Altes Spital
Das Haus einmal mit ganz anderen Augen sehen

Das Hausfest zeigt eine eindrücklich vielseitige und farbenfrohe Palette des Begegnungszentrums an der Aare. Das Programm ist lang, das Besucherinteresse gross.

Julian Perrenoud
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 Verstrickungen aus Garn bildeten den wortwörtlich roten Faden des Hausfests im Alten Spital.
15 Bilder
 Sinnlicher Parcours durchs Haus
 Produkte aus aller Welt... ein buntes Potpourri
 Künstler zeigten ihre Werke am Hausfest.
 Auch für ein geselliges Kaffeekränzchen ist Zeit am Fest der Begegnungen...
 Künstler zeigten ihre Werke am Hausfest.
 Man konnte den jungen Künstlern auch über die Schultern schauen.
 Die Schmink-Ecke war bei den kleinen sehr beliebt.
 Perfekte Mimik der jungen Tänzerinnen...
Ein kunterbuntes Hausfest im Alten Spital Solothurn
 Ein Rundum-Sightseeing im Alten Spital macht aber auch hungrig...
 Anlässlich der unterschiedlichen Workshops konnte man auch selbst aktiv werden.
 Geselligkeit wurde am Hausfest grossgeschrieben.
 Die Schmink-Ecke war bei den kleinen sehr beliebt.
 Auf kleinstem Platz im Alten Spital in fremde Kulturen und zu unbekannten Bräuchen reisen...

Verstrickungen aus Garn bildeten den wortwörtlich roten Faden des Hausfests im Alten Spital.

Julian Perrenoud

Dieses Spinnennetz zieht seine Fäden durch das ganze Haus, von Türe zu Treppe, von Decke zu den Pantoffeln, die am Geländer festgezurrt sind.

Einzig: Dieses Netz flechtet keine Spinne, es ist eine Künstlerin, die den roten Faden quer durch das Alte Spital spannt.

Ihr spontanes Kunstwerk soll Verknüpfungen und Beziehungen zwischen den einzelnen Räumen darstellen. Und dieses Netz wächst von Minute zu Minute.

Vernetzen, genau darum gehe es bei diesem Hausfest, sagt Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals. Ihr Ziel, mit allen beteiligten Organisationen einen eintägigen Anlass auf die Beine zu stellen, scheint gelungen:

Das Programm ist lang, das Besucherinteresse gross. Doch für Gauch und ihre 40 bis 50 Helfer war und ist damit die Arbeit nicht zu knapp: Seit Freitag und Samstagmorgen um acht Uhr stellen sie Bühnen auf, bauen Räume für die entsprechende Nutzung um oder unterhalten Besucher.

Involviert sind Organisationen der Integration, Kultur, Jugend- und Quartierarbeit. Sie alle stellen ihr Schaffen und Wirken das ganze Jahr über einmal ganz anschaulich vor.

Wirblige Tänze, deftiges Essen

Nackte Fusssohlen klatschen auf den Boden, rhythmisch schlägt ein Holzstück. Durch den kleinen Saal huschen drei junge tamilische Tänzerinnen, lassen sich synchron zu Boden fallen, werfen ihre Arme lasziv in die Höhe.

Die Mimik: Perfekt einstudiert. Ihre Gewänder strahlen in makellosem Gelb und Rot. Die Besucher blicken gebannt, wähnen sich in einem Bollywood-Film. Auch Salsa-Tänze können sie hier bestaunen, oder die geschmeidigen Bewegungen der Bauchtänzerinnen.

Einen Stock weiter oben ist es ruhiger, Landsleute stellen ihre Kultur vor: Festliche Gewänder, hölzerne Kunstwerke, deftige Gewürzsaucen aus Bolivien, handbestickte Tücher und gewobene Teppiche aus Albanien oder dem Kosovo, Tee und Kuchen aus der Türkei.

Nicht nur das Matinee-Konzert stösst mit 80 Zuhörern auf reges Interesse, auch die Führungen durchs Haus sind beliebt. Sie sollen die historische Seite des Alten Spitals zeigen.

Eva Gauch ist zufrieden, wie das Hausfest verläuft, denn es sollte anders werden als das frühere Sommerfest, draussen auf der Gasse. Und das ist es definitiv.

Einen persönlichen Favoriten kann sie nicht nennen, «mir gefällt die Gesamtheit». Sie hat bisher viele bekannte Gesichter gesehen, aber auch Familien, das freut sie besonders:

«Denn für Familien machen wir sonst eher weniger.» Auch junge Künstler erhalten die Chance, ihre Werke vorzustellen: Bildstempel auf Holz, grelle Gemälde oder bedruckte T-Shirts etwa.

Barfuss durch die Schlüssel

Während Heisshungrige ein interkulturelles Buffet mit Speisen aus Afrika, Griechenland, Thailand oder Spanien geniessen, stellen Kinder in der Bastelstube ihr eigenes Ketchup her.

Küchenprofis des Restaurants Aaregarten instruieren sie dabei. Oder dann lassen sich die Kleinen zu Katze und Hund schminken. Andere wiederum wandern barfuss durch den langen Fussparcours, gestützt von zwei Helfern.

Mal ist es ein Feld mit Sand, mal mit Murmeln, mal mit Schlüsseln. Draussen trotzt ein weisses Festzelt Wind und Wetter. Jugendliche bereiten darin alles vor für die Disco: Bühne, Boxen, Bar. Sie tüfteln an den Getränken. Wenn es dann abends losgeht, soll alles wie am Schnürchen klappen.

Mit Schnüren ist nach wie vor die Künstlerin beschäftigt. Das Innere des Alten Spitals färbt sich rot und röter. Mittlerweile hat sie von einem Buben Hilfe bekommen.

Er wirft und spannt die Schnur, wo es nur geht. Wird das Kunstwerk fertig, bevor die Schnur ausgeht? Die Künstlerin lächelt nur. Der Bub aber strahlt: «Wir haben mehr als genug roten Faden – der Rucksack ist voll damit.»