Das grosse Rätseln
Analyse zu den Solothurner Stadtpräsidiumswahlen: Wer macht das Rennen?

Am Sonntag, 26. September ist es soweit: Solothurn erhält einen neuen Stadtpräsidenten – oder eine neue Stadtpräsidentin. Eine Analyse.

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Die Frage hat sich geändert: «Wen wählst du?», lautete sie noch vor dem ersten Wahlgang. Nun: «Wer denkst du, wird gewählt?» Denn im persönlichen Umfeld ist längst geklärt, wer Stefanie Ingold (SP) und wer Markus Schüpbach (FDP) favorisiert. Wer sich einmal festgelegt hat, bleibt seiner Favoritin oder seinem Favoriten meist treu.

Was auch daran liegt, dass keiner der beiden Kandidierenden sich einen groben Schnitzer lieferte. Und dass die Verlängerung des Wahlkampfes zwar die Positionen von Markus Schüpbach und Stefanie Ingold schärfte, aber nichts grundlegend Neues hervorbrachte. Auch wenn man Stefanie Ingold an einem Quartierfest beim Tischtennisspielen und Markus Schüpbach auf Instagram beim Gitarrespielen zuschauen konnte.

Es wird knapp

Und so handelt der Solothurner Small Talk derzeit vor allem von der Frage, wer der beiden das Rennen machen wird. Voraussagen sind schwierig. Eine einzige kann man machen, die man als einigermassen sicher erachten kann: Es wird knapp. Im ersten Wahlgang holte Stefanie Ingold 3373 Stimmen, Markus Schüpbach 3326. Die Differenz: lediglich 47 Stimmen.

Unwahrscheinlich, dass dies nun im zweiten Wahlgang plötzlich anders sein wird, es eine hochüberlegene Siegerin oder einen glasklaren Sieger geben wird. Dies zeigt auch der Blick in die Nachbargemeinde Oberdorf, wo sich im vergangenen Jahr ein regelrechter Wahlkrimi abspielte.

Fünf Stimmen trennten die beiden Kandidierenden für das Gemeindepräsidium im ersten Wahlgang. Hauchdünn vorne lag Marc Spirig. Dieser konnte auch der zweite Wahlgang für sich entscheiden, gar mit einer etwas grösseren Differenz als im ersten Wahlgang. Mit 10 Stimmen mehr als sein Kontrahent Ueli Kölliker. «Das war wie ein Hitchcock-Finale», sagte der Sieger. Wer könnte im Hitchcock-Finale in Solothurn die Nase vorne haben?

«S’isch immer so gsi.»

Wer auf Stefanie Ingold tippt, verweist auf den Vorsprung im ersten Wahlgang. Eine Erklärung von Seiten der FDP waren die Abstimmungsthemen an jenem 13. Juni, die eher linke Kreise mobilisiert hätten. Damals wurde über etwa über das CO2-Gesetz abgestimmt. Ob dies nun mit der Vorlage «Ehe für alle» und der 99%-Initiative viel anders ist? Jedoch ist es sicher so, dass der Vorsprung von Stefanie Ingold eher ein Zufallsprodukt ist, das schnell kippen kann.

Wer auf Markus Schüpbach tippt, kommt auf Solothurn als FDP-Stadt zu sprechen. «Weisst du», heisst es dann etwa, «wenn es darauf ankommt, wählt die Stadt Solothurn liberal. S’isch immer so gsi.» Doch trotz aller Liebe zum Solothurner Lied. Irgendeinmal könnte es anders sein. Wobei dies bei der FDP immer wieder prognostiziert wurde und es noch nicht so weit gekommen ist. Und so lockt die FDP im Wahlkampf mit dem Bewährten, während die SP den frischen Wind verspricht.

Fest steht, wer immer man favorisiert, es könnte tatsächlich sein, dass eine einzelne Stimme, oder zumindest ganz wenige, den Unterschied ausmachen. Dafür müssen wir gar nicht nach Oberdorf blicken. Im Februar 2019 machten 9 Stimmen den Unterschied. Ihnen ist es zu verdanken, oder sie sind schuld, dass Solothurn noch eine Gemeindeversammlung hat.

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