Konzert

Das Kammerorchester musizierte mit Pianistin Maki Wiederkehr

Maki Wiederkehr verzaubert am Klavier

Maki Wiederkehr verzaubert am Klavier

Mit Vivaldi, Bach, Hoffmann und Schumann läutet das Kammerorchester mit Maki Wiederkehr den Frühling ein.

Ganz sanft umrahmten zwei eher untypische Werke des Vielschreibers Antonio Vivaldi (1678-1741), die Sinfonia «Al Santo Sepolcro» (übersetzt «Zum heiligen Grabmal») und die gleichbetitelte Sonata mit jeweils zwei eng verknüpften Sätzen, das Klavierkonzert d-Moll BWV 1052 von Johann Sebastian Bach (1685–1750). Auch der produktive Bach war genötigt, laufend neue Kompositionen aufzuführen. Deshalb bediente sich der Altmeister – gar nicht unüblich in seiner Zeit – bei eigenen Vorlagen und denjenigen anderer Tondichter. Dieses eigentlich für ein Cembalo und nicht für den Klangumfang heutiger Klaviere geschriebene Konzert wirkt aber als Bearbeitung wie «aus einem Guss».

Konzentriert widmete sich die von früheren Auftritten im Rahmen des Solothurner Kammerorchesters dem Publikum bekannte Solothurner Pianistin Maki Wiederkehr dem beglückenden Figurenwerk des 1. Satzes «Allegro». Eingeleitet wurde ihr Part durch ein rhythmisch kraftvolles Thema der diesmal 37 beteiligten Streicher des Kammerorchesters. Das Ensemble – geleitet von seinem Dirigenten Urs Joseph Flury – gefiel hier ausserordentlich in Klang und Präsenz, in der alle Instrumentalisten mit dem Solo-Klavier kommunizierten. Wie ruhig vorwärtsschreitend und episodisch weit gespannt wirkte das Adagio, in dem die Klavierstimme mit dem Streichorchester eine an Ornamenten reiche Melodik entfaltet. Heiter entspannte sich der rhythmisch impulsreiche 3. Satz Allegro mit einem spielerischen Gegeneinander im Auf- und Ab der Tonfolgen sowie im fast leidenschaftlichen Gegensatz zwischen Violinen und Klavier.

Ein Literat als Komponist

Bei E.T.A. Hoffmann oder Ernst Theodor Amadeus (statt Wilhelm selbst umbenannt nach seinem Vorbild Mozart) Hoffmann (1776-1822) denkt man spontan an «Hoffmanns Erzählungen», die fantasievolle Oper von Jaques Offenbach nach einem Drama von Barbier/Carré mit Schriftsteller Hoffmann im Mittelpunkt. Dass der ausgebildete Jurist E.T.A. Hoffmann sich autodidaktisch in vielen künstlerischen Bereichen bewegte, ist uns Heutigen mehrheitlich nicht mehr geläufig.

Es ist ein Verdienst des Solothurner Kammerorchesters, mit der aufgeführten Ouvertüre zur Hoffmann-Oper «Undine» hier den Anstoss gegeben zu haben, sich mit diesem interessanten und schöpferischen Leben zu beschäftigen. Beim 1813/14 entstandenen Werk «Undine» nach einer Novelle von Friedrich de la Motte Fouqué handelt es sich um eine breit angelegte romantische Einführung in die vertonte Legende um einen mit besonderen Zauberkräften ausgestatteten Wassergeist in menschlicher Gestalt. Und dies genau erzählte auch der nuancenreiche Vortrag des Ensembles, das sich mit 15 Bläsern verstärkt hatte.

Nicht nur Interpretin

Bekannt ist, wie sehr sich Clara Schumann-Wieck (1819–1896) als Klaviervirtuosin um die Verbreitung der Werke ihres Ehemannes Robert Schumann bemühte. Die achtfache Mutter galt als ausgezeichnete Pianistin und reiste zu Konzerten in die europäischen Musik-Metropolen. Dass sie selbst 1835 als erst Sechzehnjährige im berühmten Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Felix Mendelssohn-Bartholdy ihr dreisätziges Klavierkonzert a-Moll op.7 aufführte, weckte eigentlich Hoffnungen auf eine weitergehende schöpferische Biografie als Komponistin.

Durch die Ehe mit ihrem später gemütskranken Mann Robert trug sie vor allem zum wirtschaftlichen Erhalt der grossen Familie bei. Das Publikum liess sich vom kraftvollen Vortrag dieses von Maki Wiederkehr mit klaviertechnischer Präzision glänzend interpretierten Stücks regelrecht berauschen, wie der lang anhaltende Beifall zeigte. Neben zahlreichen Motiven gefiel im langsamen Satz der musikalisch-zarte Dialog mit Stefan Thuts Solocello. Die Pianistin, die gefällig in weinroter Robe auftrat, verabschiedete sich mit «Träumereien» von Robert Schumann.

Ein «Wiederhören» mit Maki Wiederkehr und dem Trio Rafaele gibt es am 30. April um 17 Uhr im Konzertsaal Solothurn.

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