre immer mehr unter die Federführung des Alten Spitals. Immer mehr wurden auch Sponsoring und Werbung für die Finanzierung des Anlasses vordergründig. Und seit 2013 flimmern die Filme digital über die Leinwand.

Doch in vielen Bereichen blieb der Zauber des Anfangs erhalten: Dass Züge jeweils lautstark an der Schanze vorbeirattern, stört kaum. «Wir schulden es der Authentizität, die Filme im Original mit Untertiteln zu zeigen», sagt Bürgi. Dies sei insbesondere dann von Vorteil, wenn der Zuglärm das Kinoerlebnis übertöne. Und auch bei der Programmierung hält man sich an den alten Grundsatz: Noch heute stehen Filme abseits der grossmächtigen Filmindustrie im Fokus, «vor allem Reprisen», so Pfluger.

Dass das 20-Jährige – unter der Ägide von Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals – aus lauter solcher Reprisen besteht, passt: So entspricht das Programm fürs Jubiläum einer Publikumsauswahl aus Filmen, die in früheren Jahren gezeigt wurden (siehe Kasten links).

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