Kloster Namen Jesu
Das «Haußbuch» erweitert den Blick in die Klostergeschichte

Die Zentralbibliothek publizierte das 250-jährige Pflichtenheft des Klosters Namen Jesu, das sogenannte Haußbuch. Darin wird unter anderem vorgeschrieben, wie die Vorsteherin eine Quittung zu unterzeichnen hatte.

Beatrice Kaufmann
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Blick auf das Frauenkloster Namen Jesu in Solothurn
8 Bilder
Im Kloster lebt eine Schwesterngemeinschaft, die 1609 gegründet wurde.
Kloster Namen Jesu in Solothurn
Hinter diesen Mauern versteckt sich der Klostergarten.
Blick in den Garten
Die Schwestern führen eine Hostienbäckerei. 220 Pfarreien werden beliefert.
Kloster Nomen Jesu
2009 wurde im Kloster das 400-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Blick auf das Frauenkloster Namen Jesu in Solothurn

Felix Gerber

«Die Pension des französischen Königs hatte den Zweck, in der Stadt eine günstige Stimmung für die Werbung von Soldaten zu schaffen.» Von solchen Details, die einen Blick durchs Schlüsselloch in die Vergangenheit Solothurns zulassen, ist die Edition des «Haußbuchs» des Klosters Namen Jesu gespickt. Wurde die königliche Pension vom Kloster in Empfang genommen, so musste die jeweilige Vorsteherin wissen, wie sie die Quittung («quitantz») unterzeichnen musste. «Sr. Maria N: der Namen der Mùetter, Mere Superieure de Lorder de St. Francois au Couvent de St. Nom: De Jesu».

Solche wichtigen Informationen entnahm die jeweilige «Frau Mutter» eben dem «Haußbuch». Sonja Victoria Werner, ehemalige Vorsteherin des Klosters, Rolf Max Kully, emeritierter Professor für Germanistik, und Andreas Röder, ehemaliger Kapuziner und heute Gärtner im Kloster Namen Jesu, haben das «Haußbuch», das lange Zeit im Klosterarchiv lag, aufbereitet und herausgegeben. «Wirtschaftliches, gesellschaftliches und liturgisches Pflichtenheft der jeweiligen Frau Mutter des Klosters Namen Jesu in Solothurn» lautet der von Kully zugefügte Untertitel.

Was auf den ersten Blick etwas lang anmutet, ist treffend formuliert. Das «Haußbuch», das im Jahre 1757, am Vorabend der Französischen Revolution, von Schwester Rosalia Setter angelegt wurde, diente der Vorsteherin und ihren Nachfolgerinnen bis ins 19. Jahrhundert als «Regelwerk und Erinnerungsstütze bei der Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben», wie die Herausgeber in ihrem Vorwort schreiben.

Vielfältiger Klosteralltag

Denn das klösterliche Leben umfasste natürlich schon damals mehr als beten, essen und schlafen. Arbeit stellt einen wichtigen Bestandteil des Kapuziner-Lebens dar, weshalb beispielsweise Landwirtschaft und Hostienbäckerei im «Haußbuch» Erwähnung finden. Lieferanten, Handwerker, Ärzte und Klosterangestellte mussten für ihre Dienste entlöhnt werden.

Damit niemand zu viel oder zu wenig erhielt, wurden die Beträge von Geschenken, Lohn, Taschen- und Trinkgeld festgehalten. Sandte der Chorherr von St. Ursen einen Boten mit dem Geld für die Hostien, so erhielt dieser etwa «Trùnckh» und «brott», aber kein «gelt». Aber auch einschneidende Ereignisse, wie Todesfälle, lassen sich finden.

Nicht nur für Wissenschafter

«Frau Werner hatte das ‹Haußbuch› schon länger im Visier», so Kully rückblickend. Zum 400-Jahr-Jubiläum des Klosters im 2009 waren Werner, Röder und Kully jedoch mit den Kloster-Chroniken beschäftigt. Das «Haußbuch» nahm Sonja Victoria Werner daher erst danach in Angriff und kommentierte es. Die ehemalige Vorsteherin liess dabei ihr eigenes Wissen und ihre Erfahrungen einfliessen. «Sie hat das in erster Linie für ihre Mitschwestern getan», erklärt Kully. Wohl deshalb hätte sie das «Haußbuch» auch gerne in moderner Sprache herausgegeben.

Als Philologe war es Kully aber wichtig, möglichst nahe am Original zu bleiben, um nichts zu verfälschen. So liegt die Edition nun als gedruckte Version der Original-Handschrift vor, ergänzt mit Übersetzungen und Erklärungen. Die Sprache erscheint als eigenartige Mischung aus frühem Neuhochdeutsch und Schweizerdeutsch. Latein kannten die Schwestern ausserdem wohl nur gesprochen, weshalb sie sie phonetisch niederschrieben.

«Unsere Publikationen sollen auf einem wissenschaftlichen Niveau sein», gibt Verena Bider, Direktorin wissenschaftliche Bestände und Sammlungen der Zentralbibliothek, Auskunft. Von der Zentralbibliothek wurde das Werk veröffentlicht. Doch trotz des wissenschaftlichen Anspruchs solle das Werk auch für «gebildete Laien» interessant sein, so Bider. Dies dürfte dank der Ergänzungen von Werner und Kully, sowie einem Stichwortverzeichnis durchaus der Fall sein.

Weitere Schätze schlummern noch

Im Klosterarchiv liegen noch viele verborgene Schätze. Nach dem Sonja Victoria Werner im letzten Jahr verstorben ist, und somit auch die Veröffentlichung des «Haußbuches» nicht mehr miterleben durfte, überlässt Kully es Andreas Röder, die weiteren Schätze zu bergen. «Ich selbst habe noch viele andere Projekte. Kommt Andreas Röder auf mich zu, können wir aber gerne weiteres aus dem Archiv anpacken.»

Das «Haußbuch» kann in der Zentralbibliothek erworben werden.

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