Solothurn
«Das holen wir nie mehr auf, nie mehr» – Jugendherberge geht zwei Wochen früher in Winterpause

Die Jugendherberge in Solothurn bekam die Coronakrise stark zu spüren. Im Hostel übernachten genau jene, die jetzt nicht mehr viel unterwegs sind – wie Schulklassen oder Vereine.

Sophie Deck
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In den Mehrbettzimmern gibt es nun Trennwände.

In den Mehrbettzimmern gibt es nun Trennwände.

Sophie Deck

In der Eingangshalle der Jugendherberge am Landhausquai war es letzte Woche still. Dort, wo sich sonst am späteren Nachmittag Gruppen von Schülern und Wanderern tummeln und auf ihre Zimmer warten, herrscht seit Wochen gähnende Leere. Normalerweise endet die Saison für die «Jugi» Ende November, dieses Jahr schloss der Betrieb bereits am 21. Tag des Monats. Der Grund: die zweite Coronawelle.

Das Solothurner Hostel wurde vom Rückgang der Gäste stark getroffen; es ist nämlich genau auf die Gruppen angewiesen, die während der Coronazeit nicht reisen. Schulklassen, Kirchengruppen, Besucher der Literaturtage und der Bike Days. «Eigentlich war die Jugi seit Ende September komplett leer», sagt Betriebsleiterin Francielly Gmür. Die einzigen Gäste seien noch Gastarbeiter aus Italien gewesen, die nicht nach Hause konnten. So entschied sie, dieses Jahr schon knapp zwei Wochen vor dem gewohnten Datum zu schliessen.

Verluste konnten nicht kompensiert werden

Ähnlich hatte die Lage auch im Frühjahr, während der ersten Welle, ausgesehen: Ab Anfang März nahmen Gmür und ihre Mitarbeiter eine Absage nach der anderen entgegen. Dann fielen auch noch die Literaturtage und die Bike Days aus – in diesen Wochen macht die Jugi normalerweise ihren Hauptumsatz. Die Schweizer Wandergruppen und Velofahrer, die ab Juni in die Jugi eincheckten, bescherten dem Betrieb in Solothurn zwar einen «recht guten Sommer», so Gmür, dieser konnte jedoch die Verluste vom Frühling lange nicht kompensieren. Die jetzige Situation trägt nicht zur Besserung bei. «Das holen wir nie mehr auf, nie mehr», stellt Francielly Gmür fest. «Das ist nicht machbar.»

Zahlen kann die Betriebsleiterin keine nennen, da die Finanzen aller Jugendherbergen der Schweiz in einer Jahresabrechnung zusammengefasst werden. Die Betriebe sind Teil des Verbands «Schweizer Jugendherbergen» und gleichen Gewinne und Verluste untereinander aus. Dieses Jahr ist die Gesamtbilanz schlecht: In den Monaten März und April verzeichnet der Verband eine Einbusse von 90 Prozent, von Mai bis Oktober dann noch eine von 30 Prozent. Das ergibt auf das Jahr 2020 eine Einbusse von rund 40 Prozent.

Neben den Verlusten, die durch die Krise entstanden sind, verursachte diese auch einen zusätzlichen Aufwand. Die Direktion der Schweizer Jugendherberge gab an alle Betriebe Schutzkonzepte heraus. So musste auch in Solothurn vieles umgestellt werden: Neben Anpassungen im Speisesaal wurden die Mehrbettzimmer mit Trennwänden ausgestattet, sodass trotzdem Gäste nebeneinander schlafen können. Dies wurde aber möglichst zu vermeiden versucht. Auch hat das Team der Jugi vier Mal täglich die Gemeinschaftsduschen und -WCs gereinigt und desinfiziert sowie die Zimmer täglich einer Grundreinigung unterzogen.

Gäste wollten Trennwände herausreissen

Die meisten Gäste hätten sich mit den Schutzmassnahmen nicht allzu schwer getan, erzählt Gmür weiter. Es habe einige gegeben, die sich beschwert hätten, weil sie allein in einem grossen Zimmer waren. «Ich glaube, manche Menschen haben es etwas satt, allein zu sein», meint sie. Andere wollten genau diese Möglichkeit für sich nutzen. Sie buchten ein Bett «im grössten Zimmer, das nur möglich war» (einem 8-Bett-Zimmer) und hofften, dieses für sich alleine zu haben und gleichzeitig noch Geld zu sparen. «Wir mussten ihnen erklären, dass es so natürlich nicht funktioniert», sagt sie grinsend. Das häufigste Problem waren aber Familien, die sich an den Trennwänden störten und manchmal sogar versuchten, diese herauszureissen.

Ansonsten hat das Team der Jugi die Zeit ganz gut überstanden. «Ich glaube, wir sind einfach alle froh, unseren Job noch zu haben», sagt Gmür. Die Idee wäre nun, auf die Filmtage hin wieder zu öffnen. Die Krise macht das Planen schwer. Die Jugendherberge sei aber bereit für die neue Saison, so Gmür, «und wir hoffen auf die Rückkehr zahlreicher Gäste».

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