Den Auftakt auch zu dieser Generalversammlung machte die Saure Leber, von ihr ist die Kurzbezeichnung abgeleitet, und nicht etwa vom Zustand des Stoffwechselorgans, das am Chilbisonntag beim einen oder anderen Bruder möglicherweise etwas strapaziert wurde. Gefolgt wird die Leber von Kutteln, auf dass der Cholesterinspiegel nicht zu stark absinke.

Die Kapelle Gebrüder Reber eröffnete mit dem Chilbi-Marsch. Dem folgten die Begrüssung durch den Obmann Franz Gamper und die Wahl der Stimmenzähler, was schon nicht ohne Erheiterung stattfand. Jedenfalls hatte Weibel Peter Neuenschwander reichlich zu tun, um mit seiner Glocke einigermassen Struktur in den Verhandlungen zu halten.

Einen Höhepunkt bildeten die Rechnungsablage durch Säckelmeister Sacha Bärtschiger und der Bericht der Rechnungsprüfer. Der Säckelmeister erläuterte seine Rechnung anhand von Kryptowährungen wie Bitcoins und dazugehörigen Techniken wie Block-Chains so lange, bis keiner mehr draus kam und er sich selber und die Revisoren (theoretisch) abgeschafft hatte.

Letztere zahlten es ihm heim, indem Rolf Jenni für jeden einzelnen Anwesenden ausrechnete, wie viel er spenden solle, um die Kasse zurechtzubiegen. Gaudenz Oetterli leistete sich den Versprecher Rechnungsablüge statt -ablage und verwendete Begriffe wie Höhere Eingebung und Gottvertrauen. Solches erwiesen die Brüder und segneten die Rechnung 2017 ab. Die Strophen 1, 3 und 8 des Solothurnerliedes schlossen das Thema ab.

Die heitere Stimmung aufrecht erhielt das wesentlich exakter auftretende mit allerhand Seitenhieben angereicherte Protokoll von Cancellarius Patrick Schwaller über die letzte Saure Leber. Im Wahltraktandum wurden Peter Neuenschwander als Weibel und Fabio Steiner als Fähnrich bestätigt. Das Bruderschaftslied schloss den Wahlakt ab.

SBB-Realsatire

Pfarrer Roland Stach – mittlerweile zum Ehrenprediger erhoben - und der vom Festredner zum Bruder mutierte Regierungsrat Roland Fürst hatten nochmals das Wort. Sie freuten sich beide über die warmherzige Aufnahme, auch wenn sie nicht gerade aus Solothurn stammten – was zu allerhand Anspielungen und Neckereien führte. Beide aber haben festgestellt: «Das Herz schlägt in der Minderen Stadt.»

Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri berichtete über seine seit Jahren anhaltenden Bemühungen um die Lärmsanierung der überlauten Eisenbahnbrücke. Die Antworten, die er vorab von der SBB erhält, tönen zum Teil wie Realsatire, wird doch in einem Schreiben festgestellt, dass eine Stahlbrücke laut sei – da staunen die geplagten Mitbrüder. Immer wieder wird auf kommende Jahre vertröstet und gesagt, dass dann wohl eine neue Betonbrücke notwendig würde. «Na sowas!» ist man versucht auszurufen. Fluri hoffte, dass der Baudirektor und heuriger Festredner gut zugehört habe, er bleibe auf jeden Fall dran.

An der Sauren Leber 2004 hatte der damalige Festredner Urs Altermatt dazu aufgerufen, die Bruderschaft möge dazu beitragen, Solothurn wieder die Stadt mit Speuz werden zu lassen. Seither ist das «Chriesiste-Speuze» zur symbolträchtigen Tradition geworden. Beim Kräftemessen am Ende der jüngsten Generalversammlung schwangen obenaus: Patrick Schwaller als Sieger, Dominik Tschanz wurde Zweiter und Fabio Steiner Dritter.