Chris von Rohr, hängt über Deiner WC-Schüssel eigentlich noch immer eine Goldene Schallplatte?

Chris von Rohr: (lacht) Lustig, dass Du das fragst. Ja, da hing wirklich mal eine Goldene. Jetzt ist es eine aus Platin - vom Album Dirty Dynamite. Das passt irgendwie zum WC oder, wie ich es nenne, zum «Chamber of Horror». Die Scheibe muss einfach dort sein. Neben dem Originalposter von Frank Zappa.

Mit «Dirty Dynamite» ist das jüngste Krokus-Werk gemeint...

Ja, und wir freuen uns, dass es hierzulande das bestverkaufte Rockalbum des Jahres ist. Das ist in unserem Alter weiss Gott nicht mehr selbstverständlich.

Nach dem ebenfalls erfolgreichen Album Hoodoo knüpft Krokus damit an die 80er an. Auch für Dich persönlich hat sich ein Kreis geschlossen: Du spielst wieder in der Band, mit der Du gross geworden bist. Ist alles beim Alten?

Die Krokus-lose Zeit war für mich als Produzent und Komponist vor allem in den elf Jahren Gotthard sehr lehrreich. Diese Wanderjahre haben mich geprägt und meine Ohren geschärft. In der Band werde ich dadurch heute anders respektiert als früher. Zudem habe ich in dieser Zeit das Schreiben intensiviert. Das ist nebst der Musik meine Hauptbeschäftigung. Das Fernsehen hingegen war bloss ein Nebenjob, um die Rechnungen zu bezahlen.

Wenn wir von Veränderungen sprechen: Machst Du immer noch aus demselben Grund Musik wie vor 40 Jahren?

Gute Frage. Das Problem der heutigen Gesellschaft ist: Wir sind viel zu viel im Kopf und zu wenig im Körper und in der Seele - auch wenn das jetzt etwas abgefahren spirituell klingt. Musik war für mich schon immer eine Therapie. Wenn ich ans Klavier sitze oder die Gitarre in die Finger nehme, dann komme ich in diesen Flow: Du bist in diesem zufriedenen Zustand des Musikmachens, in diesem Universum der Töne. Das ist die eine Hälfte. Die andere ist, zusammen mit einer Band etwas zu erarbeiten. Das ist etwas Einmaliges. In einer Rockband zu spielen ist in dieser Zeit der digitalen Demenz eines der letzten grossen Abenteuer.

Ein Abenteuer hat aber auch seine Schattenseiten, oder nicht?

Wo Menschen sich schinden, um etwas Grosses, Überdurchschnittliches zu erschaffen, fliegen immer auch die Fetzen. Die Rumreiserei oder ein Album zu machen kostet enorm viel Kraft und ist nervenaufreibend. Wie sagt es Joe Walsh von den Eagles treffend? Es ist wie in der Ehe: Du stehst mit einer Band fast immer am Rande einer Auflösung.

Wird das Showbusiness härter?

Das kommt noch dazu, ja. Du weisst, dass Du für einen abserbelnden Markt arbeitest. Die Jugend will heute einfach alles gratis herunterladen, das ist besonders für junge Bands schwierig. Aber wir können uns nicht beklagen. Wenn Du dran bleibst und es für die Musik machst, dann geht immer wieder irgendwo eine Tür auf.

Bei Euch war viel los dieses Jahr. Ihr seid auf Tour gewesen, habt unter anderem am «Swedenrock» oder am «Hellfest» in Frankreich gespielt. Du hast einmal gesagt, zu viel Entspannung sei tödlich. Hält Dich die Musik am Leben?

Die Work-Life-Balance muss stimmen. Aber genug Musik tut allen gut. Musik ist Medizin. Sie bringt Menschen zusammen. Das siehst Du auch an unseren Konzerten: Die Euphorie ist unglaublich. Wir müssen einfach eine gewisse Intensität, viel Leidenschaft und Spielfreude hochhalten. Und das wiederum braucht Hingabe, gute Vorbereitung, Gespür und einen fitten Kopf und Körper.

Gab es bei den Konzerten ein Highlight?

Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die Piazza Grande in Locarno oder die 60 000 Fans in Frankreich sorgen natürlich für Gänsehaut. Aber die bestklingende Bühne ist die im «Kofmehl». Der Sound da ist genial. Manchmal wünschte ich, die Zuschauer könnten das alles auf der Bühne hören und erleben. Zudem spürt man bei so einem Konzert im kleinen Rahmen natürlich die Band besser als auf den grossen Bühnen.

Das vollständige Interview finden Sie in der Dienstagsausgabe der Solothurner Zeitung.