HESO-Behördentag

Das Ganzkörperselfie fehlt noch: François Scheidegger auf dem heissen Stuhl

Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger wagte sich tief ins Solothurner Feindesgebiet bis vor die Schanze. Auf dem «Heissen Stuhl» bewies er Nehmerqualitäten und erzählt unter anderem über das Verhältnis zu seinem Vorgänger Boris Banga.

Wie kommt es, dass sich ein Grenchner Stadtpräsident so tief ins Solothurner Feindesgebiet hineintraut, bis vor die uneinnehmbaren Mauern der Schanze?

Indem er als Gast auf den «Heissen Stuhl» gebeten wird, der im Rahmen des HESO-Behördentages jedes Jahr im Schwingerzelt für einen mutigen Exponenten bereitsteht.

Entsprechend stellte sich François Scheidegger mit einer zünftigen Portion an (nötigen) Nehmerqualitäten den Fragen von Urs Mathys, dem stellvertretenden Chefredaktor der Solothurner Zeitung. Die Sitzgelegenheit – passend zur Airport-Stadt Grenchen: ein Flugzeugsessel, aber «kein Schleudersitz», wie ihm versichert wurde.

«Wie schauts aus mit der Hassliebe zwischen Grenchen und Solothurn?», wollte Urs Mathys wissen. Und: «Reissen Grenchner Solothurnerwitze?» – «Nein, wir haben Respekt und Hochachtung vor Euch», gab Scheidegger leicht ironisch zu Protokoll. «Alles andere rührt von einem Unverständnis her», das aber eher von den Solothurnern ausgehe.

Dennoch: Ein leichtes Zähneknirschen konnte Scheidegger nicht unterdrücken, als der Gedanke an die kantonalen Ämter hochstieg, die sich aus Grenchen zurückziehen.

François Scheidegger auf dem «Heissen Stuhl»

François Scheidegger auf dem «Heissen Stuhl»

«Wie wärs, die Regierung nach Grenchen zu verlegen», schlug Mathys vor: «Das wären fünf Arbeitsplätze mit hohem Steuersubstrat.»

Was der Stadt aber an kantonalen Arbeitsplätzen fehlt, scheint sie wirtschaftlich gegenüber Solothurn wettzumachen. «Wir können grosse Industrieflächen in Autobahnnähe bieten.» Ansonsten schien sich der 2013 gewählte FDP-Stadtamme der Uhrenstadt auf seinem Abstecher in den Osten aber wohl zu fühlen. Vielleicht auch deshalb: «Willkommen daheim» prangte auf der Sessellehne. Eine Erinnerung an seine Zeit als Amtsgerichtspräsident oder eine Anspielung auf den nächsten politischen Karriereschritt – Stapi von Solothurn beispielsweise?

Wann gibts ein Ganzkörperselfie?

So oder so: Zumindest Gedankenspiele wie diese müssen erlaubt sein, auf dem «Heissen Stuhl» erst recht. Auch wenn Mathys den Smartphone-Muffel auf seine Fortschritte im Bereich der Neuen Medien anspricht: «Ich habe es zumindest fertiggebracht, ein Selfie zu knipsen. Doch bis zum Ganzkörperselfie hats noch nicht gereicht», verriet Scheidegger schmunzelnd.

Körperkultur ist beim höchsten Grenchner dafür in anderer Hinsicht angesagt, wie er zugibt: Als Mitglied des Gewichtsheberclubs hat er beim Bankdrücken stattliche 60 Kilo erreicht, «bis Ende Jahr wären 70 schön», so Scheidegger.

Das sollte doch ein Klacks sein, hat er 2013 mit seiner Wahl zum Stapi einen ganz anderen Brocken vom Bänkli gestemmt. «Spricht er noch mit Ihnen?», sprach ihn Mathys auf alt Stadtpräsident Banga an. «Nein, ich glaube er kennt mich gar nicht mehr», kam nach einer Denkpause als Antwort.

Und auf «Vermissen Sie den Kontakt?» ebenfalls ein «Nein», aber diesmal wie aus der Pistole geschossen...

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