Sie ist giftgrün, rechteckig und steht neuerdings mitten in der Mensa der Kantonsschule Solothurn. Seit einigen Wochen können Schüler an einer neuen Theke Snacks und Fast Food kaufen. Dadurch soll die zu Stosszeiten überlastete Essensausgabe, bei der jetzt nur noch Menüs geschöpft werden, entlastet werden.

«Durch die neue Aufteilung gibt es kürzere Wartezeiten», ist Betriebsleiterin Esther Wächter überzeugt. Viele Schüler greifen – wie die Leiterin beobachten kann – am Mittag häufig nur zu einem Hotdog, Sandwich oder Pizzastück. «Am Mittag ist es im alten Bereich der Essensausgabe jetzt schon sehr viel angenehmer», meint Wächter zufrieden. Der Ansturm über die Zehn-Uhr-Pause hingegen wurde lediglich an die neue Bar verschoben.

Fast Food besonders beliebt

Nachdem in einer Studie mit dem Finger auf die «fetten Solothurner» gezeigt wurde, fragt es sich, was und wie eigentlich für die «Solothurner Elite von morgen» gekocht wird. «Wir bieten mit unserem frisch gekochten Fleisch- und Vegimenü sowie einem Wochen- und Monatshit jeweils eine vollwertige Mahlzeit an», erklärt Betriebsleiterin Wächter.

Dabei würden möglichst viele Schweizer Produkte verwendet. Die Mensa gebe zudem jede Woche kostenlos Früchte ab. «Natürlich gibt es auch bei uns Frittiertes und Fast Food. Diese sind bei den Schülern besonders beliebt», sagt Wächter. «Wir können die Schüler halt auch nicht zwingen, sich gesund zu ernähren.»

Verkochte Teigwaren?

Dass nicht das vollwertige Menü der Kassenschlager ist, hat aber laut einer Schülerin andere Gründe: «Ich würde gerne ein gutes Menü essen, aber für verkochte Teigwaren und zähes Fleisch zahle ich keine acht Franken.» Ist es wirklich so schlimm? Bei einem Testessen besteht das Tagesmenü in der Mensa aus Pouletplätzchen, Reis und gekochtem Gemüse. Abgesehen vom etwas trockenen Reis schmeckt alles gut. Das Poulet ist sogar sehr saftig und zart. Im Nachbarsteller mit demselben Gericht ist das Fleisch hingegen einiges trockener. «Manchmal ist es Glücksache, welchen Teller man erwischt», meint eine Schülerin.

Zu den Vorwürfen zu den verkochten Teigwaren und dem zähen Fleisch meint Betriebsleiterin Wächter, sie habe bis jetzt noch nie deswegen Reklamationen erhalten. «Nur einmal waren die Teigwaren versalzen und ein anderes Mal war das Pouletfleisch nicht ganz durchgegart.»

Super Suppe

Auch die Portionen scheinen – laut einer Schülerin – von der Uhrzeit abhängig zu sein. Beim Testessen um zirka 12.20 Uhr wird die Portion als relativ gross empfunden. «Je später desto kleiner sind aber häufig die Portionen», erzählt die Schülerin weiter. Als gut schmeckende Konstante wird dafür die Suppe der Mensa genannt.

Mensa verliert Preiskampf

Acht Franken kostet das Tagesmenü. Mit einem Süssgetränk und einem Dessert übersteigen die Essenskosten schnell 10 Franken. Für einen günstigeren Preis und – laut manchen Schülerinnen – eine bessere Qualität ziehen es viele vor, sich über den Mittag im «Solomarkt» oder in der Stadt zu verpflegen. «Ja, die Konkurrenz ‹Solomarkt› spüren wir schon», sagt Betriebsleiterin Wächter und gibt zu: «Da können wir preislich nicht mithalten. Ein Süssgetränk kostet bei uns 2.50 Franken, im Einkaufszentrum bezahlen sie dafür nur 1.50 Franken.»

Tiefer könnten die Preise der Mensa, die vom Gemeinnützigen Frauenverein Sektion Solothurn geführt wird, nicht angesetzt werden. «Wie jedes andere Restaurant müssen auch wir Löhne, Sozialleistungen, und weiteres zahlen», rechtfertigt sich Wächter. In der Mensa arbeiten 13 Teil- und Vollzeitangestellte, darunter drei gelernte Köche und eine Konditorin. «Ein Menü für acht Franken zu kalkulieren, ist heutzutage nicht einfach», meint sie weiter. Immerhin: Der Kanton übernehme die Kosten für Wasser und Strom, und auch Miete müsse keine bezahlt werden.

An der neuen zirka zehn Meter langen und drei Meter breiten Snack-Bar, durch welche das Fast- Food-Verhalten der Schüler zumindest nicht korrigiert wird, fallen die grossen Dimensionen auf. Was stand denn früher an der Stelle? «80 Sitzplätze wurden durch die Bar ersetzt», erklärt die Betriebsleiterin. Eine ganze Menge, wenn man an den von den Schülern auch schon beklagten engen Raum denkt. «Dafür wurden zwölf neue Plätze hinzugefügt», relativiert Esther Wächter und fügt hinzu: «Etwas muss man halt schon opfern».

Schönes Sommer-Szenario

Schon vorher war der Raum knapp. Werden sich jetzt noch mehr Schüler gegen die Mensa entscheiden, da die Alternative wahrscheinlich einen Essplatz auf der Heizung oder im schlimmsten Fall auf dem Boden der Mensa bedeuten würde? Die Zeit und die kalten Temperaturen werden es zeigen.

Das Szenario dürfte hingegen im Sommer schöner aussehen. «Wenn es wärmer ist, können wir draussen essen», meinen ein paar Schülerinnen. Dabei lädt vor allem der schöne Kanti-Park und die von Schülern ausdrücklich gelobte Grillsaison der Mensa mit dem guten Salatbuffet die Kanti-Gänger zum Verweilen über den Mittag ein.

Trotz allem erhält die neue Bar von einigen Schülern Lob: «Es ist mal etwas Neues.» Und das ist ja schon mal ein Anfang.