Als im April 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora mit der Wucht von 50 000 Hiroshimabomben ausbrach, hatte man im kleinen Solothurn keine Ahnung, wie sich ein Ereignis auf der anderen Seite der Hemisphäre bis zum Jurasüdfuss auswirken könnte.

Tatsächlich – und davon berichtet derzeit im «Blumenstein» die Ausstellung «Jahr ohne Sommer» – stand der Nahrungsengpass, der sämtliche sozialen Schichten ein Jahr später traf, mit diesem entfernten Ereignis in einem Zusammenhang.

Darüber ist ab heute in der Treppenhausausstellung im Naturmuseum zu erfahren: Welches sind die geologischen Hintergründe? Durch welche biologischen Methoden lassen sich Daten rekonstruieren?

Damals ratlos – und heute?

Was man weiss: Material, das den Bodensee dreimal füllen könnte, wurde in Höhen hinaufgeschleudert, dorthin, wo kein Regen diese Aerosole schnell hätte runterwaschen können.

Innert Tagen verteilten sich Schwebeteile um den Äquator, innert eines Jahres hatten sie sich polwärts über den Globus ausgebreitet, dimmten das Sonnenlicht und sorgten für Abkühlung und für eine Verschiebung klimatischer Zyklen. Für Solothurn hiess es: Keinen Monat ohne beschneiten «Göiferlätsch» auf dem Hausberg, Regentage en masse und besagte Nahrungsmittelverknappung.

Kantonsarzt Johann Kottmann wollte den Ursachen auf den Grund gehen – und scheiterte: Lag es an der Abholzung? Am intensiveren Ackerbau? Hatten Nordlichter damit zu tun?

Auch die These, dass die neu erfundenen Blitzableiter der Atmosphäre Wärme entziehen, blieb unbestätigt. «Tatsächlich waren es erst moderne Methoden und Klimamodelle, die den Zusammenhang erklärbar machten», sagt Thomas Briner, Konservator des Naturmuseums.

Die Ausstellung widmet sich sowohl lokalen Konsequenzen als auch global wirkenden Ursachen des Vulkanausbruchs. Sie zeigt auf, wie Ernährungsmängel in der Knochenstruktur junger Menschen von damals geortet wurden, oder klimatische Einbrüche anhand dünner Baumringe anno 1816 und in darauffolgenden Jahren.

Und doch weiss man heute: «Der Vulkanausbruch war ein wesentlicher, aber nicht der einzige Grund fürs ‹Jahr ohne Sommer›», so Briner. Eines weiss die wissenschaftliche Gemeinschaft auf sicher: Diese Naturvorgänge sind komplex und bedingen einander gegenseitig – sodass auch in dieser Frage der Erkenntnisdurst letztlich ungestillt bleibt.

Vernissage: Donnerstag 25. August, 19 Uhr, Naturmuseum.