Nein, in welcher Haut Solothurn stecken möchte, weiss es nach diesem 10. Februar immer noch nicht. Ein Zufallsmehr sprach sich für das Beibehalten des jetzigen Systems mit Gemeindeversammlung aus. Die hauchdünn unterlegenen «Abschaffer» hätten es aber «beinahestens» geschafft – was wiederum heisst: Eine riesige Fangemeinde hat das Schaulaufen im Landhaussaal nicht (mehr). Das «Jein» von Solothurn zeigt das Unbehagen mit dem jetzigen System deutlich. Doch immerhin konnte eine fast auf sich allein gestellte FDP gegen die geschlossene Mitte-links-Allianz punkten. Geschlossen? Im Ratssaal ja, aber die CVP wie die SP hatten viele Abweichler in ihren Reihen. So nach dem Motto: Wenn die Spitze murrt, muss das Volk nicht unbedingt auch.

Die Befürworter-Parteien haben ihre Basis in dieser Frage zu wenig erreicht. Ging es doch primär um die «Arbeitsbedingungen» der Classe politique. Dazu äusserten sich auch keine 40 Prozent des städtischen Stimmvolks. Doch diese Classe politique wird weiterhin mit ihrer Rolle auch gegenüber dem Stadtpräsidium und der Verwaltung konfrontiert sein. Es kommt eine neue Ära nach Kurt Fluri. Dies war auch eine Motivation, den Systemwechsel jetzt herbeizuführen. Sobald sich eine neue Kraft einarbeitet, dürfte man nicht gleich mit einem neuen System den Störfall provozieren. So bleibt nach dem jetzigen Herzschlag-Finale wenig übrig, was grosse Veränderungen verspricht: Kampfansagen gabs schon gleich nach der Schliessung der Wahllokale, und ein Reförmchen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner ist gar nicht das, was die «Ja»-Allianz wollte.

Also tönt es schwer nach Solothurner Lied. Und wie das geht, wissen wir alle.

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