Seit einigen Jahren sind in Kinos grösserer Städte Opernübertragungen zu sehen. Inzwischen haben auch kleinere Orte wie Thun, Aarau oder Gstaad solche Aufführungen mit Erfolg übernommen. Als Mark von Gunten an einer Kino-Fachtagung in Baden-Baden mit den Rechteinhabern ins Gespräch kam, war für ihn bald mal klar, dass es dies auch in Solothurn geben sollte. Zumal er selber gerne Opernmusik hört.

Nachdem die Kinos für teures Geld digital umgerüstet worden sind, gilt es die Vorteile der Digitalisierung auch zu nutzen. Dazu gehören eben die Live-Übertragungen aus Covent Garden. Alles, was dort auf der Bühne passiert, ist gleichzeitig auch auf der Solothurner Kinoleinwand zu sehen. Die Sicht auf die Bühne ist in einem grossen Haus nicht immer optimal, sodass man im Kino (zwar nur virtuell) näher am Geschehen ist.

In den Theaterpausen werden Hintergrundinformationen und Interviews mit Künstlern geboten. Da es sich um Direktübertragungen handelt, sind die Beginnzeiten unterschiedlich. Allerdings können die Kinobetriebe nicht frei wählen, was sie übertragen haben wollen, sondern müssen nehmen, was angeboten wird. Das ist aber bei einem renommierten Haus natürlich immer noch erste Qualität.

Bühnenkunst seit 1732

Das Theater wurde am 7. Dezember 1732 mit «The Way of the World» von William Congreves eröffnet. Obwohl auch die Opern von Händel dort aufgeführt wurden, war es vor allem ein Schauspielhaus. 1848 wurde es zur Königlichen Italienischen Oper mit Gioacchino Rossinis «Semiramide» als erster Inszenierung. Seit 1892 ist es das Royal Opera House und nach dem Zweiten Weltkrieg fand das Sadler’s Wells Ballet dort seine Bleibe.

Das Haus ist zweimal abgebrannt und musste neu erbaut werden. Während der beiden Weltkriege und in der Zwischenkriegszeit wurde es auch für andere Zwecke genutzt, beispielsweise für Variété-Programme. Seit 2007 findet jeweils im Februar die Verleihung der British Academy Film Awards dort statt, was auch eine Verbindung zum Kino ergibt.

Programm der nächsten Saison

«Da freue ich mich aber, denn jetzt muss ich nicht mehr nach London fliegen», soll eine Dame gesagt haben, als ihr Romana von Gunten den Flyer mit dem Opernprogramm in die Hände drückte. Sechs Opern und sechs Ballettaufführungen sind vom September 2015 bis zum Juni 2016 programmiert. Im Ballett wird neben Klassikern wie «Romeo und Julia» (Eröffnung), «Der Nussknacker» und «Giselle» auch weniger Bekanntes angeboten.

Unter den Choreografen stechen Namen wie Kenneth MacMillan, Liam Scarlett, Jerome Robbins und George Balanchine heraus. Der Opernzyklus startet am 5. Oktober, 19.30 Uhr mit «Die Hochzeit des Figaro» von Mozart mit Erwin Schrott und Anita Hartig. Das italienische Repertoire ist mit «La Traviata», «Lucia di Lammermoor» und «Cavalleria Rusticana» vertreten. Besonders interessieren dürften auch die eher selten zu sehenden «Boris Godunov» von Modest Mussorgsky und «Werther» von Jules Massenet.

Wie in Opernhäusern üblich, werden die Opern in der Originalsprache gesungen und im Kino mit Untertiteln versehen. Für die Saison 2016/2017 können für diese Übertragungen vermutlich auch Abonnements offeriert werden. Die Eintrittspreise sind zwar teurer als ein normaler Kinoeintritt, liegen aber immer noch wesentlich unter jenem eines Opernhauses. AHV-Bezüger und Kinder geniessen Ermässigung. Unter anderem darf sich das Publikum freuen aufs Trinklied von Turiddu aus «Cavalleria Rusticana»: «Schäumt der süsse Wein im Becher, winkt der Liebe Preis dem Zecher, dann erfüllt der Sorgenbrecher uns mit Mut und wonn’ger Lust.»

Weitergehende Informationen unter www.kinosolothurn.ch/de/opern-live-im-kino