Zum 3. Mal
Das Gusto-Festival wird noch weiter expandieren, aber «Solothurn bleibt unsere Homebase»

Das Gusto-Festival findet in Solothurn bereits zum dritten Mal statt. Organisator Boris Walker hat grosse Pläne mit dem Fest, trotzdem will er auch weiterhin hier wirken.

Wolfgang Wagmann
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Gusto Festival 2017 in Solothurn
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Die extra eingerichtete Gusto-Küche in der Rothushalle.
Mauricio Couly fühlt sich in Solothurn sichtlich wohl
Dolli Irigoyen bringt sich aktiv in die Küche ein
In der Chuchilade-Küche wird faschmännisch Fisch zubereitet
Anthony Vazquez, Spitzenkoch aus Peru
Fernanda Walker macht das Wirken in der Rothus-Küche sichtlich Spass

Gusto Festival 2017 in Solothurn

Wolfgang Wagmann

Schon zum dritten Mal gastiert das Gusto Festival mit südamerikanischen Spitzenköchen in Solothurn. «Das Festival soll weiterwachsen», meint Organisator Boris Walker im Rückblick auf die Festival-Aktivitäten inzwischen auch in Basel oder Olten. «Nächstes Jahr werden wir zudem neu in Ascona in Zusammenarbeit mit dem dortigen Hotel Castello präsent sein», verrät Walker, der viele Jahre in Argentinien, der Heimat seiner Frau Fernanda, verbracht hat und die dortige Spitzen-Gastronomie aus dem Effeff kennt.

Doch welchen Platz wird das kleine Solothurn in einem national wichtig und bekannt gewordenen Gusto-Festival noch einnehmen? Der Festival-Macher räumt unumwunden ein, dass das Potenzial in Sachen Ertragskraft limitiert sei. Doch hier, wo alles angefangen hat, und Walker überall auf treue Partner zählen kann, will er auch weiterhin wirken: «Solothurn ist und bleibt unsere Homebase.»

«Sie ist ein Star»

«Salzhaus» und «Alter Stephan», das argentinische Grillfest Asado im Pier 11, dazu neue Stationen wie die mehrfach besuchte und speziell mit einer Küche ausstaffierte Rothus-Halle oder der Chuchilade – das waren und sind die Schauplätze des Gusto-Festivals. Mittendrin auch die Solothurner Spitzenköche Andy Zaugg oder Christian Härtge, die zusammen mit ihren südamerikanischen Kollegen, dem Peruaner Anthony Vasques, dem Kolumbianer Santiago Macias und Mauricio Couly für ganz besondere Gastro-Erlebnisse sorgen. Das Trio führet Sitzenrestaurants in Buenos Aires.

Doch über allem wacht das gestrenge Auge der berühmtesten Fernsehköchin von Südamerika: Dolli Irigoyen. «In ihrer Heimat ist sie ein absoluter Star und eine Autorität», weiss Boris Walker. Tatsächlich, wenn sich die Schirmherrin des Gusto-Festivals am Herd einmischt, wird auch «der Meister des Ceviche», Anthony Vasquez, zum folgsamen Lämmchen, das ohne Widerrede tut, was die «Mutter aller Köche» befiehlt.

«Der Austausch ist wichtig. Wir arbeiten in Argentinien viel enger zusammen als anderswo», ist Dolli Irigoyen überzeugt. Tatsächlich herrscht in der Südamerika-Connection immer ein freundschaftliches, ja herzliches Klima – «das Konkurrenzdenken, wie wir es hier kennen, ist ihnen eher fremd», bestätigt Boris Walker. Angetan hat es Dolli Irigoyen die interimistische Rothus-Küche - «wir haben hier viel Platz.»

Und Solothurn? Natürlich nicht zu vergleichen mit der Millionen-Metropole Buenos Aires. «Aber hier kann man bequem alles zu Fuss erreichen. Und von Solothurn aus ist man rasch in Bern, Zürich oder Bern», so die erfahrene Schweiz-Reisende. Die Aarestadt mit ihrem Märet und den überdurchschnittlich vielen guten Restaurants sei «ein wirklich schöner Gourmet-Markt. Wir nehmen auch immer etwas von unseren Reisen nach Hause – so besuchten wir schon regionale Bauern bei der Bohnenernte oder zuletzt die Käserei in Koppigen.»

Ein ganz spezielles Erlebnis für den Käse-Spezialisten Maurico Couly, der selber Käse fabriziert und deshalb in seiner Heimat als «Käsepapst Südamerikas» gilt. Zurück zu Dolli Irigoyen: Besonders angetan ist sie auch von den Solothurner Cafés mit ihrer Patisserie. Sie, die mit ihrem Netzwerk die talentiertesten Jung-Köche Argentiniens für Expeditionen wie das Gusto-Festival ausliest, hat in Solothurn vor allem ein Ziel: «Wir wollen hier zeigen, auf welch hohem Niveau wir in unserer Küche kreativ sind – und das immer mit viel Begeisterung für unsere Arbeit.»

Wohin die Reise führen soll

Die grosse Event-Dichte auch in Solothurn und das relativ limitierte Potenzial an Gästen, die dieses Niveau suchen, hat auch Boris Walker erkannt. Darum der Wachstumskurs, für den man sich mit einem Gusto-Festival in Solothurn «fit machen» will. Doch für den Organisator ist klar: «Es braucht das Besondere und man muss sich mit speziellen Themen profilieren.» Und meint damit gelungene Abende wie «Smoke & Dine» mit Sternekoch Andy Zaugg, die Fleisch-Parade «Meet Meat», oder auch die abschliessende «Kitchen-Party», die am Samstagabend wiederum in der Vorstadt steigt.

«Die Ambiance an allen Anlässen wurde sehr positiv aufgenommen», glaubt Walker, der vor allem noch Potenzial für Events mit Business-Kunden sieht: «Dafür gibt es noch relativ wenig gute Plattformen.» Und so schliesst der Festival-Macher nicht aus, dass Solothurn in diesem Bereich noch einige Trümpfe im Ärmel hätte.